Sor­ry ist nicht ge­nug

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - MEINUNGEN - Von Tho­mas Spang

Face­book-Chef und die Po­li­tik sind durch den Da­ten­miss­brauch her­aus­ge­for­dert. Es braucht Ge­set­ze. Mark Zu­cker­berg macht es sich mit sei­nen auf ganz­sei­ti­gen Zei­tungs­an­zei­gen ge­schal­te­ten „Sor­ry“ein we­nig zu ein­fach. Das wird an­ge­sichts der Di­men­si­on des Miss­brauchs pri­va­ter Nut­zer­da­ten nicht rei­chen, ver­lo­ren ge­gan­ge­nes Ver­trau­en wie­der­her­zu­stel­len. Zu­mal Face­book be­reits seit spä­tes­tens 2015 von dem Zu­griff „Cam­bridge Ana­ly­ti­cas“auf 50 Mil­lio­nen Nut­zer­da­ten wuss­te.

Das von dem Trump-Ver­bün­de­ten Robert Mer­cer ge­kauf­te Po­li­tik­be­ra­tungs-Un­ter­neh­men ver­schaff­te sich das Da­ten­gold mit ei­nem Trick. Es bot ei­ne un­ver­däch­ti­ge App mit ei­nem Per­sön­lich­keits­test an. Face­boo­kNut­zer, die die­se her­un­ter lu­den, ga­ben „Cam­bridge Ana­ly­ti­ca“da­mit oh­ne es zu wis­sen, Zu­griff auf ih­re Freun­des­lis­ten; im Schnitt 198 „Fri­ends“pro Nut­zer.

Echo­kam­mern Die Fül­le die­ser Da­ten er­laub­te Ex­per­ten, Psy­cho­gram­me der Nut­zer zu ent­wi­ckeln. Das Un­ter­neh­men nutz­te die­se, um wäh­rend der Br­ex­it-Kam­pa­gne und im letz­ten US-Wahl­kampf ge­zielt „Fa­ke News“an als „emp­fäng­lich“iden­ti­fi­zier­te Per­so­nen zu ver­schi­cken.

Dank der Face­book-Al­go­rith­men ent­stand so ein kon­stan­ter Strom an Des­in­for­ma­tio­nen, die Echo­kam­mern schu­fen und Nut­zer ma­ni­pu­lier­ten. Zu­cker­bergs Si­cher­heits­chef schlug in­tern Alarm, wie rus­si­sche Trol­le die Face­book-Platt­form nutz­ten. Ver­gan­ge­nen Herbst räum­te der Kon­zern un­ter Druck ein, mehr als 150 Mil­lio­nen Ame­ri­ka­ner hät­ten in dem So­zia­len Netz­werk Pro­pa­gan­da zu se­hen be­kom­men, die von rus­si­schen Auf­trag­ge­bern stamm­ten. Der Son­der­er­mitt­ler in der Russ­land-Af­fä­re, Robert Mu­el­ler, geht Hin­wei­sen auf ei­ne mög­li­che Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Cam­bridge Ana­ly­ti­ca, dem Trum­pWahl­kampf­team und Agit­prop-Ex­per­ten der rus­si­schen Re­gie­rung nach. Be­wie­sen ist nichts, denk­bar an­ge­sichts der In­di­zi­en vie­les. Das­sel­be gilt für die Ma­ni­pu­la­ti­on der bri­ti­schen Wäh­ler bei der Ab­stim­mung über den Ver­bleib in der EU.

Me­tho­de An­ge­sichts der mas­si­ven Kon­se­quen­zen des la­xen Um­gangs mit Nut­zer­da­ten müs­sen Face­book und des­sen Grün­der zur Re­chen­schaft ge­zo­gen wer­den. Im Kern ge­hört das ge­sam­te Ge­schäfts­mo­dell auf den Prüf­stand. Die­ses lebt vom Sam­meln, Han­deln und Wer­ben mit per­sön­li­chen Da­ten, die Nut­zer mit je­dem „Ge­fällt mir“-Klick über­mit­teln. Es hat Me­tho­de, dass sich Nut­zer durch kom­pli­zier­te Me­nüs schlän­geln müs­sen, um ih­re Pri­vat­sphä­re ei­ni­ger­ma­ßen zu schüt­zen. Oder sich per­sön­li­che Da­ten eben nicht mit ei­nem ein­zi­gen, leicht zu fin­den­den Knopf­druck dau­er­haft lö­schen las­sen. Es braucht drin­gend Ge­set­ze, die nicht nur Face­book, son­dern al­len An­bie­tern vor­schrei­ben, dass bei An­mel­dung zu ei­nem Di­enst grund­sätz­li­che al­le Da­ten nicht-öf­fent­lich sind. Statt dem le­ga­len Kau­der­welsch im Klein­ge­druck­ten soll­ten vor der Frei­schal­tung je­der ein­zel­nen Funk­ti­on den Nut­zern klar ver­ständ­lich die Kon­se­quen­zen ih­rer Ein­wil­li­gung auf­ge­zeigt wer­den.

Wenn Kon­zer­ne wie Face­book hin­ter dem Rü­cken der Nut­zer ge­gen Be­zah­lung Drit­ten den Zu­griff auf Da­ten er­lau­ben, reicht lei­der selbst das nicht. Ex­per­ten wie App­le-Chef Tim Cook und vie­le an­de­re „Si­li­con Val­ley“-In­si­der ra­ten ih­ren Fa­mi­li­en und Freun­den längst, Face­book & Co zu mei­den. Was Zu­cker­berg sel­ber von den Nut­zern hält, die ihm frei­wil­lig Emails, Bil­der und Adres­sen an­ver­trau­en, gab er kurz nach Grün­dung Face­books in ei­nem do­ku­men­tier ten Schrift­wech­sel mit ei­nem Freund zu er­ken­nen. „Voll­pfos­ten“nann­te er die­se.

Das ge­sam­te Ge­schäfts­mo­dell ge­hört auf den Prüf­stand.

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