„My Fair La­dy“im Schloss­gra­ben

Mal­colm Ran­son ist Kampf­cho­reo­graph bei den „Drei Mus­ke­tie­ren“– Heu­te ist Pre­mie­re

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - VORDERSEITE - Von un­se­rer Re­dak­teu­rin Va­nes­sa Mül­ler

Neu­en­stadt Die Frei­licht­spie­le Neu­en­stadt fei­ern heu­te Pre­mie­re mit dem auf­wen­di­gen Klas­si­ker „My Fair La­dy“– und sind da­mit be­liebt wie eh und je. Für die Spiel­zeit gibt es nur noch ei­ni­ge Rest­kar­ten. Das Mu­si- cal ist ei­ne der auf­wen­digs­ten Pro­duk­tio­nen, die das En­sem­ble je ge­schul­tert hat. Die Mu­sik kommt zwar vom Band, ist aber ein ex­klu­si­ves Ar­ran­ge­ment, das nur in Neu­en­stadt zu hö­ren ist.

Wvol­ler

ir schrei­ben das Jahr 1625 in Pa­ris. Es ist ei­ne Zeit so

In­tri­gen, dass man sei­nen De­gen bes­ser mit ins Bett nimmt. Und die­se Kon­tra­hen­ten be­kämp­fen sich er­bit­tert. „Klirr“, schmet­tern die Waf­fen von D’Ar­ta­gnan und der mys­te­riö­sen La­dy de Win­ter auf­ein­an­der. Sprün­ge. Dre­hun­gen. Dann greift der Held nach ei­nem prunk­voll be­stick­ten Kis­sen und hält es sich schüt­zend vor die Len­den. Schon steckt die Da­me den De­gen mit­ten in die Puf­fer­zo­ne.

„Auf den Bo­den mit dem Kis­sen!“, ruft Kampf­cho­reo­graph Mal­colm Ran­son den Schau­spie­lern zu. Bis zur Pre­mie­re bei den Burg­fest­spie­len ist es nicht mehr lang. Und bis da­hin soll der Mann aus London, der schon für den Broad­way und fürs Ki­no pro­du­zier­te, da­für sor­gen, dass auch in Jagsthausen je­de Kampf­be­we­gung des En­sem­bles der „Drei Mus­ke­tie­re“sitzt. Vom Faust­flug bis zum Fech­ten.

Hitz­kopf Rund ein Ki­lo wiegt ein Büh­nen­de­gen aus Stahl. Je nach Grö­ße und Be­schaf­fen­heit mal mehr mal we­ni­ger. Ei­gent­lich ganz leicht? Schau­spie­ler Achmed Ole Biel­feldt, der in „Die drei Mus­ke­tie­re“den Por­thos gibt, grinst. „Nicht nach ein paar Mi­nu­ten“, weiß er. Fünf Wo­chen lang hat das En­sem­ble schon im Ham­burg ge­probt, wie es sei­ne Waf­fen am bes­ten zum Einsatz bringt. Hier in Jagsthausen sind es noch ein­mal acht Ta­ge. Denn man­che der Ak­teu­re hat­ten vor­her noch nie ei­nen De­gen in der Hand – zum Bei­spiel Mats Kam­pen, der den hitz­köp­fi­gen D’Ar­ta­gnan spielt.

Au­gen­kon­takt und die rich­ti­ge Dis­tanz sind auf der Büh­ne das Ent­schei­den­de, er­klärt Ran­son. „Im Film ste­hen die Schau­spie­ler bei Kampf­sze­nen en­ger zu­sam­men. Aber hier soll das Pu­bli­kum auch vom Rand aus gut se­hen kön­nen.“Mit Bli­cken tei­len die Kämp­fer ein­an­der mit, dass und wie sie in Ak­ti­on tre­ten. Wich­tigs­te Re­gel: „Wenn was schief geht, nicht im­pro­vi­sie­ren“, sagt der Kampf­cho­reo­graph. Das En­sem­ble muss sich an den vor­ge­ge­be­nen Rhyth­mus hal­ten. Denn sonst weiß der Fecht­part­ner nicht mehr, wie er re­agie­ren soll. Das Gan­ze ist wie ein Tanz, der schief lau­fen kann.

„Ver­lier dich nicht in dei­ner Schau­spie­le­rei. Es ist Te­am­work“, ruft Ran­son ei­nem der Darstel­ler zu, die mitt­ler­wei­le mit neun Per­so­nen ein grö­ße­res Kampf­ge­tüm­mel üben. Erst Fron­tal­an­griff. Dann die drei Mus­ke­tie­re und D’Ar­ta­gnan Rü­cken an Rü­cken. Selbst auf den Takt des De­gen­klir­rens kommt es da­bei an. „Wenn es nur ding­ding­ding geht, lang­weilt sich das Pu­bli­kum. Der Rhyth­mus muss wech­seln.“

Über­all Blut Noch sind die Schau­spie­ler in Jog­ging­ho­se und Turn­schu­hen un­ter­wegs – zum Ein­fech­ten. Beim Durch­lauf geht es in Ko­s­tü­men wei­ter. Dann muss al­les per­fekt sit­zen. „Da ist mehr Ad­re­na­lin im Spiel“, er­klärt Re­gis­seur Axel Schnei­der. „Die Schau­spie­ler ha­ben Tau­sen­de von Sa­chen im Kopf.“

Da­bei ist Büh­nen­fech­ten nicht mit Hoch­leis­tungs­sport zu ver­glei­chen. Auch his­to­ri­sche Tech­ni­ken fin­den sich nur be­dingt. „Un­se­re Cho­reo­gra­fie ist ein Mix. Sie muss vom heu­ti­gen Pu­bli­kum ver­stan­den wer­den“, sagt Ran­son. Klar. Im Jahr 1625 ha­ben die Kämp­fer auf „Atta­cke“ge­setzt. Ver­letz­ten soll sich auf der Büh­ne aber kei­ner. Das ist bis­her auch nicht pas­siert. Toi toi toi. Schief ge­hen kann trotz­dem ei­ni­ges. Ran­son er­in­nert sich an ein frü­he­res Stück. „Da ist dem Kämp­fer das Kunst­blut nur so den Arm run­ter­ge­tropft. Bis ihm der De­gen aus der Hand ge­glitscht ist.“

„Da ist dem Kämp­fer das Kunst­blut nur so den Arm run­ter­ge­tropft. Bis ihm der De­gen aus der Hand ge­glitscht ist.“

Mal­colm Ran­son

Foto: Andre­as Vei­gel/Sei­te

Fo­tos: Ralf Sei­del

Hitz­kopf D’Ar­ta­gnan (Mats Kam­pen, rechts) scheut kei­nen Zwei­kampf. Die drei Mus­ke­tie­re (hin­ten) ver­lie­ren ihn nicht aus dem Blick.

Läuft al­les rich­tig? Und wo kann man was ver­bes­sern? Schau­spie­ler Franz-Jo­seph Die­ken hakt nach.

Auf ins Ge­tüm­mel: Der Lon­do­ner Kampf­cho­reo­graph Mal­colm Ran­son zeigt, wie es rich­tig geht.

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