Kar­rie­re dank Opa Ka­re

SKI NOR­DISCH Der Nor­we­ger Jo­han­nes Hös­flot Klä­bo ist der jüngs­te Lang­lauf-Olym­pia­sie­ger

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Hohenloher Zeitung Ausgabe Öhringen - - OLYMPIA 2018 - Von un­se­rer Re­dak­teu­rin Ste­fa­nie Wahl Fa­mi­li­en­an­ge­le­gen­heit Ex­tra­va­gant

An Hei­lig­abend läuft der Bub ein­zig mit den neu­en Ski­ern im Wohn­zim­mer her­um. Ein Ge­schenk des Groß­va­ters für den Zwei­jäh­ri­gen. Jo­han­nes Hös­flot Klä­bo ver­bringt als Kind St­un­den um St­un­den mit Opa Ka­re. Beim Lang­lau­fen, Ski­sprin­gen und Spie­len auf Ski­ern. Er ist sein Trai­ner. Mor­gen (7 Uhr/Eu­ro­sport und ZDF) star­tet Jo­han­nes Hös­flot Klä­bo im Ein­zel über 15 Ki­lo­me­ter. Je­ne Dis­tanz, auf der Schwe­dens Le­gen­de Gun­de Svan 1984 in Sa­ra­je­wo mit 22 Jah­ren jüngs­ter Lang­lauf-Olym­pia­sie­ger wird. Die­sen Re­kord hält seit Di­ens­tag­abend der blon­de Jüng­ling aus Trond­heim, ge­ra­de mal 21 Jah­re und 114 Ta­ge alt. Noch ein Su­per­la­tiv für den Su­per-Sprin­ter.

Mit ei­nem zu­frie­de­nen Lä­cheln schläft Jo­han­nes Hös­flot Klä­bo nach zu­letzt un­ru­hi­gen Näch­ten mit Platz zehn im Ski­ath­lon als gro­ßer Ge­win­ner ein. „Das war das Ziel für die Sai­son. Ich den­ke, dass ich mit dem Druck fer­tig wer­den kann. Es ist ein gro­ßer Sieg, und es fühlt sich recht gut an“, sagt er.

Schließ­lich ha­ben mehr als fünf Mil­lio­nen Nor­we­ger Gold von ihm er­war­tet. All die Ge­schich­ten, die sie ihm wid­men, igno­riert der Auf­stei­ger best­mög­lich. „Es kann dich doch ver­rückt ma­chen, wenn du stän­dig et­was über dich liest“, sagt Jo­han­nes Hös­flot Klä­bo. Über­haupt ver­sucht er erst gar nicht viel über sich zu er­zäh­len.

Sei­ne Kon­zen­tra­ti­on gilt dem, was er kann: Lang­lau­fen. Die El­tern hel­fen mit. Jo­han­nes’ Kar­rie­re ist Fa­mi­li­en­an­ge­le­gen­heit. Ei­ne klei­ne ver­schwo­re­ne Ein­heit, die ein ho­hes Maß an In­di­vi­dua­li­tät ga­ran­tiert – das ent­spricht der nor­we­gi­schen Schu­le. Ein en­ges Um­feld als schüt­zen­der Ko­kon. Der Va­ter ist Ma­na­ger, der Bru­der macht So­ci­al Me­dia, die Schwes­ter über­nimmt die Phy­sio­the­ra­pie.

Und Opa Ka­re, in­zwi­schen 72, ist noch im­mer der Trai­ner. Ein kon­ser­va­ti­ver oben­drein. Er gibt kei­ne In­ter­views und mag kein Hö­hen­trai­ning. Da­für gönnt er sei­nem En­kel Pau­sen. Die zeh­ren­de Tour de Ski lässt er aus, statt­des­sen schie­ben die Klä­bos ei­nen Trai­nings­block für Olym­pia ein – leis­tungs­ori­en­tier­tes Den­ken, ge­paart mit Tak­tik.

Die stimmt auch in der Loi­pe. Die Knif­fe und Spie­le­rei­en üben sie im nor­we­gi­schen Sprint-Team, es ist das Bes­te der Welt. Dort­hin ste­cken sie Jo­han­nes Hös­flot Klä­bo, ob­wohl er sich als All­roun­der fühlt. Doch Coach Arild Mon­sen ko­ope­riert gut mit Opa Ka­re. Mit ihm tüf­telt der drei­ma­li­ge Ju­nio­ren­welt­meis­ter reich­lich, er nimmt ex­tre­me Din­ge auf sich, die er in sei­nem Vi­deo­blog prä­sen­tiert. Sein Lauf­stil ist spe­zi­ell, be­son­ders am Berg, den er un­wi­der­steh­lich im Stak­ka­to oh­ne ei­ne Gleit­pha­se hin­auf­rennt, um die Kon­kur­ren­ten häu­fig wie Sta­tis­ten aus­se­hen zu las­sen. Was einst nur als Übung des Groß­va­ters ge­dacht ge­we­sen ist, wird zum Mar­ken­zei­chen. „Er ist ein et­was durch­ge­knall- ter Typ“, sagt der ehe­ma­li­ge Lang­läu­fer Pe­ter Schli­cken­rie­der.

Ähn­lich wie Dop­pelOlym­pia­sie­ger Pet­ter Nor­t­hug, der in Pyeongchang fehlt, weil er die Norm ver­passt hat. Auch der Ex­tra­va­gan­te hat sei­nen ei­ge­nen Kopf, doch im­mer wie­der ge­lingt es den Nor­we­gern, ih­re star­ken Cha­rak­ter­köp­fe zu in­te­grie­ren. Der fein­füh­li­ge Klä­bo, für den der 13-ma­li­ge Welt­meis­ter ei­ne gro­ße In­spi­ra­ti­on ist, drängt den un­ter­ge­hen­den Stern Nor­t­hug wei­ter in den Schat­ten. Der Mann, der auf der Über­hol­spur in den Welt­cup ein­steigt und die Sze­ne im Eil­tem­po er­obert, be­ein­druckt selbst den drei­ma­li­gen Ge­samt­welt­cup­sie­ger Mar­tin Johns­rud Sund­by: „Er ist wahr­schein­lich der bes­te nor­we­gi­sche Lang­läu­fer, den wir je hat­ten“, sagt er, „es ist ein biss­chen er­nied­ri­gend für uns, aber auch fas­zi­nie­rend und macht Spaß, ein Kind wie ihn in un­se­rem Team zu ha­ben.“

Ob er weiß, was der Bub Jo­han­nes noch weit lie­ber ge­macht hat, als mit Opa Ka­re auf Ski zu ste­hen? Fuß­ball spie­len. „Ich leb­te fast auf dem Platz, und ich war mir si­cher, dass ich Fuß­ball­spie­ler wer­den soll­te“, sagt Jo­han­nes Hös­flot Klä­bo. Sei­ne Hel­den sind Fuß­bal­ler, ei­ner von ih­nen ist Cris­tia­no Ro­nal­do.

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