Wer­bung für die gro­ße Ko­ali­ti­on

Po­li­ti­scher Ascher­mitt­woch: SPD-Par­tei­spit­ze ver­sucht Ba­sis zu über­zeu­gen

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - HINTERGRUND - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Micha­el Schwarz

Der po­li­ti­sche Ascher­mitt­woch ist Bal­sam für die ge­schun­de­ne SPD-See­le. So bli­cken die meis­ten der rund 700 Gäs­te im Lud­wigs­bur­ger Fo­rum zu­frie­den auf die Red­ner auf der Büh­ne, die ih­nen vor al­lem er­klä­ren, war­um es rich­tig ist, beim Mit­glie­der­ent­scheid über ei­ne neue gro­ße Ko­ali­ti­on mit Ja zu stim­men. Nur ver­ein­zelt wer­den die „No GroKo-Schil­der“hoch­ge­hal­ten. Ei­nes da­von hat Ire­ne Po­sch­mann vom SPD-Kreis­ver­band Esslingen in der Hand. Ih­re Ar­gu­men­te ge­gen ein neu­es Bünd­nis mit der CDU kom­men wie aus der Pis­to­le ge­schos­sen: Die AfD wür­de stärks­te Op­po­si­ti­ons­frak­ti­on, die al­te gro­ße Ko­ali­ti­on von 2013 ha­be vie­le Ver­spre­chen nicht ein­ge­hal­ten, ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung sei wei­ter mög­lich, die ak­tu­el­len Per­so­nal­que­re­len in der SPD-Spit­ze sei­en un­er­träg­lich, neue Köp­fe sol­len für ei­ne Er­neue­rung sor­gen – und der jetzt aus­ge­ar­bei­te­te Ko­ali­ti­ons­ver­trag sei schlecht. „Ich glau­be, dass wir noch ei­ne Mehr­heit be­kom­men kön­nen“, hofft sie auf mög­lichst vie­le ,Nein‘-Stim­men. Apro­pos Ko­ali­ti­ons­ver­trag. Lars Kling­beil, 39 Jah­re alt und seit An­fang De­zem­ber 2017 Ge­ne­ral­se­kre­tär der Bun­des-SPD, sieht das ganz an­ders. „Wir ha­ben ei­nen Ko­ali­ti­ons­ver­trag, in dem 70 bis 80 Pro­zent SPD drin­steht“, sagt er. Des­we­gen wer­be er auch da­für, in die gro­ße Ko­ali­ti­on mit der Uni­on zu ge­hen. Die Al­ter­na­ti­ven wä­ren al­le schlech­ter. Zum Bei­spiel Neu­wah­len. „Ich glau­be nicht, dass wir 51 Pro­zent be­kom­men wür­den, um dann hun­dert Pro­zent SPD-In­hal­te durch­set­zen zu kön­nen.“Kling­beil macht sich mit ru­hi­ger Stim­me und sach­li­chen Ar­gu­men­ten für die gro­ße Ko­ali­ti­on stark. Zu­dem ver­spricht er die SPD zu er­neu­ern. Mehr jun­ge Leu­te in der Füh­rung, neue Struk­tu­ren mit di­gi­ta­len Be­tei­li­gungs­mög­lich­kei­ten, in­halt­li­che Neu­auf­stel­lung. „Die Zeit des Selbst­mit­leids muss für die So­zi­al­de­mo­kra­tie ein Stück weit vor­bei sein“, sagt der Nie­der­sach­se, der für Mar­tin Schulz als Red­ner ein­ge­sprun­gen ist, nach­dem die­ser am Di­ens­tag den Par­tei­vor­sitz auf­ge­ge­ben hat­te. Al­ler­dings hat der Nord­deut­sche Kling­beil sei­ne Vor­red­ne­rin – aus rein rhe­to­ri­schen Grün­den – nicht so rich­tig ver­stan­den. Schließ­lich hat SPD-Süd­west-Che­fin Le­ni Brey­mai­er mit ge­wohnt brei­tem Schwä­bisch und ei­ner emo­tio­na­len Re­de für die gro­ße Ko­ali­ti­on ge­wor­ben. „Es wird kein Wei­ter so ge­ben. Wir müs­sen halt laut und deut­lich sa­gen, wo die Un­ter­schie­de zwi­schen CDU und SPD sind“, so die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te. Für sie ist zu­dem ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung we­gen der „rechts­kon­ser­va­ti­ven Mehr­heit“von CDU/CSU, FDP und AfD im Bun­des­tag kei­ne Op­ti­on. „Wo soll denn da die Mehr­heit für un­se­re The­men her­kom­men?“, fragt Brey­mai­er. Für ei­ni­ge Ju­sos sind die Auf­trit­te je­doch nicht über­zeu­gend. „Ich fin­de die GroKo-Wer­bung hier lä­cher­lich“, kri­ti­siert Ai­sha Fa­hir von den Ju­sos Karls­ru­he-Land.

Fo­to: dpa

SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tär Lars Kling­beil macht sich in Lud­wigs­burg für den Ein­tritt der So­zi­al­de­mo­kra­ten in ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on stark.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.