EZB schickt Eu­ro auf Tal­fahrt

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - VORDERSEITE - Von Jür­gen Paul

Der Eu­ro ist ges­tern nach geld­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) stark un­ter Druck ge­ra­ten. Am Nach­mit­tag rutsch­te der Kurs um über zwei Cent ab und er­reich­te bei 1,1619 US-Dol­lar den tiefs­ten Stand seit En­de Mai.

Den ent­schei­den­den Im­puls lie­fer ten die Ent­schei­dun­gen der EZB. Zwar hat­ten die Wäh­rungs­hü­ter be­schlos­sen, dass sie das mil­li­ar­den­schwe­re An­lei­he­kauf­pro­gramm En­de 2018 ein­stel­len wol­len. Ei­ne wei­te­re Ent­schei­dung kam hin­ge­gen über­ra­schend. Der Leit­zins bleibt noch min­des­tens bis Som­mer 2019 bei null Pro­zent. Das be­las­te­te den Eu­ro mas­siv.

Die EZB nährt mit dem En­de des An­kauf­pro­gramms die Hoff­nung

auf ei­ne Zins­wen­de.

End­lich! Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) kün­digt das En­de ih­rer mas­si­ven An­lei­he­käu­fe an und nährt da­mit die Hoff­nung auf ei­ne geld­po­li­ti­sche Wen­de in der Eu­ro­zo­ne. Wann die Zeit des bil­li­gen Gel­des tat­säch­lich zu En­de geht und die Spa­rer sich auf hö­he­re Zin­sen freu­en kön­nen, ist zwar auch nach der gest­ri­gen EZB-Sit­zung noch nicht ganz klar. Aber hin­ter ih­re kla­re An­kün­di­gung kann die Zen­tral­bank kaum mehr zu­rück.

Zur Er­in­ne­rung: Seit März 2015 hat die EZB Staats- und Un­ter­neh­mens­an­lei­hen im Wert von rund 2,4 Bil­lio­nen Eu­ro ge­kauft – und je­den Mo­nat kom­men 30 Mil­li­ar­den Eu­ro da­zu. Ih­re bei­den wich­tigs­ten Zie­le hat die EZB mit ih­rer lo­cke­ren Geld­po­li­tik er­reicht: Die Kon­junk­tur in der Eu­ro-Zo­ne, auch in den eins­ti­gen Kri­sen­län­dern im Sü­den – ist zu­rück auf dem Wachs­tums­pfad. Zwei­tens hat sich die In­fla­ti­ons­ra­te der an­ge­streb­ten Zwei-Pro­zent-Mar­ke an­ge­nä­hert, und es spricht der­zeit we­nig da­für, dass die Teue­rung deut­lich zu­rück­geht.

Es ist al­so höchs­te Zeit, dass die Zen­tral­bank die geld­po­li­ti­schen Schleu­sen schließt und ei­ne Zins­er­hö­hung 2019 in Aus­sicht stellt. Das ist wich­tig für die Wirt­schaft, die gut läuft und hö­he­re Zin­sen ver­tra­gen kann. Und die Spa­rer ha­ben die Per­spek­ti­ve, dass ih­re Bank­ein­la­gen bald zu­min­dest wie­der ei­ne klei­ne Ren­di­te ab­wer­fen.

Der Schritt ist auch für die EZB selbst drin­gend not­wen­dig. Denn wenn sich die Kon­junk­tur ab­küh­len soll­te, was an­ge­sichts der ak­tu­el­len han­dels­po­li­ti­schen Strei­tig­kei­ten nicht un­wahr­schein­lich ist, braucht sie Hand­lungs­spiel­raum, den sie im Mo­ment kaum noch hat.

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