Er­leb­nis geht vor Er­geb­nis

Bei den Män­nern 40 steht der Spaß im Vor­der­grund und das Ge­schich­ten­er­zäh­len

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­teur Ste­phan Sonn­tag

Es ist die lang­wei­ligs­te Li­ga im Be­zirk Heil­bronn-Fran­ken. Seit 2005 heißt der Meis­ter im­mer Neckar­sul­mer Sport-Uni­on. 13 Ti­tel in Fol­ge, das hat bis­her ja nicht ein­mal der FC Bay­ern ge­schafft. Nicht oh­ne Grund tra­gen die Män­ner 40 der Sport-Uni­on TShirts mit der Auf­schrift „Le­ben­de Le­gen­den“.

Der Ruf eilt dem Team der­art weit vor­aus, dass die Kon­kur­renz bei­na­he in Ehr­furcht er­starrt. Beim ers­ten von zwei Spiel­ta­gen um die Se­nio­renBe­zirks­meis­ter­schaft am Sonn­tag in der Sport­hal­le Oed­heim wur­den die Neckar­sul­mer ein­mal mehr ih­rer Fa­vo­ri­ten­rol­le ge­recht. Nach drei Sie­gen in drei Spie­len führt die Mann­schaft von Te­am­chef Hans Zult­ner die Ta­bel­le be­reits wie­der an.

Er­folgs­re­zept Fuß­ball Das Er­folgs­re­zept der Neckar­sul­mer lau­tet: bloß nicht trai­nie­ren. Wenn sich das Team ein­mal in der Wo­che trifft, wird nur Fuß­ball ge­spielt. „Den Hand­ball neh­men wir nur zwei Mal im Jahr in die Hand“, sagt Vol­ker Hä­ber­len la­chend, ei­ner der Dritt­li­gaAuf­stiegs­hel­den des Ver­eins aus dem Jahr 1989. Die Er­fah­rung aus hö­her­klas­si­gen Li­gen ist der gro­ße Trumpf der Neckar­sul­mer, wo­bei auch Hä­ber­len be­tont: „Das Er­leb­nis ist wich­ti­ger als das Er­geb­nis.“

Wer am Sonn­tag­mor­gen nach Oed­heim kam, fand schon im Foy­er die Be­stä­ti­gung für die­se The­se vor. An der Bier­tisch­gar­ni­tur wur­de früh schon reich­lich Gers­ten­saft ge­reicht – wo­bei oft auch al­ko­hol­frei. „Mir wür­de das auch ge­fal­len. Ich hof­fe, ich kann da auch ir­gend­wann da­bei sein“, sagt Zu­schau­er Max Oden­wald. Der Be­zirks­li­ga­spie­ler der SG Deg­marn/Oed­heim muss sich al­ler­dings noch bis ins Jahr 2023 ge­dul­den. Erst im Jahr des 40. Ge­burts­tags ist man(n) spiel­be­rech­tigt für die Se­nio­ren­klas­se.

Wie im Ju­gend­be­reich gibt es aber auch bei den Se­nio­ren Nach­wuchs­pro­ble­me. „Die Bin­dung an ei­nen Ver­ein ist nicht mehr so eng wie frü­her“, sagt Neckar­sulms Jens Kauf­mann. Zu­dem sei­en vie­le Hand­bal­ler nach ih­rer ak­ti­ven Kar­rie­re schlicht­weg „ka­putt“. Es gibt al­ler­dings Aus­nah­men. Bad Wimp­fens Tor­hü­ter Wolf­gang Ga­b­ri­el hat frü­her 2. Bun­des­li­ga ge­spielt, steht aber selbst mit 58 Jah­ren wie am ver­gan­ge­nen Sams­tag noch im Kas­ten der zwei­ten Män­ner­mann­schaft in der Kreis­li­ga. „Wenn ich spie­le, will ich im­mer Top­leis­tung brin­gen“, sagt Ga­b­ri­el, der auch Ver­eins­vor­sit­zen­der des HC St­au­fer ist.

