Er­neut ein gol­de­ner Tag in Süd­ko­rea

Kom­bi­nie­rer Eric Fren­zel und Rod­ler Wendl/Arlt sie­gen

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - VORDERSEITE - Von un­se­rer Re­dak­teu­rin Ste­fa­nie Wahl

Die deut­schen Spor tler ha­ben ih­re Er­folgs­bi­lanz bei den Win­ter­spie­len in Pyeongchang aus­ge­baut. Eric Fren­zel hat er­neut die Gold­me­dail­le in der Nor­di­schen Kom­bi­na­ti­on ge­won­nen. Der Sot­schi-Olym­pia­sie­ger lan­de­te nach dem Sprung von der Nor­mal­schan­ze und dem Zehn-Ki­lo­me­terLang­lauf vor Aki­to Wa­t­a­be aus Ja­pan. Für die be­reits sieb­te Gold­me­dail­le des deut­schen Teams sorg­te das Ro­del-Duo To­bi­as Wendl und To­bi­as Arlt, das sich im Dop­pel­sit­zer-Wett­be­werb durch­setz­te. To­ni Eg­gert und Sa­scha Ben­ecken hol­ten zu­dem Bron­ze. Dem win­di­gen Wetter zum Op­fer fiel der Bi­ath­lon-Wett­be­werb der Frau­en. red

