Hin­ter­grün­de wie aus ei­nem Kri­mi

Ver­schwun­de­ne Klimt-Zeich­nung im Schrank von ehe­ma­li­ger Mu­se­ums-Se­kre­tä­rin ver­steckt

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis West (W / West-Ausgabe) - - KULTUR - Von Matthias Rö­der, dpa

Die seit Jahr­zehn­ten ver­schol­le­ne Zeich­nung „Zwei Lie­gen­de“des Ju­gend­stil­künst­lers Gus­tav Klimt (1862–1918) ist auf­ge­taucht. Ei­ne 1977 pen­sio­nier­te Se­kre­tä­rin der Neu­en Ga­le­rie der Stadt Linz hat­te das Werk nach An­ga­ben der Stadt in ei­nem Schrank ver­steckt und ver­fügt, es sol­le nach ih­rem Tod wie­der dem Mu­se­um aus­ge­hän­digt wer­den. 2017 starb sie. Das Bild wird nun im Len­tos Kunst­mu­se­um in der Aus­stel­lung „1918 – Klimt. Mo­ser. Schie­le. Ge­sam­mel­te Schön­hei­ten“ab Frei­tag prä­sen­tiert. Die Zeich­nung ist Teil ei­nes aus vier Wer­ken be­ste­hen­den mög­li­chen Kunst­schat­zes, der seit Jahr­zehn­ten un­auf­find­bar ist. Ver­schol­len sind noch drei Egon-Schie­leWer­ke: das Öl­ge­mäl­de „To­te Stadt“, das Aqua­rell „Jun­ger Mann“und die Zeich­nung „Paar“. Nun be­steht die Hof fnung, dass auch die­se Ge­mäl­de wie­der auf­tau­chen könn­ten. Hin­ter al­lem steht aber auch ein gro­ßes Fra­ge­zei­chen: „Die Exis­tenz der Schie­le-Wer­ke ist bis da­to nur durch die Leih­schei­ne nach­ge­wie­sen. Es steht je­doch nicht fest, ob sie echt sind oder falsch, und es gibt auch kei­ne Ab­bil­dun­gen“, sagt der Lin­zer Kul­tur­di­rek­tor Ju­li­us Stie­ber. Nur von der Klim­tZeich­nung war be­kannt, dass sie 1964 an die Al­ber­ti­na in Wi­en ver­lie­hen und zu­rück­ge­ge­ben wur­de. Da­nach ver­lor sich ih­re Spur. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt wird sei­ne Er­mitt­lun­gen wie­der auf­neh­men. „Wer auch im­mer noch ein ver­schwun­de­nes Bild hat, wird sich jetzt die Fra­ge ge­fal­len las­sen müs­sen, ob er ein Heh­ler ist, oder soll so ver­nünf­tig sein, den recht­mä­ßi­gen Er­werb dar­zu­le­gen“, so ein Be­hör­den­spre­cher. „Es ist wie ein Kri­mi“, sag­te der Lin­zer Tes­ta­ment Bür­ger­meis­ter Klaus Lu­ger. In ih­rem Tes­ta­ment gab die Se­kre­tä­rin an, sie ha­be be­merkt, dass drei Leih­ga­ben in der Neu­en Ga­le­rie nicht ord­nungs­ge­mäß do­ku­men­tiert ge­we­sen sei­en. Der da­ma­li­ge Mu­se­ums­lei­ter Wal­ter Kas­ten ha­be ihr dar­auf­hin die Klimt-Zeich­nung ge­ge­ben – „mit der Bit­te zu schwei­gen“, schil­dert Stie­ber. Al­le vier Wer­ke wa­ren einst im Be­sitz der Künst­le­rin Ol­ga Jä­ger, die die Ge­mäl­de 1951 dem Mu­se­um als Leih­ga­be zur Ver­fü­gung stell­te. Zu die­sem Zeit­punkt hieß der Lei­ter der Neu­en Ga­le­rie Wolf­gang Gur­litt – er hat­te das Mu­se­um auch ge­grün­det. Wolf­gang Gur­litt wird mit NS-Raub­kunst in Ver­bin­dung ge­bracht und ist mit Cor­ne­li­us Gur­litt ver­wandt, des­sen in ei­ner Münch­ner Woh­nung ent­deck­te Kunst­samm­lung in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in­ter­na­tio­nal für Schlag­zei­len sorg­te. Die Leih­schei­ne da­mals ha­be aber Wolf­gang Gur­litts Mit­ar­bei­ter Kas­ten un­ter­schrie­ben, be­tont Stie­ber. Nach dem Tod der Künst­le­rin Jä­ger be­müh­ten sich die Er­ben um Rück­ga­be der Ge­mäl­de, die aber nicht mehr auf­find­bar wa­ren. Mit dem Leih­schein in der Hand klag­ten sie auf Scha­den­er­satz. 2011 dann sprach ih­nen der Obers­te Ge­richts­hof für die Schie­le-Zeich­nung „Paar“100 000 Eu­ro zu, 2017 muss­te die Stadt laut rechts­kräf­ti­gem Ur­teil für die wei­te­ren drei Wer­ke 8,21 Mil­lio­nen Eu­ro an die Er­ben zah­len.

Fo­to: dpa

Die­ses Re­pro-Bild zeigt die Zeich­nung „Zwei Lie­gen­de“von Gus­tav Klimt. Die seit Jahr­zehn­ten ver­schol­le­ne Zeich­nung ist jetzt wie­der auf­ge­taucht.

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