CDU-Mann Wa­cker soll Lot­to-Chef wer­den

Auf den Pos­ten an der Spit­ze der staat­li­chen Glücks­spiel-Ge­sell­schaft be­ru­fen wech­seln­de Re­gie­run­gen gern ih­re ei­ge­nen Leu­te

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - BADEN-WÜRTTEMBERG - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Pe­ter Rein­hardt

Der CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Ge­org Wa­cker soll neu­er Ge­schäfts­füh­rer der staat­li­chen Lot­to-Ge­sell­schaft im Land wer­den. Der 55-Jäh­ri­ge aus Wein­heim im Rhein-Neckar-Kreis be­stä­tig­te die Plä­ne auf An­fra­ge. „Das ist ei­ne neue und span­nen­de Her­aus­for­de­rung“, sag­te Wa­cker. Ei­ne Spre­che­rin des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums kün­dig­te an, Mi­nis­te­rin Nicole Hoff­meis­ter-Kraut (CDU) wer­de als Vor­sit­zen­de dem Lot­to-Auf­sichts­rat „Herrn Wa­cker in der nächs­ten Sit­zung am 4. De­zem­ber als neu­en Ge­schäfts­füh­rer vor­schla­gen“. Er wird zum Jah­res­wech­sel Nach­fol­ger der Ex-SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ma­ri­on Cas­per­sMerk, de­ren Ver­trag dann aus­läuft. Die 62-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Mann­hei­me­rin, die 2009 aus dem Bun­des­tag aus­ge­schie­den war, hat­te der da­ma­li­ge SPD-Fi­nanz­mi­nis­ter Nils Schmid 2012 als Ge­schäfts­füh­re­rin der Lan­des­toch­ter durch­ge­setzt.

Zu­stim­mung CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Reinhart be­stä­tig­te ges­tern auf An­fra­ge, dass Wa­cker den Ge­schäfts­füh­rer-Job be­kom­men soll. „Die Frak­ti­on hält das für ei­ne gu­te Lö­sung“, sag­te er. Wa­cker sei hoch ge­schätzt und ha­be vie­le Jah­re Er­fah­rung als Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter. In der CDU-Frak­ti­on sto­ße der Per­so­nal­vor­schlag auf brei­te Zu­stim­mung. Wa­cker sei seit gut ei­nem Jahr Auf­sichts­rat der Glücks­spiel­fir­ma und so­mit ver­traut mit den Auf­ga­ben, die auf ihn zu­kom­men. Die fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on kön­ne er durch ein Auf­bau­stu­di­um in Be­triebs­wirt­schaft in St. Gal­len vor­wei­sen. Den Mas­ter-Ti­tel hat Wa­cker nach sei­nen An­ga­ben von 2015 bis 2017 ne­ben sei­ner Tä­tig­keit als Ab­ge­ord­ne­ter er­wor­ben.

Grü­ne und CDU ha­ben in den Ne­ben­ab­re­den zum Ko­ali­ti­ons­ver­trag die Be­set­zung von wich­ti­gen Jobs in der Ver­wal­tung und Lan­des­un­ter­neh­men ver­ein­bart. Da­nach darf die CDU den Nach­fol­ger von Cas­per­sMerk vor­schla­gen. Mit den Grü­nen sei der Na­me Wa­cker be­reits ab­ge­stimmt und da­mit die Wahl im Auf­sichts­rat si­cher, heißt es in Ko­ali­ti­ons­krei­sen.

Wa­cker, der sei­ne be­ruf­li­che Kar­rie­re als Mu­si­ker und Mu­sik­schul­lei­ter be­gann, ver­tritt seit 1996 den Wahl­kreis Wein­heim im Land­tag. Von 2006 bis 2011 war er Staats­se­kre­tär im Kul­tus­mi­nis­te­ri­um. Als die CDU 2016 nach fünf Jah­ren Op­po­si­ti­on wie­der in die Re­gie­rung kam, mach­te sich der Bil­dungs­ex­per­te Hoff­nung auf das Mi­nis­ter­amt, muss­te aber hin­ter Su­san­ne Ei­sen­mann zu­rück­ste­cken. Als an­schlie­ßend in der Land­tags­frak­ti­on die Füh­rungs­jobs ver­teilt wur­den, ging er leer aus. Im Un­ter­schied zu Cas­pers-Merk ist er aber noch ge­wähl­ter Ab­ge­ord­ne­ter. Das Man­dat muss Wa­cker auf­ge­ben, wenn er Chef des Staats­un­ter­neh­mens wird.

Er­fah­re­ner Ma­na­ger Auf den Chef­ses­sel des Glück­spiel­un­ter­neh­mens be­ru­fen die wech­seln­den Re­gie­run­gen im­mer wie­der Po­li­ti­ker. Vor Cas­pers-Merk war Fried­helm Rep­nik Ge­schäfts­füh­rer, den 2005 der da­ma­li­ge CDU-Re­gie­rungs­chef Er­win Teu­fel nicht mehr als So­zi­al­mi­nis­ter ha­ben woll­te. In den 90er Jah­ren hat­te die da­mals re­gie­ren­de gro­ße Ko­ali­ti­on mit Wolf­gang Cru­sen ei­nen er­fah­re­nen Ma­na­ger als Chef in­stal­liert, der sei­ne Kar­rie­re beim Au­to­kon­zern Daim­ler und der Ber­li­ner Treu­hand be­gon­nen hat­te.

Die Stutt­gar­ter Lot­to-Ge­sell­schaft ist die Num­mer 3 der Bran­che in Deutsch­land. An die Spie­ler wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr 478 Mil­lio­nen Eu­ro aus­ge­schüt­tet. 387 Mil­lio­nen Eu­ro gin­gen an das Land. Di­rekt in die Lan­des­kas­se flos­sen als Lot­te­rie­steu­er da­von 162 Mil­lio­nen Eu­ro. Der grö­ße­re Rest wur­de als Zwe­cker­trä­ge für die För­de­rung von Sport, Kunst und Kul­tur, Denk­mal­pfle­ge und den So­zi­al­be­reich ein­ge­setzt. „Wir über­wei­sen dem Land je­den Tag ei­ne Mil­li­on Eu­ro fürs Ge­mein­wohl“, hebt Cas­pers-Merk ger­ne her­vor. Die staat­li­chen Ge­sell­schaf­ten lei­den un­ter der Kon­kur­renz der in Deutsch­land als il­le­gal gel­ten­den In­ter­net-An­bie­ter.

Fo­tos: Archiv/dpa

Ge­org Wa­cker (CDU) soll auf SPDPo­li­ti­ke­rin Ma­ri­on Cas­pers-Merk fol­gen.

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