Ge­nug ge­lit­ten

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - VORDERSEITE - Von Mar­tin Ferber

Die SPD ver­sucht das Trau­ma Hartz IV end­gül­tig ab­zu­schüt­teln. Die Zei­ten sind güns­tig. Das Trau­ma sitzt tief. So wie CDU und CSU bis heu­te an der Flücht­lings­po­li­tik ih­rer Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel lei­den, hat die SPD bis heu­te nicht die Agen­da-2010-Po­li­tik ih­res Kanz­lers Schrö­der ver­ar­bei­tet. Dar­um will sie die­ses Ne­ga­tiv­sym­bol nun ein für al­le­mal auf den Müll­hau­fen der Ge­schich­te wer­fen. Ge­for­dert wer­den die Re­form der Re­form, die Til­gung des Na­mens und ei­ne ins Po­si­ti­ve ge­wen­de­te Un­ter­stüt­zung. Ber­lins Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler, bis­lang eher als glück­lo­ser Haupt­stadt­schult­heiss auf­ge­fal­len, hat die De­bat­te for­ciert und ein so­li­da­ri­sches Grund­ein­kom­men ins Spiel ge­bracht.

Der am­tie­ren­de SPD-Chef, Vi­ze­kanz­ler Olaf Scholz, will die De­bat­te nicht, mit ei­nem Macht­wor t ver­sucht er sie zu be­en­den. Doch der eins­ti­ge Ge­ne­ral­se­kre­tär Schrö­ders steht auf ver­lo­re­nem Pos­ten, sein Wort ver­hallt im Wind, sein Rück­halt in der Par­tei war oh­ne­hin noch nie groß und dürf­te mit sei­nem Ve­to nicht grö­ßer wer­den.

Die Zei­ten sind güns­tig. Die Kas­sen des Bun­des wie der Bun­des­agen­tur für Ar­beit sind prall ge­füllt, die Zahl der Ar­beits­lo­sen ist auf ei­nem his­to­ri­schen Nied­rig­stand, die Wirt­schaft boomt. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten wol­len nicht mehr lei­den, Hartz IV hat sei­ne Schul­dig­keit ge­tan. Ein neu­es Eti­kett muss her, bis zum Som­mer will der neue Ar­beits­und So­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil ein neu­es Ge­setz für ei­nen so­zia­len Ar­beits­markt vor­le­gen. Und die Uni­on soll­te Ver­ständ­nis da­für ha­ben – Horst See­ho­fer tut schließ­lich ge­ra­de auch al­les, da­mit sie ihr ei­ge­nes Flücht­lings­trau­ma über win­det.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.