Ein­ein­halb Jah­re in 25 Mi­nu­ten

He­le­na Hof­mann aus Ober­sulm pro­du­zier t mit „Das Goldene La­ma“ei­ne Sit­com

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - KULTUR REGIONAL - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Patri­cia Okraf­ka

Das Set steht, die Schau­spie­ler sind be­reit. 120 Zu­schau­er sit­zen ge­spannt auf ih­ren Plät­zen. Die ers­te Sze­ne der Sit­com „Zum Gol­de­nen La­ma“be­ginnt. Pro­du­zen­tin He­le­na Hof­mann, Re­gis­seur Tarek Ro­ehlin­ger und die Dreh­buch­au­to­ren Andrej So­rin und Pe­ter Fur­rer sind an­ge­spannt. „La­chen sie oder nicht?“, fragt sich So­rin ner vös. Nach dem ers­ten Witz ki­chert das Pu­bli­kum ver­gnügt drauf los. Auch die wei­te­ren Gags zün­den.

„Nach und nach hat sich ein LachRhyth­mus ein­ge­stellt“, sagt die Ober­sul­me­rin He­le­na Hof­mann er­leich­tert und glück­lich. Am En­de des Dreh­ta­ges sind al­le zu­frie­den. Ein­ein­halb Jah­re har­te Ar­beit ha­ben sich ge­lohnt. Nach drei St­un­den ist die ers­te Fol­ge im Kas­ten. Ins­ge­samt sind rund 70 Per­so­nen be­tei­ligt: Schau­spie­ler, Sze­nen­bild­ner, Ka­me­ra­leu­te und As­sis­ten­ten ste­cken ihr Herz­blut in das Pro­jekt.

Le­ben ein­ge­haucht Die Idee, ei­ne Sit­com à la „How I met your mo­ther“oder „Big Bang Theo­ry“zu ent­wi­ckeln, kam von Hof­mann. Ge­mein­sam mit Andrej So­rin feil­te sie dar­an, bis En­de ver­gan­ge­nen Jah­res Re­gis­seur Ro­ehlin­ger da­zu kam. „Er hat dem Gan­zen Le­ben ein­ge­haucht“, sagt die Pro­du­zen­tin.

„Wor­auf ha­be ich mich da nur ein­ge­las­sen“, hat sich So­rin noch vor den Dreh­ar­bei­ten zu „Das Goldene La­ma“ge­fragt. Doch kein Grund zur Sor­ge, das Pro­jekt läuft wie am Schnür­chen. Das Pu­bli­kum ist amü­siert, lacht bei den Wit­zen. Die Ta­kes müs­sen nur ein, zwei­mal wie­der­holt wer­den. „Es war wie bei Fran­ken­stein: Man macht ein Ex­pe­ri­ment, das tat­säch­lich funk­tio­niert und wun­dert sich dann, dass es lebt“, sagt Ro­ehlin­ger.

Nach ei­nem in­ten­si­ven Cas­ting im Ja­nu­ar steht schnell die Be­set­zung. Pé­tur Ós­kar stammt aus Is­land, wei­te­re fünf Schau­spie­ler aus Deutsch­land. In der Se­rie sind die Cha­rak­te­re mit­ein­an­der be­freun­det, Mit­te 20 und durch­le­ben ge­ra­de ei­ne Art Quar­ter­li­fe-Cri­sis. Ka­li­la kämpft sich durch ihr Me­di­zin­stu­di­um, Jay ist noch nicht über sei­ne ExF­reun­din hin­weg, Ne­le ist les­bisch, El­lies und Fre­de­ricks Be­zie­hung wird auf die Pro­be ge­stellt und Moe ar­bei­tet als Te­le­fon­seel­sor­ger und hat im­mer ei­nen gu­ten Rat pa­rat.

Spon­ta­nei­tät Und wer ist der Lus­tigs­te? Pu­bli­kums­lieb­ling Mat­thi­as Boll­werk scheint be­son­ders gut an­zu­kom­men: „Fre­de­ricks Gags hat man nicht mehr ver­stan­den, weil das Pu­bli­kum so hart ge­lacht hat“, er­in­nert sich So­rin. Doch auch die „Dy­na­mik un­ter den Schau­spie­lern und die ho­he Dich­te“sei über­zeu­gend. Ide­en für den Hu­mor ent­ste­hen im All­tag: „Wenn man sich ge­gen­sei­tig auf­zieht, über­legt man, ob es ver­ar­bei­tet wer­den kann“, sagt Hof­mann ver­gnügt.

An­fang März be­zieht die Cr­ew das Stu­dio. Die Sto­ry spielt im Ber­li­ner Ca­fé „Zum Gol­de­nen La­ma“. Fünf Ta­ge lang wird in­ten­siv ge­probt und aus­pro­biert. Spon­ta­nei­tät ist wich­tig, vie­les ent­steht erst am Dreh­tag. Ein paar Ta­ge nach den Dreh­ar­bei­ten scher­zen Hof­mann, Ro­ehlin­ger und So­rin wei­ter. Ent­spannt sit­zen die drei im Ca­fé „Blau­er En­gel“am Cam­pus der Film­aka­de­mie Ba­den-Würt­tem­berg in Lud­wigs­burg. Auf dem Tisch ste­hen drei Milch­kaf­fee. Ge­mein­sam mit Pe­ter Fur­rer bil­den sie das Fun­da­ment des Pro­jekts, das gleich­zei­tig He­le­na Hof­manns Di­plom­ar­beit ist. Der Weg zur er­folg­rei­chen Sit­com ist stei­nig. „Das Grund­ge­rüst be­durf­te viel Dis­kus­si­on“, sagt Andrej So­rin. „Auch die Pro­ben. Das ist nicht lus­tig, es über­wiegt der Stress“, er­gänzt Tarek Ro­ehlin­ger. So­rin fin­det den pas­sen­den Ver­gleich: „Es ist wie bei den Lol­lis mit dem Kau­gum­mi im In­ne­ren. Als das The­ma klar war, muss­te man die har­te Scha­le durch lut­schen, bis der Kern kommt.“Wie es jetzt wei­ter­geht? Zu­erst steht bei Hof­mann die Di­plom­prü­fung an: „Da­nach ar­bei­ten wir – bes­ten­falls am Pro­jekt.“Auf Fes­ti­vals will das Team das Film­ma­te­ri­al nun „an den Mann brin­gen“. „Wenn da­nach je­mand die Staf­fel in Auf­trag ge­ben wür­de, wä­re das gran­di­os.“

Fo­to: Mar­tin Brom­ber

Bei den Dreh­ar­bei­ten läuft al­les wie am Schnür­chen. Das Pu­bli­kum kann auf Bild­schir­men mit­ver­fol­gen, wie die Sze­nen live ge­schnit­ten wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.