Gleich­alt ist auch der Kee­per der HA Neckarelz, Frank Bür­ger­meis- ter, al­ler­dings sieht er sein Kar­rie­re­en­de na­hen: „Mit 60 Jah­ren hö­re ich auf.“Le­gen­där ist Bür­ger­meis­ters schrei­end bun­tes Tor­wart­tri­kot. „Frü­her ha­be ich da­mit die Geg­ner ab­ge­schreckt, heu­te funk­tio­niert das nicht mehr ganz so gut“, er­klärt Bür­ger­meis­ter. „Ein neu­es kau­fe ich si­cher nicht mehr. Das hat 25 Jah­re ge­hal­ten, die letz­ten zwei schafft es auch noch.“

Ein wei­te­res, be­son­de­res mo­di­sches Ac­ces­soire trägt auch Ti­mo Frit­sche. Sei­ne hoch­ge­schlos­se­nen Hum­melSchu­he dürf­ten ver­mut­lich aus Mit­te der Neun­zi­ger Jah­re stam­men. „Ich ha­be im­mer ho­he Schu­he ge­tra­gen und hat­te nie Bän­der­ver­let­zun­gen“, er­klärt der Neckar­sul­mer.

Schuh-Vor­rat Zum The­ma Schu­he hat auch Er­gin Tos­kic ein An­ek­döt­chen bei­zu­tra­gen. Krank­heits­be­dingt war der frü­he­re Zweit­li­ga-Kee­per zum Zu­schau­en ge­zwun­gen, an­sons­ten ist er auf­grund sei­nes star­ken Arms die Rück­raum­waf­fe der Wimp­fe­ner. „Ich ha­be un­ter­schied­lich gro­ße Fü­ße. Da­her ha­be ich frü­her im­mer dop­pelt so viel Paar Schu­he ge­stellt be­kom­men wie die an­de- ren Spie­ler. Von dem Vor­rat zeh­re ich heu­te noch“, sagt der ak­tu­el­le Be­zirks­li­ga-Coach der Wimp­fe­ner.

Ge­schich­ten und Le­gen­den die­ser Art wer­den vie­le er­zählt. Die Hand­ball­spie­le sind eher das Rah­men­pro­gramm. Da­mit per­so­nell knapp be­setz­te Teams nicht un­ter­ge­hen, wer­den auch schon mal Spie­ler ge­tauscht. Diet­mar Brunn spielt ei­gent­lich in der Neckar­sul­mer Er­folgs­trup­pe, half aber auch bei den Crails­hei­mern aus und schlüpf­te in der nächs­ten Par­tie in die Rol­le des Schieds­rich­ters. Bei dem Stress blieb kaum Zeit zum Re­den, nur so viel: „Das ist na­tür­lich nur was für die Fit­tes­ten im Team.“Das sind wohl auch 2018 die Neckar­sul­mer. Doch die Kon­kur­renz er­wacht lang­sam. Mit der SG Scho­zach-Bott­war­tal ist ein neu­es schlag­kräf­ti­ges Team erst­mals da­bei und blieb un­ter Lei­tung von Marc Nit­sche in zwei Spie­len un­ge­schla­gen. Die SG Gundelsheim bot dem Abon­ne­ment-Meis­ter bei der knap­pen 7:8-Nie­der­la­ge lan­ge Pa­ro­li. Mit der Lan­ge­wei­le auf dem Feld dürf­te es al­so ab­seh­bar zu En­de ge­hen. Ab­seits des Fel­des ist es so­wie­so oh­ne En­de un­ter­halt­sam.

„Den Hand­ball neh­men wir nur zwei Mal im Jahr in die Hand.“Vol­ker Hä­ber­len

„Wenn ich spie­le, will ich im­mer Top­leis­tung brin­gen.“Wolf­gang Ga­b­ri­el

Fo­tos: Alex­an­der Ber­tok

Per­fek­te Hal­tung, zu­min­dest beim Deg­marn-Oed­hei­mer Stef­fen Most­haf (links). Neckarelz’ Jens Grie­se scheint eher er­schreckt von der Sprung­kraft des Geg­ners. Wich­tig ist nicht nur auf dem Feld: An den Bier­ti­schen wird man­che An­ek­do­te aus al­ten Zei­ten wie­der auf­ge­wärmt. Zwei­fel­los das mo­di­sche High­light: Frank Bür­ger­meis­ters Tri­kot.

Kai Ar­nold (2.v.l.) und die SG Scho­zach-Bott­war­tal sind in die­ser Sai­son erst­mals da­bei und trumpf­ten in Oed­heim gleich mal mit zwei Sie­gen auf.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.