WM-Gast­ge­ber ge­winnt das Er­öf fnungs­spiel

Sou­ve­rä­nes 5:0 der Rus­sen ge­gen Sau­di-Ara­bi­en

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - VORDERSEITE - Von Tilmann Mehl

Gast­ge­ber Russ­land hat das Er­öff­nungs­spiel der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft 2018 klar ge­won­nen. Die Haus­her­ren sieg­ten ges­tern in Mos­kau 5:0 (2:0) ge­gen Sau­di-Ara­bi­en. Ju­ri Gas­in­ski (12. Mi­nu­te), De­nis Tsche­ry­schew (43.), Art­jom Ds­ju­ba (71.), er­neut Tsche­ry­schew (90.+1) und Alex­an­der Go­lo­win (90.+4) tra­fen vor 78 011 Zu­schau­ern im Lu­sch­ni­ki-Sta­di­on für Russ­land. Dank des höchs­ten Er­fol­ges in ei­nem WM-Er­öf fnungs­spiel seit 1934 be­sitzt die Mann­schaft von Trai­ner Sta­nislaw Tschertsches­sow ei­ne gu­te Aus­gangs­po­si­ti­on, um als ers­te rus­si­sche Mann­schaft das WM-Ach­tel­fi­na­le zu er­rei­chen. Wei­te­re Geg­ner sind Ägyp­ten und Uru­gu­ay, die heu­te ge­gen­ein­an­der spie­len.

Zur Er­öff­nung der WM in Russ­land hat der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin die Ein­heit der Fuß­ball-An­hän­ger in al­ler Welt be­schwo­ren. Der bri­ti­sche Pop­star Rob­bie Wil­li­ams hat zu­vor bei sei­nen Auf­tritt bei der WM-Eröffnungsfeier für ei­nen Eklat ge­sorgt. Bei der Lied­zei­le „I did this for free“(„Ich ha­be dies um­sonst ge­macht“) streck­te Wil­li­ams de­mons­tra­tiv den Mit­tel­fin­ger sei­ner lin­ken Hand in die Ka­me­ra.

Die Büh­ne war be­rei­tet, und die rus­si­sche Na­tio­nal­mann­schaft nutz­te sie tat­säch­lich, um ei­nen rausch­haf­ten Start in die Welt­meis­ter­schaft im ei­ge­nen Land hin­zu­le­gen. Fans und Rob­bie Wil­li­ams hat­ten vor dem Er­öff­nungs­spiel für ei­ne Stim­mung ge­sorgt, die den ger­ne als un­ter­kühlt be­zeich­ne­ten Gast­ge­bern so nicht un­be­dingt zu pro­gnos­ti­zie­ren war. An­statt be­ein­druckt auf den Lärm und die eu­pho­ri­sier­ten Zu­schau­er zu re­agie­ren, nah­men die Spie­ler von Na­tio­nal­trai­ner Sta­nislaw Tschertsches­sow die At­mo­sphä­re an und de­klas­sier­ten Sau­di-Ara­bi­en mit 5:0 (2:0).

Den Rus­sen war ei­ne der­ar­ti­ge Leis­tung nicht zwin­gend zu­zu­trau­en. Schließ­lich lie­gen sie in der Welt­rang­lis­te le­dig­lich auf dem 70. Platz und so­mit so­gar noch drei Rän­ge hin­ter Sau­di-Ara­bi­en. Au­ßer­dem hat­te ihr Geg­ner in der Vor­wo­che noch durch ein 1:2 ge­gen den am­tie­ren­den Welt­meis­ter aus Deutsch­land auf­hor­chen las­sen. All die Qu­er­ver­glei­che aber er­wie­sen sich von der ers­ten Mi­nu­te an als nutz­los.

Sta­tis­tisch bes­ser Schon nach zwölf Mi­nu­ten köpf­te Ju­ri Gasnski ei­ne Flan­ke ins Tor. Ein Schock, von dem sich die Gäs­te nicht mehr er­ho­len soll­ten. „Die Rus­sen ha­ben nichts ge­macht, was wir nicht er war­tet hät­ten. Aber wir ha­ben nicht das ge­macht, was wir uns vor­ge­nom­men hat­ten“, fass­te Trai­ner Juan An­to­nio Piz­zi die her­be Plei­te zu­sam­men. Tru­gen sei­ne Spie­ler ge­gen Deutsch­land den Ball pha­sen­wei­se noch schnell und ge­wandt nach vor­ne, konn­ten sie dies­mal nichts mit den Räu­men an­fan­gen, die ih­nen die Rus­sen ge­währ­ten. Am En­de der Par­tie hat­ten die Ara­ber mehr Ball­be­sitz und brach­ten mehr Päs­se an den Mann. Al­lein: Bis zum Ab­pfiff brach­ten sie kei­nen Ball aufs Tor.

