„Er ist ihr bes­ter Bo­dy­guard“

Rolf Seel­mann-Eg­ge­bert zum 70. Hoch­zeits­tag von Queen Eliz­a­beth und Prinz Phi­lip

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - HINTERGRUND - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Tors­ten Bü­che­le

Pa­last­wa­chen pa­ra­die­ren, Ka­no­nen schie­ßen kra­chend Sa­lut und Queen Eliz­a­beth winkt ma­jes­tä­tisch un­ter ei­nem gold­ver­bräm­ten Bal­da­chin: Die Royals wis­sen, wie man fei­ert, und ganz Lon­don ist dann auf den Bei­nen. Doch so wie bei den Fei­ern zu ih­rem 60. Thron­ju­bi­lä­um 2012 wird es am Mon­tag nicht ab­lau­fen, wenn Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. und Prinz­ge­mahl Phi­lip ih­ren 70. Hoch­zeits­tag fei­ern. Am 20. No­vem­ber 1947 hat­te die da­mals 21-Jäh­ri­ge ih­ren Cou­sin drit­ten Gra­des, Phi­lip Mount­bat­ten, in der Ka­the­dra­le West­mins­ter Ab­bey in Lon­don ge­hei­ra­tet. Kaum je­mand kennt das Paar so gut wie der Adels­ex­per­te Rolf Seel­mann-Eg­ge­bert. Im Stim­me- In­ter­view spricht er über die Ge­heim­nis­se ih­rer au­ßer­ge­wöhn­li­chen Ehe.

Herr Seel­mann-Eg­ge­bert, Sie sind seit fast 40 Jah­ren Adels­re­por­ter. Ha­ben Sie schon ein­mal von ei­ner Gna­den­hoch­zeit be­rich­tet?

Rolf Seel­mann-Eg­ge­bert: In der Zeit, als ich Jour­na­list war, hat es das nicht ge­ge­ben.

Was ist das Re­zept die­ser lan­gen Ehe? Seel­mann-Eg­ge­bert: Sie ha­ben im­mer sehr lie­be­voll von­ein­an­der ge­spro­chen und ih­re Kon­flik­te nie an die gro­ße Glo­cke ge­hängt. Das ist Teil ih­res christ­li­chen Ver­ständ­nis­ses. Sie ha­ben er­reicht, dass die Ehe in ih­rer Ge­gen­wart nie zum The­ma ge­macht wur­de. Eliz­a­beth hat nicht zu­ge­las­sen, dass die Stra­ße dar­über ent­schei­det, ob die bei­den ei­ne gu­te Ehe füh­ren. Sie war auch nicht da­mit ein­ver­stan­den, wie in der Öf­fent­lich­keit über Phi­lip ge­re­det wur­de.

Das klingt, als ob Phi­lip nicht im­mer ein gu­ter Ehe­mann war. Seel­mann-Eg­ge­bert: Nein, das heißt es nicht. Aber die bei­den sind sehr un­ter­schied­lich. Der Du­ke of Edin­burgh ist schnell und barsch. Er kann Leu­te sehr schön ab­kan­zeln und er hat ei­nen schwie­ri­gen Hu­mor, macht haa­ri­ge Wit­ze. An­ge­passt ist Phi­lip über­haupt nicht, er ist ein In­di­vi­du­um, das von sich re­den macht. Eliz­a­beth muss­te das mit­tra­gen, denn sie wuss­te: Ich wer­de ihn nicht mehr än­dern.

In die­sen Mann hat sich die jun­ge Prin­zes­sin Eliz­a­beth ver­liebt? Seel­mann-Eg­ge­bert: Schon mit 13 Jah­ren hat sie ge­sagt: Das ist er, den will ich hei­ra­ten. Ihr Va­ter hat sie dann auf ei­ne Rei­se nach Süd­afri­ka ge­schickt, um ihr zu zei­gen: Schau her, es gibt auch noch an­de­re Män­ner. Aber sie war nicht zu erwei­chen. Schon des­halb ist es ei­ne be­son­de­re Ehe. Eliz­a­beth be­tet ihn an. Sie wür­de nie auf die Idee kom­men, et­was Bö­ses über ih­ren Mann zu sa­gen. Und Phi­lip ist ein Be­schüt­zer. Er ist ihr bes­ter Bo­dy­guard. Wenn ihr ein Fo­to­graf zu na­he kommt, hält er die Hand vor die Ka­me­ra.

Gab es auch schwe­re Kon­flik­te? Seel­mann-Eg­ge­bert: Als die ers­ten bei­den Kin­der ge­bo­ren wa­ren, tra­ten Kon­flik­te auf. Es war nicht klar: Was hat ein Prinz­ge­mahl ge­nau zu tun? Der Of­fi­zier Phi­lip hat­te ei­ne viel­ver­spre­chen­de Kar­rie­re in der Ma­ri­ne auf­ge­ge­ben. Er war mit dem Le­ben nicht glück­lich. Phi­lip hat ei­ne lan­ge Rei­se durchs Com­mon­wealth un­ter­nom­men, ganz al­lei­ne. Die Welt hat ge­sagt: Jetzt macht er sich da­von. Aber er kam zu­rück und hat das nie wie­der ge­tan. An Af­fä­ren ha­be ich nie ge­glaubt.