Der Satz über­rascht. „Es gibt manch­mal ein­fach Wun­der“, sagt Eric Fren­zel. Da­bei ist er nun wirk­lich nicht der Typ, der an Wun­der glaubt. Viel­mehr an sich selbst. Ge­wach­sen ist die­ses Ur­ver­trau­en mit sei­nen Er­fol­gen. Suk­zes­si­ve ge­nährt und ge­stärkt durch das be­ru­hi­gen­de Ge­fühl, sich auf sei­ne ei­ge­ne Leis­tungs­stär­ke ver­las­sen zu kön­nen. Zwei­fel lässt er schlicht nicht hin­ein, in sei­nen leich­ten und doch mit so viel Kraft voll­ge­pack­ten Kör­per. Wenn es drauf an­kommt, ist er da. Eric Fren­zel, das Phä­no­men. „Für mich war das gro­ße Ziel, bei die­sen Spie­len er­folg­reich zu sein“, sagt der 29-Jäh­ri­ge. Es funk­tio­niert. Wie schon in Sot­schi wird er Olym­pia­sie­ger von der Nor­mal­schan­ze. „Ein­fach un­glaub­lich, was das klei­ne Mandl für ei­ne Ener­gie hat“, sagt der Che­fBun­des­trai­ner Her­mann Wein­buch im ba­ju­wa­ri­schen Zun­gen­schlag über den fünf­ma­li­gen Welt­meis­ter, „vor al­lem im Kopf ist er bru­tal stark. Das zeich­net ihn aus, er ist in dem Sinn kein nor­ma­ler Mensch.“Das ist er schon, wenn­gleich ei­ner, des­sen gro­ße Fä­hig­keit es ist, sei­ne Kräf­te zu bün­deln und trotz­dem lo­cker zu blei­ben. Auch in Zei­ten, in de­nen es nicht nach Wunsch läuft. Wie in die­ser Sai­son mit ih­ren zahl­rei­chen schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen. Wo häu­fig die Sprün­ge ent­schei­den­de Me­ter zu kurz sind und auf klei­ne Er­folgs­er­leb­nis­se auch im­mer wie­der Rück­schlä­ge fol­gen. Der fünf­ma­li­ge Ge­samt­welt­cup­sie­ger ruht in sich – selbst als ihm die Zeit da­von­zu­lau­fen droht. In See­feld, im Ja­nu­ar, wech­selt Eric Fren­zel zu­rück auf sei­ne al­te Bin­dung. Und ge­winnt wie­der an Selbst­ver­trau­en. Von da an geht es kon­ti­nu­ier­lich auf­wärts. Die Fa­mi­lie, Ehe­frau Lau­ra und die Kin­der Phi­lip, Leo­pold und Em­ma, se­hen ihn sel­ten, weil er kon­zen­triert auf sein Ziel hin­ar­bei­tet. Aber in je­der Si­tua­ti­on stär­ken sie ihn – ge­ra­de in den ver­gan­ge­nen Wo­chen, als es nicht recht vor­wärts geht. Ges­tern Abend Fak­tor Fa­mi­lie nimmt er sei­ne Frau und den gro­ßen Sohn glück­lich in die Ar­me. Im Lang­lauf­sta­di­on geht es nicht, weil sie auf der an­de­ren Sei­te des Sta­di­ons ste­hen. Doch sie be­ob­ach­ten, wie er bei der Wind­lot­te­rie im Sprin­gen bei 106,5 Me­tern sei­nen Tele­mark setzt, sich als Fünf­ter mit 36 Se­kun­den Rück­stand auf den Ös­ter­rei­cher Franz-Jo­sef Rehrl ei­ne op­ti­ent­schei­den­de ma­le Aus­gangs­si­tua­ti­on auf die zehn Ki­lo­me­ter schafft. We­ni­ger Glück ha­ben Jo­han­nes Rydzek und Fa­bi­an Rieß­le, die bei un­güns­ti­gen Win­den oh­ne Chan­ce auf Best­wei­ten sind. „Ei­ni­ge Fa­vo­ri­ten hat es ra­siert, scha­de“, sagt Her­mann Wein­buch. Um­so mehr freut es ihn, dass Vier­fach-Welt­meis­ter Rydzek „ein Wahn­sinns­ren­nen“ zeigt und sich bis auf sie­ben Se­kun­den an die Top­grup­pe um Fren­zel, den Ja­pa­ner Aki­to Wa­t­a­be und Lu­kas Klap­fer aus Ös­ter­reich her­an­beißt. Ex­akt in je­nem Au­gen­blick aber zieht Eric Fren­zel das Tem­po an, um sei­ne Kon­kur­ren­ten mü­de zu ma­chen. Nach ei­ner fi­na­len Atta­cke am letz­ten An­stieg zer­mürbt er Aki­to Wa­t­a­be end­gül­tig und reißt die in den ver­gan­ge­nen Wo­chen, wo es nicht ganz so lief, su­per zu­sam­men­ge­stan­den. Es ist ein­fach ein coo­ler Tag für uns.“Es klingt nach ei­ner Kampf­an­sa­ge, als er nach­schiebt: „Olym­pia ist noch nicht vor­über.“Weil sie in der Vor­be­rei­tung in Oberst­dorf in letz­ter Mi­nu­te ge­ra­de noch so die Kur­ve ge­kriegt ha­ben. Wie­der ein­mal hat der Trai­ner­fuchs Her­mann Wein­buch die rich­ti­ge Stra­te­gie ge­wählt. „Das Schwie­rigs­te war, den Glau­ben wie­der zu fin­den und den gro­ßen Ab­stand im Sprin­gen zu schlie­ßen. Da ha­ben wir an der Sprung­tech­nik und sehr viel am Kopf ge­ar­bei­tet.“Und wie? Mit re­den, re­den, re­den und Gau­di ha­ben. Bei ei­nem Hüt­ten­abend mit Ro­del­par­tie. Von we­gen manch­mal gibt es ein­fach Wun­der.

„Ein­fach un­glaub­lich, was das klei­ne Mandl für ei­ne Ener­gie hat.“ Her­mann Wein­buch

Fo­to: dpa

Die Se­kun­de des Sie­ges: Eric Fren­zel ju­belt im Ziel­be­reich über sei­nen Olym­pia­sieg in der Nor­di­schen Kom­bi­na­ti­on.

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(Fast) al­le Sie­ger von Süd­ko­rea er­klim­men das Po­di­um im Sprung – kaum ei­ner hat da­bei ei­nen so glück­se­lig-dy­na­mi­schen Flug ge­zeigt wie Eric Fren­zel.

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