Russ­land übt maß­vol­le Ver­gel­tung

Dut­zen­de west­li­che Di­plo­ma­ten wer­den aus­ge­wie­sen – Kreml-Spre­cher be­schul­digt vor al­lem USA

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - POLITIK - Von Tho­mas Kör­bel, dpa

Sel­ten ist der An­drang beim rus­si­schen Au­ßen­mi­nis­te­ri­um so stark wie in die­sen Kri­sen­zei­ten. In ei­ner lan­gen Rei­he fuh­ren eu­ro­päi­sche Bot­schaf­ter am Frei­tag in ih­ren Li­mou­si­nen vor und ga­ben sich die Klin­ke in die Hand. Auch der deut­sche Bot­schaf­ter Rü­di­ger von Fritsch wur­de ein­be­stellt und nahm Mos­kaus ta­ge­lang er war­te­te Ant­wor t auf die Aus­wei­sung von vier rus­si­schen Di­plo­ma­ten ent­ge­gen. Das Er­geb­nis: Auch vier Deut­sche müs­sen ge­hen.

Die Mas­sen­aus­wei­sung von rund 150 Rus­sen aus mehr als 25 west­li­chen Staa­ten war ein bei­spiel­lo­ser Akt der So­li­da­ri­tät mit Groß­bri­tan­ni­en. Dass der Streit um den dort ver­gif­te­ten Ex-Agen­ten Ser­gej Skri­pal die USA, EU-Staa­ten und an­de­re Ver­bün­de­te ge­gen Russ­land ver­ei­nen wür­de, dürf­te in Mos­kau vie­le über­rascht ha­ben. Des­we­gen hat sich Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row Zeit ge­las­sen, ei­ne Ant­wort vor­zu­be­rei­ten. Am här­tes­ten schlägt Russ­land ge­gen die USA zu­rück. 60 Di­plo­ma­ten weist Mos­kau aus, ein Kon­su­lat wird ge­schlos­sen – die­sel­ben Stra­fen hat­te Wa­shing­ton zu­vor ver­hängt. Auch bei vie­len EU-Staa­ten setzt Russ­land auf Pa­ri­tät.

Stär­ke Die Su­che nach der rich­ti­gen Re­ak­ti­on wur­de für Mos­kau zum Draht­seil­akt. Nichts zu tun war kei­ne Op­ti­on, denn das hät­te nicht in das Bild von Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin als star­kem An­füh­rer ge­passt, der sich nichts bie­ten lässt. Erst vor zwei Wo­chen war Pu­tin ge­ra­de we­gen sei­ner Stär­ke mit Re­kord­er­geb­nis wie­der­ge­wählt wor­den.

Ei­ne zu hef­ti­ge Ant­wort hät­te in­des leicht ei­ne wei­te­re Es­ka­la­ti­on aus­lö­sen kön­nen. Doch auch wenn Mos­kau nun den Mit­tel­weg ge­wählt und Glei­ches mit Glei­chem ver­gol­ten hat, blei­ben die Fron­ten ver­här­tet. Der Mo­s­kau­er Ex­per­te Fjo­dor Luk­ja­now sieht Russ­land und den Wes­ten längst mit­ten in ei­ner di­plo­ma­ti­schen Kri­se. Ei­ne Ver­bes­se­rung der La­ge sei nicht zu er­war­ten, schreibt der Her­aus­ge­ber der Zeit­schrift „Rus­sia in Glo­bal Af­fairs“. „Die wich­tigs­te und ein­zi­ge Auf­ga­be ist nun, die Ri­si­ken zu sen­ken und zu ver­hin­dern, dass der Kon­flikt in ei­ne mi­li­tä­ri­sche Pha­se über­geht“, meint der kreml­na­he Po­li­to­lo­ge.

Die USA er­we­cken nicht den An­schein, als wür­den sie in der Kri­se auch nur ei­nen Mil­li­me­ter Bo­den preis­ge­ben wol­len. Die Spre­che­rin des Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums, Hea­ther Nau­ert, nann­te die Aus­wei­sun­gen völ­lig in­ak­zep­ta­bel. „Ich möch­te dar­an er­in­nern, dass es für die rus­si­sche Ant­wort kei­ner­lei Recht­fer­ti­gung gibt“, sag­te sie. Die USA be­hiel­ten sich wei­te­re Schrit­te vor – was vie­le als An­kün­di­gung ei­ner Es­ka­la­ti­ons­spi­ra­le wahr­neh­men.

Der Kreml be­müht sich, die auf­ge­heiz­te Stim­mung zu dämp­fen. „Russ­land hat kei­nen di­plo­ma­ti­schen Krieg an­ge­zet­telt“, sagt Spre­cher Dmi­tri Pes­kow. Er sieht auch An­sät­ze für ei­ne prag­ma­ti­sche Po­li­tik. „Als Deutsch­land be­schlos­sen hat, un­se­re Di­plo­ma­ten aus­zu­wei­sen, hat die Re­gie­rung zu­gleich den Bau der (Ost­see-)Pi­pe­line Nord Stream 2 ge­neh­migt“, sag­te Tschi­schow. „Das ist be­mer­kens­wert.“

Fo­to: dpa

Die deut­sche Bot­schaft in Mos­kau. Bot­schaf­ter Rü­di­ger von Fritsch wur­de jetzt ins rus­si­sche Au­ßen­mi­nis­te­ri­um ein­be­stellt.

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