Wach­sam blei­ben

GSG 9-Chef Je­ro­me Fuchs über die ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - MEINUNGEN - Von Ni­co Po­int­ner, dpa

Sie wird ge­ru­fen, wenn es rich­tig ge­fähr­lich wird, wenn Kri­mi­nel­le mit Waffen und Spreng­stoff dro­hen, wenn das Le­ben von Gei­seln auf dem Spiel steht: die Spe­zi­al­ein­heit GSG 9 der Bun­des­po­li­zei. 1977 stürm­te sie die von pa­läs­ti­nen­si­schen Ter­ro­ris­ten ge­ka­per­te Luft­han­sa-Ma­schi­ne „Lands­hut“im so­ma­li­schen Mo­ga­di­schu und be­frei­te al­le Gei­seln un­ver­sehrt. Mit dem is­la­mis­ti­schen Ter­ror muss sich die Po­li­zei­e­li­te wan­deln, mo­bi­ler und fle­xi­bler wer­den. Die GSG 9 er­hält ne­ben ih­rem Sitz in Sankt Au­gus­tin bei Bonn ei­nen zwei­ten Stand­ort bei Berlin – um schnel­ler auf Be­dro­hun­gen re­agie­ren zu kön­nen. Der Kom­man­deur der Spe­zi­al­ein­heit GSG 9, Je­ro­me Fuchs, er­zählt im In­ter­view von al­ten und neu­en Her­aus­for­de­run­gen. Die GSG 9 hat­te jahr­zehn­te­lang mit Gei­sel­neh­mern und „ge­wöhn­li­chen“Schwer­kri­mi­nel­len zu tun. Ist man denn ge­wapp­net für den is­la­mis­ti­schen Ter­ror? Je­ro­me Fuchs: Selbst­ver­ständ­lich sind wir be­reit, uns die­ser Her­aus­for­de­rung zu stel­len und da auch un­ser Bes­tes zu ge­ben. Wir müs­sen per­ma­nent am Ball blei­ben, trai­nie­ren und uns aus­tau­schen mit an­de­ren Ein­hei­ten, die ver­gleich­ba­re La­gen schon be­wäl­tigt ha­ben, und von de­ren Er­fah­rung ler­nen. Ich wür­de nie­mals sa­gen, wir sind da jetzt bei 100 Pro­zent. Aber wir ver­su­chen, uns best­mög­lich für die­se La­gen auf­zu­stel­len. Hät­te die GSG 9 beim An­schlag auf dem Ber­li­ner Breit­scheid­platz Schlim­me­res ver­hin­dern kön­nen? Zi­vi­lis­ten ret­ten, den At­ten­tä­ter aus dem Ver­kehr zie­hen? Fuchs: Mit Si­cher­heit hät­ten wir Mög­lich­kei­ten ge­habt, wenn wir recht­zei­tig vor Ort ge­we­sen wä­ren. Mög­lich­kei­ten, die über die Mög­lich­kei­ten ei­nes Strei­fen­be­am­ten, der mit die­ser Si­tua­ti­on kon­fron­tiert ist, hin­aus­ge­hen. Das ist kei­ne Fra­ge. Ob wir al­les hät­ten ver­hin­dern kön­nen, ist rei­ne Spe­ku­la­ti­on und wä­re hier völ­lig fehl am Platz. Sie wol­len Ihr Per­so­nal um ein Drit­tel auf­sto­cken. Wie­so tun Sie sich so hart, Nach­wuchs zu fin­den? Fuchs: Es liegt zum ei­nen dar­an, dass wir die An­for­de­run­gen nicht sen­ken. Das heißt, wir ha­ben un­se­re Stan­dards und die müs­sen die Be­wer­ber be­wäl­ti­gen. Zum an­de­ren gibt es auch in­ner­halb der Bun­des­po­li­zei un­end­lich vie­le in­ter­es­san­te Be­rei­che. Und wenn je­mand was Spe­zi­el­les ma­chen möch­te, dann bie­ten sich heu­te an­de­re Mög­lich­kei­ten, als es viel­leicht noch vor zehn, 15 Jah­ren der Fall war. In­so­fern ist das auch so ein biss­chen Kon­kur­renz auch im ei­ge­nen Haus um die bes­ten Be­wer­ber. Der Ter­ror kennt kei­ne Gren­zen. Kann man da­mit als na­tio­na­le Spe­zi­al­ein­heit noch al­lei­ne fer­tig wer­den? Fuchs: Da sind si­cher Gren­zen ge­setzt. Aber aus dem Grund ist ja die GSG 9 sehr gut in­ter­na­tio­nal ver­netzt. Da ist zum ei­nen eu­ro­pa­weit der so­ge­nann­te At­las-Ver­bund (Red.: Ko­ope­ra­ti­on von Spe­zi­al­ein­hei­ten der EU), dar­über hin­aus ko­ope­rie­ren wir mit den welt­bes­ten Spe­zi­al­ein­hei­ten, bei­spiels­wei­se US-ame­ri­ka­ni­schen Ein­hei­ten oder auch po­li­zei­li­chen Spe­zi­al­ein­hei­ten aus Is­ra­el. In­so­fern se­hen wir das als ei­ne Ge­mein­schafts­auf­ga­be an. Wie­so gibt es kei­ne Frau­en bei der GSG 9? Fuchs: Wir ha­ben auch Frau­en, al­ler­dings nicht im un­mit­tel­bar ope­ra­ti­ven Be­reich der Ein­satz­ein­hei­ten. Die An­for­de­run­gen für Frau­en im kör­per­li­chen Be­reich sind die glei­chen wie für Män­ner. Wir hat­ten aber auch die letz­ten Jah­re kei­ner­lei Frau­en als Be­wer­be­rin­nen bei der GSG 9.

„Wir müs­sen per­ma­nent am Ball blei­ben, trai­nie­ren und uns aus­tau­schen mit an­de­ren Ein­hei­ten.“

Fo­to: dpa

Je­ro­me Fuchs mahnt zu per­ma­nen­ter Wach­sam­keit.

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