Die Rus­sen wie­der­um nah­men die Ein­la­dun­gen ih­res na­iv ver­tei­di­gen­den Geg­ners an. Der früh ein­ge­wech­sel­te De­nis Tsche­ry­schew ließ noch vor der Halb­zeit den zwei­ten Tref­fer fol­gen (43.). Und nach dem drit­ten Tor durch Art­jom Ds­ju­ba hob Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin in Rich­tung des ne­ben ihm sit­zen­den sau­di­schen Kron­prin­zen Mo­ham­med bin Sal­man so­gar ent­schul­di­gend die Hän­de. Auf der Eh­ren­tri­bü­ne ver­folg­te auch der deut­sche Alt­bun­des­kanz­ler Ger­hard Schröder zu­sam­men mit sei­ner Le­bens­ge­fähr­tin So-Ye­on Kim die Par­tie. Sie sa­hen in der Nach­spiel­zeit noch zwei Tref­fer durch Tsche­ry­schew und Alex­an­der Go­lo­win, wo­bei das 4:0 zu den schö­ne­ren sei­ner Art zählt. Der Links­au­ßen des FC Vil­lar­re­al hob den Ball da­bei mit dem Au­ßen­rist ge­fühl­voll über den geg­ne­ri­schen Tor­wart. Ein Traum­start – es war der höchs­te Sieg in ei­nem WMAuf­takt­sieg seit 1934.

Vol­ler Stolz griff Wla­di­mir Pu­tin nach dem kaum für mög­lich ge­hal­te­nen Coup der Sbor­na­ja zum Te­le­fon und er­reich­te den ver­dutz­ten Sta­nislaw Tschertsches­sow mit­ten in der Pres­se­kon­fe­renz. „Der Prä­si­dent hat mir sei­nen Dank aus­ge­drückt. Wir sol­len so wei­ter­spie­len, und ich soll dem Team Glück­wün­sche aus­rich­ten“, be­rich­te­te der rus­si­sche Coach von der kur­zen Un­ter­re­dung mit dem Kreml­chef.

Die Rus­sen kön­nen nun mög­li­cher wei­se mit ei­nem Sieg am Di­ens­tag ge­gen Ägyp­ten be­reits den Ein­zug ins Ach­tel­fi­na­le per­fekt ma­chen. „Das wird noch schwie­ri­ger“, sag­te Sta­nislaw Tschertsches­sow. Klar ist aber auch: „Die WM hat ge­ra­de erst be­gon­nen, und das soll noch nicht das En­de hier sein.“Sau­di-Ara­bi­en wie­der­um droht ge­nau das am Mitt­woch ge­gen Uru­gu­ay.

Russ­land: Akin­fe­jew - Már. Fer­nan­des, Ku­te­pow, Ig­na­sche­witsch, Schir­kow - Gas­in­ski, Sob­nin - Sa­me­dow (64. Kus­ja­jew), Dsa­go­jew (24. Tsche­ry­schew), Go­lo­win - Smo­low (70. Ds­ju­ba).

Sau­di-Ara­bi­en: Al-Muai­uf - Al-Bu­ra­ik, Os. Hau­sa­wi, Om. Hau­sa­wi, Al-Sch­ahra­ni - Otayf (64. Al-Mu­wal­lad) - Al-Scheh­ri (72. Bah­bir), Al-Dschas­sim, AlDau­sa­ri, Al-Fa­ra­dsch - Al-Sah­l­awi (85. As­si­ri).

To­re: 1:0 Gas­in­ski (11.), 2:0 Tsche­ry­schew (42.), 3:0 Ds­ju­ba (71.), 4:0 Tsche­ry­schew (90.+1), 5:0 Go­lo­win (90.+4).

Schieds­rich­ter: Nes­tor Pi­ta­na (Ar­gen­ti­ni­en).

Zu­schau­er: 78 011.

Gel­be Kar ten: Go­lo­win (1) / Al-Dschas­sim (1).

Bes­te Spie­ler: Sob­nin, Go­lo­win, Tsche­ry­schew / Al-Dau­sa­ri.

Foto: dpa

Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin bei sei­ner Re­de vor dem An­pfiff.

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Fünf Spie­ler, am En­de fünf To­re: Art­jom Ds­ju­ba (Zwei­ter von links) hat für Gast­ge­ber Russ­land ge­ra­de das 3:0 ge­köpft – 90 Se­kun­den nach sei­ner Ein­wechs­lung.

Foto: dpa

Ganz schön was los: Pop­star Rob­bie Wil­li­ams bei der Eröffnungsfeier mit der rus­si­schen Opern­sän­ge­rin Ai­da Ga­ri­ful­li­na und Mas­kott­chen „Sa­bi­wa­ka“.

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