Uni­ver­si­tät in Heil­bronn

Vor al­lem die mit­tel­stän­di­schen Be­trie­be in der Re­gi­on sol­len von der TUM pro­fi­tie­ren. Re­gi­on 28

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - VORDERSEITE - Von un­se­rem Re­dak­teur Chris­ti­an Klose

Von der Gro­ßen Kreis­stadt Frei­sing, die 30 Ki­lo­me­ter nörd­lich von München liegt und die als Stand­ort der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät München (TUM) so­gar den Ti­tel „Uni­ver­si­täts­stadt“trägt, sind es nach Heil­bronn rund 300 Ki­lo­me­ter. Der Prä­si­dent der TU München, Pro­fes­sor Wolf­gang Herr­mann, wohnt in Frei­sing und gibt als wasch­ech­ter Ober­bay­er zu: „Ich kann­te Heil­bronn bis­her gar nicht. Und dann ha­be ich Heil­bronn und den Bil­dungs­cam­pus ken­nen­ge­lernt und war fas­zi­niert.“Herr­mann konn­te es schier nicht glau­ben, dass die Ecke im Süd­wes­ten hier ge­spickt ist mit „ei­gen­ka­pi­tal­star­ken Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men“, Welt­markt­füh­rern und Tech­no­lo­gie­trei­bern. „Die Re­gi­on Heil­bronn-Fran­ken bie­tet ei­ne High-Tech-Dich­te, wie man sie in die­ser Form kein zwei­tes Mal in Eu­ro­pa im Mit­tel­stand fin­det“, sagt der TUM-Chef. Das reizt die Eli­te-Uni­ver­si­tät, in Heil­bronn mit dem TUM Cam­pus ein wei­te­res Stand­bein zu grün­den. Na­tür­lich nur, weil die Die­ter-Schwar­zStif­tung (DSS) mit ei­ner „ge­wal­ti­gen Stif­tung“die­ses Vor­ha­ben über min­des­tens 30 Jah­re über­haupt er­mög­licht. „Wir ha­ben die Chan­ce be­grif­fen“, be­tont Herr­mann. „Oh­ne Die­ter Schwarz wür­de dies hier al­les nicht ste­hen, dann bräuch­ten wir dar­über gar nicht dis­ku­tie­ren“, sagt der Prä­si­dent der re­nom­mier­ten baye­ri­schen Uni. Und Herr­mann ist kei­ner, der mit sei­ner Mei­nung hin­term Berg hält. Ihn „är­gert“es, dass man in Deutsch­land oft ein „ge­stör­tes“Ver­hält­nis zu Bil­dung und Geld ha­be, ob­wohl es wich­tig sei, dass Uni­ver­si­tä­ten ei­ner­seits ei­ne ho­he Qua­li­tät, an­der­seits ei­nen ver­läss­li­chen Draht zur Wirt­schaft hät­ten. „Ich möch­te, dass die Ver­bin­dung Wirt­schaft – Uni­ver­si­tät star­ke, selbst­be­wuss­te Uni­ver­si­tä­ten hat. Aber Wirt­schafts­ko­ope­ra­tio­nen sind es­sen­ti­ell für uns Uni­ver­si­tä­ten. Wir tun das für die jun­gen Leu­te.“Oh­ne Geld kei­ne Qua­li­tät, und oh­ne die vie­len Mil­lio­nen von der Die­ter-Schwarz-Stif­tung kei­ne TU München in Heil­bronn – und da­mit kei­nen Uni-Cam­pus in der Stadt. Doch der Ober­bay­er mit dem Schnauz­bart gibt sich als Prä­si­dent der Eli­te-Uni selbst eben­falls selbst­be­wusst bis in die Haar­spit­zen. War­um auch nicht, schließ­lich ist die TU München, die rund 550 Pro­fes­so­ren be­schäf­tigt, mehr als 41 000 Stu­den­ten aus­bil­det und Part­ner­schaf­ten zu 170 Uni­ver­si­tä­ten welt­weit pflegt, nicht nur ei­ne Hoch­schu­le für Kä­se, Bier und Milch (Wei­hen­ste­phan). Die TUM hat es sich oben­drein zum Ziel ge­setzt, ei­ne der er folg­reichs­ten Grün­derU­ni­ver­si­tä­ten zu sein. In Deutsch­land liegt sie an der Spit­ze. Die Ver­hand­lun­gen zwi­schen der DSS und der TUM wa­ren des­halb in­ten­siv und sehr de­tail­liert: „Wir sind nicht bil­lig, tut mir leid. Aber Qua­li­tät hat ih­ren Preis“, sagt Herr­mann und meint das ge­nau so, wie er es sagt. Enorm wich­tig für Deutsch­land, aber vor al­lem für den Süd­wes­ten hält Herr­mann nun die­ses TUM-Stand­bein in Heil­bronn, weil die­se The­men in ei­ner tech­no­lo­gi­sier­ten, di­gi­tal ge­trie­be­nen Welt ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Re­le­vanz hät­ten. Die süd­deut­sche Bil­dungs­ach­se sei da­mit ge­stärkt. „Des hom­ma jetzt g’macht.