Au­to­mann mit Leidenschaft

Bernd Pi­sche­ts­rie­der wird 70 – Un­ge­wöhn­li­che Kar­rie­re bei BMW und Volks­wa­gen

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - WIR TSCHAFT - Von Ro­land Losch, dpa und Jür­gen Stram­mer

Bernd Pi­sche­ts­rie­der war in der Au­to­in­dus­trie ein ge­frag­ter Mann. Der In­ge­nieur war zu­erst BMW-Chef, dann VW-Chef. Aber nicht nur als Ma­na­ger, auch mit sei­ner Be­geis­te­rung für Old­ti­mer und schnel­le Wa­gen hat er Schlag­zei­len ge­macht. Heu­te wird er 70 Jah­re alt. Pi­sche­ts­rie­der heu­er­te nach dem Ma­schi­nen­bau-Stu­di­um in sei­ner Hei­mat­stadt Mün­chen bei BMW an, 1993 wur­de er Vor­stands­chef – und kauf­te 1994 den bri­ti­schen Au­to­bau­er Ro­ver.

Ro­ver-Fi­as­ko Fach­leu­te wun­der­te das schon da­mals. „Im Nach­hin­ein stell­te sich das als fal­sche Ent­schei­dung her­aus. Aber er hat sou­ve­rän und in Wür­de die Ver­ant­wor­tung über­nom­men – das ist et­was, was nicht vie­le ma­chen“, sagt Da­nie­la Berg­dolt, Vi­ze­prä­si­den­tin der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz (DSW). Nach Mil­li­ar­den­ver­lus­ten mit Ro­ver zog BMW 1999 die Reiß­lei­ne und feu­er­te Pi­sche­ts­rie­der. Nur Mi­ni und Roll­sRoy­ce blie­ben bei BMW. Zu­vor war er­folg­los ver­sucht wor­den, die Mar­ke Ro­ver auf dem deut­schen Markt zu eta­blie­ren. Al­ler­dings ge­lang es auch den BMW-Spe­zia­lis­ten nicht, die gra­vie­ren­den Qua­li­täts­pro­ble­me in den Griff zu be­kom­men.

Zu Pi­sche­ts­rie­ders Er­fol­gen ge­hö­ren zu­min­dest das BMW-Werk Spartan­burg in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und der Aus­bau des US-Ge­schäfts. „Bernd Pi­sche­ts­rie­der hat BMW in ei­ne an­de­re Li­ga ge­führt“, meint Berg­dolt.

Zwei Jah­re spä­ter hol­te der da­ma­li­ge VW-Vor­stands­chef Fer­di­nand Piëch Pi­sche­ts­rie­der nach Wolfs­burg und er­kor ihn 2002 zu sei­nem Nach­fol­ger an der Spit­ze des Kon­zerns. Es war ein schwe­res Er­be: Volks­wa­gen kämpf­te mit Kos­ten­und Qua­li­täts­pro­ble­men. Ver­un­treu­un­gen und Sex­rei­sen für Be­triebs­rä­te flo­gen auf. Pi­sche­ts­rie­der brach­te VW mit bes­se­rer Qua­li­tät, neu­en Mo­del­len wie dem Tou­ran und dem Toua­reg so­wie län­ge­ren Ar­beits­zei­ten oh­ne Lohn­aus­gleich wie­der auf Kurs und brems­te den teu­ren Phae­ton – ein Lieb­lings­pro­jekt des Auf­sichts­rats­chefs Piëch. Das be­deu­te­te Är­ger.

Kul­tur Zu­mal Pi­sche­ts­rie­der da­mals auch schon ver­such­te, ei­ne et­was an­de­re Un­ter­neh­mens­kul­tur zu eta­blie­ren. Freund­lich im Auf­tre­ten und oh­ne die un­er­bitt­li­che Här­te sei­nes För­de­rers Piëch war es fast schon un­aus­weich­lich, dass das Ver­hält­nis der bei­den bald ab­kühl­te. Piëch setz­te ihm im Fe­bru­ar 2005 den frü­he­ren Daim­ler-Vor­stand Wolf­gang Bern­hard als neu­en star­ken Mann fürs Gro­be in den VWVor­stand. Stück für Stück be­kam Bern­hard mehr Macht, Pi­sche­ts­rie­der durf­te zu­min­dest nach au­ßen hin noch den jo­via­len Chef ge­ben. En­de 2006 muss­te er dann aber doch ab­tre­ten, im­mer­hin mit vol­len Be­zü­gen für wei­te­re fünf Jah­re.

Vie­le Schwä­chen wur­den da­mals vom im­mer grö­ßer wer­den­den Er­folg der Toch­ter Au­di über­deckt. Ent­spre­chend wur­de Au­di-Chef Mar­tin Win­ter­korn Nach­fol­ger Pi­sche­ts­rie­ders. Der Volks­wa­gen-Pa­tri­arch hat­te den frisch Ge­feu­er­ten auf der Haupt­ver­samm­lung 2007 noch ein­mal öf­fent­lich ab­ge­watscht: „Zu spät ha­be ich er­kannt, den Fal­schen ge­wählt zu ha­ben.“Das ha­be er jetzt kor­ri­giert. Vie­le Ak­tio­nä­re sa­hen das an­ders. Zu die­sem Zeit­punkt war auch Bern­hard nicht mehr bei VW.

Vie­le, die mit Pi­sche­ts­rie­der zu tun hat­ten, lo­ben sei­ne „Hal­tung auch in schwie­ri­gen Zei­ten“, be­schrei­ben ihn als Gen­tle­man. Er lebt heu­te am Chiem­see. Seit 2013 ist er Auf­sichts­rats­chef der Mün­che­ner Rück­ver­si­che­rung. Seit 2014 ge­hört er zu­dem dem Daim­ler-Auf­sichts­rat an. Und für die Er­ben der baye­ri­schen Kö­ni­ge küm­mer t sich der bär­ti­ge Ober­bay­er auch noch um de­ren Ver­mö­gen: im Ver­wal­tungs­rat des Wit­tels­ba­cher-Fonds.

Fo­tos: dpa

Dem Bart ist er treu ge­blie­ben: Bernd Pi­sche­ts­rie­der als BMW-Vor­stands­chef 1997 (oben) und un­ten mit sei­ner Frau Do­ris im Ja­nu­ar 2018.

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