Eu­ro­pa neu schmie­den

De­mo­kra­ti­en im Nie­der­gang – Pa­ris und Ber­lin müs­sen re­agie­ren

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - MEINUNGEN - Von Rez­zo Schlauch

Die po­li­ti­schen Wie­der­gän­ger der CSU ha­ben nichts Bes­se­res zu tun, als die völ­lig nutz­lo­se Fra­ge, ob der Is­lam zu Deutsch­land ge­hört oder nicht, zu dis­ku­tie­ren. Da­bei ha­ben wir für­wahr dring­li­che­re Pro­ble­me:

De­mo­kra­ti­en sind im Nie­der­gang, der freie Welt­han­del ist ge­fähr­det, Dik­ta­to­ren und Au­to­kra­ten be­stim­men im Ge­wan­de ge­lenk­ter De­mo­kra­ti­en und Öko­no­mi­en das der­zei­ti­ge po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che Welt­ge­sche­hen.

Der vor kur­zem auf Le­bens­zeit er­nann­te chi­ne­si­sche Staats­chef Xi Jin­ping strebt die öko­no­mi­sche und mi­li­tä­ri­sche Do­mi­nanz welt­weit an. Nach­zu­le­sen in ei­nem Be­schluss der KP Chi­nas des letz­ten Par­tei­tags vom Ok­to­ber 2017.

Bit­te­re Rea­li­tät Wla­di­mir Pu­tin führt als Waf­fen­bru­der des sy­ri­schen Schläch­ters As­sad ei­nen blu­ti­gen Krieg mit zig­tau­sen­den To­ten un­ter der Zi­vil­be­völ­ke­rung und Mil­lio­nen von Flücht­lin­gen, die in Jor­da­ni­en, Tür­kei, Li­ba­non un­ter elen­den Be­din­gun­gen ihr Le­ben fris­ten und ein paar Hun­dert­tau­send, die den Weg nach Eu­ro­pa ge­schafft ha­ben. Die völ­ker­rechts­wid­ri­ge Anne­xi­on der Krim und der Krieg in der Ost­ukrai­ne sind aus den Schlag­zei­len, aber bit­te­re Rea­li­tät.

Der tür­ki­sche Prä­si­dent Er­do­gan be­kämpft als Na­to­mit­glied die sy­ri­schen und nord­ira­ki­schen Kur­den, die mit Un­ter­stüt­zung an­de­rer Na­to­mit­glie­der u.a. auch Deutsch­land das Ter­ror­re­gime des Is­la­mi­schen Staats nie­der­ge­kämpft ha­ben.

Und US-Prä­si­dent Trump hebt oh­ne nen­nens­wer­te de­mo­kra­ti­sche Ge­gen­wehr kur­zer­hand das glo­ba­le Welt­han­dels­sys­tem aus den An­geln, das Sys­tem, das die USA auch un­ter re­pu­bli­ka­ni­schen Prä­si­dent­schaf­ten maß­geb­lich ge­schaf­fen und in­stal­liert ha­ben. Von den na­tio­na­lis­ti­schen Nach­ah­mern im Wes­ten­ta­schen­for­mat, den Orb­ans und Kac­zy­ins­kis gar nicht zu spre­chen.

Und was set­zen die west­li­chen und ins­be­son­de­re die deut­schen öko­no­mi­schen und po­li­ti­schen Eli­ten da­ge­gen? Nichts und schlim­mer noch, we­ni­ger als Nichts. Wenn man die Welt­fir­men-Bos­se Die­ter Zet­sche von Daim­ler und Joe Ka­e­ser von Sie­mens und an­de­re im Ge­fol­ge sieht, wie sie ih­re Bück­lin­ge vor den ver­meint­lich Mäch­ti­gen die­ser Welt ma­chen, kann man je­den Re­spekt ver­lie­ren. Die heh­ren west­li­chen Wer­te wie De­mo­kra­tie und Mei­nungs­frei­heit „füh­rungs­stark“auf den Lip­pen, die Knie weich, das Rück­grat ver­bo­gen und die Dol­lars und die nächs­te Bi­lanz im Kopf. Dann ist Chi­na das öko­no­mi­sche Pa­ra­dies, dann verzwer­gen sich die gro­ßen Wirt­schafts­füh­rer wie Zet­sche ge­gen­über den Chi­ne­sen we­gen ei­nes völ­lig harm­lo­sen Da­lai La­ma Zi­tats, das in ei­ner Daim­lerVer­laut­ba­rung er­schien und von den Chi­ne­sen als Af­front in­ter­pre­tiert wur­de.

Aber auch in der Po­li­tik liegt zu viel Ap­peas­e­ment und zu we­nig Re­al­po­li­tik in der Luft: Die über­hand­neh­men­de chi­ne­si­sche ag­gres­si­ve und ex­pan­si­ve Shop­ping­tour in deut­sche sys­tem­re­le­van­te und stra­te­gisch wich­ti­ge In­dus­trie­be­rei­che bleibt oh­ne po­li­ti­sche Ge­gen­wehr. Kei­ne Durch­set­zung von Waf­fen­gleich­heit heißt, dass deut­sche Fir­men nicht glei­cher­ma­ßen oh­ne Be­schrän­kung in Chi­na in­ves­tie­ren dür­fen. Statt­des­sen sit­zen chi­ne­si­sche Funk­tio­nä­re in den Füh­rungs­gre­mi­en der deut­schen Fir­men, die als obers­te Kon­trol­leu­re und Voll­stre­cker der Staats­vor­ga­ben fun­gie­ren. Markt­wirt­schaft? Ei­ne Far­ce! Und trotz­dem Au­gen zu und al­le ma­chen das un­gu­te Spiel mit.

Ach­se Oder wenn Trump ge­gen un­se­re fun­da­men­ta­len In­ter­es­sen die Spiel­re­geln des Welt­markts au­ßer Kraft setzt? Seich­te Dro­hun­gen der EU, die Pa­pier­ti­ger blei­ben und ein deut­scher Wirt­schafts­mi­nis­ter, der in bi­la­te­ra­len Ver­hand­lun­gen mit Trump den Ver­dacht nährt, die so­wie­so brü­chi­ge Ei­nig­keit der EU aus ego­is­ti­schen Mo­ti­ven zu zer­stö­ren.

Wenn die deut­sche Re­gie­rung nicht um­ge­hend die weit aus­ge­streck­te Hand von Ma­cron er­greift und be­herzt ei­ne neue fes­te Ach­se mit Frank­reich zur Er­neue­rung und zur Er­star­kung von Eu­ro­pa schmie­det und ei­ne selbst­be­wuss­te eu­ro­päi­sche Re­al­po­li­tik ge­gen­über Chi­na, Russ­land, USA, der Tür­kei und an­de­ren Län­dern ent­wi­ckelt, wird Deutsch­land der größ­te Ver­lie­rer sein. Das wä­re in der Kon­se­quenz das En­de von Eu­ro­pa und ka­ta­stro­phal für un­ser Land.

Fo­to: dpa

Rez­zo Schlauch kri­ti­siert Chi­na, die Tür­kei, Russ­land und die USA.

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