“Vor al­lem die mit­tel­stän­di­schen Be­trie­be in der Re­gi­on Heil­bronn-Fran­ken sol­len vom künf­ti­gen TUM Cam­pus Heil­bronn und per­spek­ti­visch von den rund 1000 zu­sätz­li­chen Stu­den­ten pro­fi­tie­ren. „Die­se Hi­d­den Cham­pi­ons, die vie­len Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men, er­hal­ten in Zu­kunft bes­tens aus­ge­bil­de­te Fa­chund Füh­rungs­kräf­te. Mit un­se­ren In­ves­ti­tio­nen wol­len wir da­für ei­nen Bei­trag leis­ten“, be­tont Pro­fes­sor Rein­hold Geils­dör­fer, Ge­schäfts­füh­rer der DSS. „Wir wol­len ganz be­wusst ei­ne en­ge Ver­zah­nung zwi­schen Be­triebs­wirt­schaft und Tech­no­lo­gie.“Wie be­rich­tet, wer­den auf dem TUM Cam­pus Heil­bronn 13 Pro­fes­su­ren an­ge­sie­delt, sie­ben ver­stär­ken die TUM School of Ma­nage­ment in München. Dort liegt der tech­no­lo­gi­sche Aus­bil­dungs­be­reich. Und da­mit die­ses Kon­strukt auch ver­läss­lich funk­tio­niert, baut die Die­ter-Schwarz-Stif­tung in Heil­bronn an der Wil­helm­stra­ße 211 Mi­kro­ap­par­te­ments für die Stu­die­ren­den. In Gar­ching eben­so. Geils­dör­fer: „Wir wol­len den Aus­tausch auch rich­tig hin­be­kom­men.“Wenn, dann gscheid, wür­de man wie­der­um in Bay­ern sa­gen. Für Heil­bronns OB Har­ry Mer­gel ist das Gan­ze aus Sicht der Stadt „ein Sech­ser im Lot­to mit Zu­satz­zahl“. Die Stadt soll da­durch jün­ger, in­ter­na­tio­na­ler und bun­ter wer­den. Für die Die­ter-Schwarz-Stif­tung und die TUM geht es um nicht we­ni­ger als ein An­ge­bot, das den künf­ti­gen An­for­de­run­gen ent­spricht. Die in­halt­li­chen Schwer­punk­te des TUM Cam­pus Heil­bronn zäh­len zu den wich­tigs­ten Zu­kunfts­the­men des Wirt­schaf­tens und Ar­bei­tens in Deutsch­land: Wie kön­nen Fir­men den tief­grei­fen­den und ra­san­ten Wan­del im di­gi­ta­len Zeit­al­ter ge­stal­ten? Vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen ste­hen Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men als Rück­grat der Wirt­schaft? „Wenn ich Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men in Deutsch­land ler­nen will, dann muss ich in Heil­bronn stu­die­ren“, er­klärt der De­kan der Fa­kul­tät, Pro­fes­sor Gun­ther Friedl. „Wir brau­chen ei­ne in­ter­na­tio­na­le Ge­sell­schaft, al­so auch die bes­ten jun­gen Leu­te aus dem Aus­land. Wir brau­chen mehr In­ter­na­tio­na­li­tät im Stu­di­um, denn die­se Un­ter­neh­men ha­ben ja oft mehr als 50 Pro­zent ih­re Märk­te im Aus­land“, sagt TUM-Prä­si­dent Herr­mann. Ziel der Die­ter-Schwarz-Stif­tung ist laut Ge­schäfts­füh­rer Geils­dör­fer, „noch­mals ein völ­lig an­de­res Kli­en­tel an jun­gen Leu­ten nach Heil­bronn zu brin­gen“. Die Hoff­nung ist, dass die­se Stu­den­ten aus al­ler Welt hier stu­die­ren, hier ih­ren Ab­schluss ma­chen und dann in der Re­gi­on bei ei­nem die­ser fa­mi­li­en­geführ­ten Welt­markt­füh­rer ei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Rol­le im Be­trieb über­neh­men. Den meis­ten die­ser aus­län­di­schen Stu­den­ten wird es an­fangs wohl genau­so ge­hen wie TUM-Chef Herr­mann. Heil­bronn? Ken­ne ich bis­her gar nicht...

„Wir brau­chen die bes­ten jun­gen Leu­te aus dem Aus­land.“ W. Herr­mann

Fo­tos: Ma­rio Ber­ger

Vor al­lem die Fa­mi­li­en­be­trie­be der Re­gi­on, die „Hi­d­den Cham­pi­ons“, sol­len vom TUM Cam­pus Heil­bronn pro­fi­tie­ren, sa­gen (v.l.) die Pro­fes­so­ren Wolf­gang Herr­mann, Pe­ter Fran­ken­berg, Rein­hold Geils­dör­fer, Oli­ver Len­zen und Gun­ther Friedl.

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