Pen­del zwi­schen Kul­tu­ren

Co­me­di­an Öz­can Co­sar über­zeugt 500 Fans im aus­ver­kauf­ten Red­blue-Fo­rum

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - VORDERSEITE - Von un­se­rem Re­dak­teur Ran­jo Doering

Co­me­di­an Öz­can Co­sar über­zeugt im aus­ver­kauf­ten Red­blue-Fo­rum.

Na, wenn das nicht ein au­ßer­ge­wöhn­li­cher Start in den Abend ist. An­statt ent­spannt auf die Büh­ne zu kom­men, legt Co­me­di­an Öz­can Co­sar erst ein­mal ei­ne ge­konn­te Break­dance-Num­mer hin. Auch in der Fol­ge bleibt es ra­sant. „Old School – Die Zu­kunft kann war­ten“, das ak­tu­el­le Pro­gramm des tür­kisch­stäm­mi­gen Schwa­ben, sorgt am Don­ners­tag­abend im aus­ver­kauf­ten Red­blue-Fo­rum für vie­le La­cher bei den 500 Be­su­chern.

Ge­mäß dem Pro­gramm­ti­tel macht Co­sar mehr­fach klar: „Wich­tig ist die Ge­gen­wart, die Zu­kunft ist mir scheiß­egal.“Der in Stutt­gart ge­bo­re­ne Co­me­di­an über­zeugt mit Energie und Elo­quenz, pen­delt mit sei­nem Hu­mor zwi­schen den Ex­tre­men. Eben noch mit ei­gent­lich un­nö­ti­gen Dampf­ham­merz­o­ten weit un­ter der Gür­tel­li­nie, punk­tet er im nächs­ten Mo­ment mit fein­geis­ti­gen Ge­schich­ten aus der ei­ge­nen Bio­gra­fie – im­mer ent­lang der zwei Kul­tu­ren. Co­sars Fa­mi­lie stammt aus der Tür­kei, er selbst ist im Schwa­ben­länd­le ge­bo­ren. Ist er jetzt Deut­scher oder Tür­ke? „Ich bin bei­des“, sagt der 36-Jäh­ri­ge mit Nach­druck.

La­ger­feu­er­lied Den Cul­tu­re-Clash führt er auch mu­si­ka­lisch wei­ter. Kur­zer­hand schnappt sich Co­sar ei­ne Akus­tik-Gi­tar­re und krallt sich „das Deut­sches­te, was es gibt“: das La­ger­feu­er­lied. Schnell wird aus ei­nem schmach­tend vor­ge­tra­ge­nen tür­ki­schen Hit, ein mit ras­si­gen Fla­men­co­k­län­gen un­ter­leg­tes „Mar­mor, St­ein und Ei­sen bricht“von Schla­ger­sän­ger Dra­fi Deut­scher.

Ob er über sei­ne An­fän­ge als „coo­les Gang­mit­glied“und Break­dan­cer spricht (Co­sar be­gann mit zwölf Jah­ren mit Break­dance und nahm im Jahr 2000 an der Deut­schen Meis­ter­schaft teil) oder die Platz­pro­ble­me bei sei­ner tür­ki­schen Hoch­zeit er­läu­tert („Ich hat­te knapp 700 Leu­te ein­ge­la­den, am En­de ka­men 1500. Die meis­ten da­von kann­te ich nicht.“) – am bes­ten ist Öz­can Co­sar, wenn er in sei­nen Ge­schich­ten so­wohl die Mit­tel­schicht­ge­burts­deut­schen als auch die Deutsch­tür­ken hoch­nimmt. Er spielt mit den ty­pi­schen Kli­schees, oh­ne sie voll­ends ins Lä­cher­li­che zu zie­hen, ätzt mit über­zo­ge­nen Ak­zen­ten ge­gen ver­haf­te­te Ste­reo­ty­pe. Auch das Pu­bli­kum ist nicht si­cher und wird ein ums an­de­re Mal Teil des Pro­gramms.

Im zwei­ten Teil bleibt das Ener­gie­le­vel hoch, auch wenn Co­sar sich dann erns­te­ren The­men wid­met, po­li­ti­scher wird. Sein State­ment: Ter­ro­ris­mus und Rechts­po­pu­lis­mus se­hen den Is­lam gleich: von der fal­schen Sei­te. Oder in Co­sars Wor­ten: „Frau­ke Petr y und Bagh­da­di von Isis sind ganz be­stimmt auf Face­book be­freun­det.“

Flücht­lin­ge Beim The­ma Flücht­lin­ge be­zieht er klar Stel­lung: „Wir müs­sen die­sen Men­schen hel­fen. Ge­ra­de wir in den rei­chen Län­dern, weil wir ganz oben auf der Py­ra­mi­de ste­hen.“Die Zu­kunft wird am En­de aber doch noch ein­mal wich­tig. Was er macht, wenn ihn in 15 Jah­ren kei­ner mehr kennt? Der Co­me­di­an gibt sich mit iro­ni­schem Un­ter­ton selbst die Ant­wort: „Dann ma­che ich ein­fach ei­ne Dö­ner­bu­de auf.“

Fo­to: Patri­cia Okraf­ka

Re­gis­seur Tarek Ro­ehlin­ger, Dreh­buch­au­tor Andrej So­rin und Pro­du­zen­tin He­le­na Hof­mann (v.l.) vor der Film­aka­de­mie Ba­den-Würt­tem­berg in Lud­wigs­burg.

Fo­to: Ralf Sei­del

Öz­can Co­sar fühlt sich we­der als Deut­scher, noch als Tür­ke. „Ich bin bei­des“, be­tont der ge­bür­ti­ge Stutt­gar­ter mit Nach­druck.

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