Was wa­ren die glück­lichs­ten Jah­re? Seel­mann-Eg­ge­bert: Die bes­ten Jah­re er­le­ben sie ge­ra­de jetzt. Das Fa­mi­li­en­glück, ins­be­son­de­re die En­kel, hat ih­re Be­liebt­heit deut­lich ge­stei­gert.

Ehe­glück heißt al­so Fa­mi­li­en­glück? Seel­mann-Eg­ge­bert: Bei den Wind­sors tra­gen al­le ge­mein­sa­me das Ge­wicht der Kro­ne. 15 Per­so­nen nennt der täg­li­che Hof­be­richt, die mit Re­prä­sen­ta­ti­ons­pflich­ten be­traut sind. Sie sor­gen da­für, dass das Kö­nigs­haus om­ni­prä­sent ist in Eu­ro­pa und dem Com­mon­wealth.

Kann man im Rück­blick auf 70 Jah­re sa­gen: Eliz­a­beth und Phi­lip füh­ren ei­ne glück­li­che Ehe? Seel­mann-Eg­ge­bert: Es ist ei­ne glück­li­che Ehe, aber es ist auch ei­ne alt­mo­di­sche Ehe. Phi­lip hat es sehr ge­schmerzt, dass sein Sohn Charles nicht in Wind­sor hei­ra­ten konn­te.

Eliz­a­beth und Phi­lip sind bei­de über 90 Jah­re alt, Queen Mum wur­de 101. Liegt den Wind­sors das ho­he Al­ter in den Ge­nen? Seel­mann-Eg­ge­bert: Das ho­he Al­ter kommt in bei­den Fa­mi­li­en vor. Schon die vier Schwes­tern Phi­lips wur­den sehr alt. Es ist eben ei­ne glück­li­che Kom­bi­na­ti­on. Aber es kann auch an­ders sein: Eliz­a­beths Va­ter ist früh ge­stor­ben, dar­um wur­de sie ja so früh Kö­ni­gin.

Die Hoch­zeit vor 70 Jah­ren war ein rau­schen­des Fest. Seel­mann-Eg­ge­bert: Vor al­lem war es die ers­te Hoch­zeit in Eu­ro­pas Kö­nigs­häu­sern nach dem Krieg. Es war die Ge­le­gen­heit, die Klun­ker wie­der zu zei­gen, in vol­lem Or­nat auf­zu­tre­ten. Es wur­de mit Glanz und Glo­ria ge­fei­ert und man ge­riet noch lan­ge ins Schwär­men, wenn von der Hoch­zeit die Re­de war.

Die­ses Jahr fei­ert das Paar sei­nen 70. Hoch­zeits­tag in al­ler Stil­le. Seel­mann-Eg­ge­bert: Phi­lip ist kein Freund gro­ßer Fes­te. Er hält sich auch mit sei­nem Ge­burts­tag zu­rück – so sehr, dass man ihn als Be­ob­ach­ter fast ver­säu­men könn­te.

Ver­mis­sen Adels­fans da nicht et­was? Seel­mann-Eg­ge­bert: Das Da­tum der Thron­be­stei­gung fei­ert die Fa­mi­lie im­mer präch­tig. Für ei­ne Kö­ni­gin ist das min­des­tens eben­so be­deu­tend wie der Hoch­zeits­tag. Und auch Prinz Phi­lip hat ein­ge­se­hen, dass die­ses Fest für die Mon­ar­chie wich­tig ist.

Was wün­schen Sie den Ju­bi­la­ren? Seel­mann-Eg­ge­bert: Ich ha­be den Wunsch, dass sie wei­ter so har­mo­nisch zu­sam­men­wir­ken und dass der ei­ne den an­de­ren stützt.

Wann tritt die Queen zu­rück? Seel­mann-Eg­ge­bert: „Ich blei­be Kö­ni­gin bis zum letz­ten Atem­zug“, das ist Eliz­a­beths Mot­to. Sie re­giert vor­bild­lich und ich glau­be, sie macht es im­mer noch ger­ne. Ob­wohl sie so alt ist, fühlt sie sich im­mer noch ver­pflich­tet. Aber das ist ein aus­lau­fen­des Mo­dell. Ab dem Mo­ment, in dem sie die Au­gen schließt, muss es Re­for­men ge­ben. Dass ein Rück­tritt nicht vor­ge­se­hen ist, ist un­zu­mut­bar. Da hat das bri­ti­sche Kö­nigs­haus Nach­hol­be­darf.

„Sie re­giert vor­bild­lich, und ich glau­be, sie macht es im­mer noch ger­ne.“

„Es ist ei­ne glück­li­che Ehe, aber es ist auch ei­ne alt­mo­di­sche Ehe.“

„Die bes­ten Jah­re er­le­ben sie ge­ra­de jetzt.“

„Schon mit 13 Jah­ren hat sie ge­sagt: Das ist er, den will ich hei­ra­ten.“

Fo­tos: dpa

Bil­der ei­ner be­weg­ten Ehe: Das Braut­paar Prin­zes­sin Eliz­a­beth und Prinz Phi­lip bei ih­rer Hoch­zeit 1947 (oben), 1953 als jun­ges Ehe­paar (un­ten links) und bei ei­nem Be­such in Edin­burgh in die­sem Jahr.

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