Ron Wood wird 70

Seit 40 Jah­ren ist der Va­ter von sechs Kin­dern Gi­tar­rist der Rol­ling Sto­nes.

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - VORDERSEITE - Von Uli Hes­se, dpa

LONDON Dunk­ler fran­si­ger Schopf, en­ge Röh­ren­jeans, ver­schmitz­tes Grin­sen: Seit 1973 hat sich Ron Wood nicht ver­än­dert. Nur sei­nem zer­furch­ten, holz­schnitt­ar­ti­gen Ge­sicht sieht man das hal­be Jahr­hun­dert Rock­ge­schich­te an. Das ers­te Mal sah er die Sto­nes 1964 beim Richmond Jazz and Blues Fes­ti­val. Dem „Guar­di­an“ver­riet er, dass er dach­te: „Ei­nes Ta­ges wer­de ich in der Band sein.“

Aber bis da­hin dau­er­te es noch: Zu­erst spiel­te er Bass und Gi­tar­re bei The Birds, der Jeff Beck Group und The Faces mit Rod Ste­wart. Mick Jag­ger – so er­zählt Wood – ha­be im­mer wie­der ver­sucht, ihn zu kö­dern, um Sto­nes-Gi­tar­ris­ten Mick Tay­lor zu er­set­zen: „Er sag­te: ,Wenn ich rich­tig ver­zwei­felt bin, kann ich dich an­ru­fen?’ Und ich sag­te: ,Ja.’ Ein Jahr spä­ter klin­gel­te er und sag­te: ,Ich bin ver­zwei­felt.’ Und The Faces hat­ten sich ge­ra­de auf­ge­löst. So kam das.“

Seit mehr als 40 Jah­ren ist Wood Mit­glied der Sto­nes: Erst als An­ge­stell­ter mit Mo­nats­lohn, so­dass er mehr­mals Plei­te geht, denn er wird nur be­zahlt, wenn sie tou­ren. Seit 1993 ist er voll­wer­ti­ges Mit­glied mit Ge­winn­be­tei­li­gung. Trotz­dem gilt er im­mer noch als der „Neue“.

Ro­ma-Fa­mi­lie Mor­gen wird der Rock­star 70, nur zwei Ta­ge nach dem ers­ten Ge­burts­tag sei­ner Zwil­ling­s­töch­ter Gra­cie und Ali­ce. Sie stam­men aus sei­ner der­zei­ti­gen Ehe mit der 31 Jah­re jün­ge­rer Sal­ly Hum­phreys. Er hat au­ßer­dem vier er­wach­se­ne Kin­der aus frü­he­ren Be­zie­hun­gen.

Ge­bo­ren am 1. Ju­ni 1947 als Ro­nald Da­vid Wood in der Nä­he Lon- dons, wächst er in ei­ner Ro­ma-Fa­mi­lie auf – auf Schlepp­käh­nen und in So­zi­al­woh­nun­gen. Mit neun spielt er Wash­board in der Skiff­le­band sei­ner Brü­der. Mit vier­zehn fängt Wood an zu trin­ken – in den 70ern stei­gert er sich zu meh­re­ren Fla­schen Guin­ness, Wod­ka und Sam­bu­ca pro Tag. Dro­gen kom­men da­zu – Ko­ka­in, Crack, al­les au­ßer Sprit­zen; sei­ne Na­sen­schei­de­wand ist schon lan­ge aus Plas­tik. Ent­zie­hungs­ku­ren hel­fen im­mer nur ei­ne Zeit­lang.

Le­gen­där Mu­sik ist sei­ne Ret­tung. Zu­erst spiel­te er mit den Birds – da­mals die bri­ti­sche Top-Band des Rhythm and Blues. En­de der 60er präg­te sei­ne Bass­gi­tar­re den Sound der le­gen­dä­ren Jeff Beck Group. Er spiel­te mit Bob Dy­lan und Eric Clap­ton, war mit Keith Moon von The Who, Bob Mar­ley, Ji­mi Hen­d­rix und Ja­nis Jo­p­lin be­freun­det. Man kann­te sich im Rock­star-Jet­set: Keith Richards ist an Woods ers­ter So­lo­plat­te be­tei­ligt, die er be­zeich­nen­der­wei­se „I’ve Got My Own Al­bum to Do“(„Ich muss mei­ne ei­ge­ne Plat­te ma­chen“) be­ti­telt.

Als er bei den Sto­nes lan­de­te, ge­hör­te es zum Job, zwi­schen den bei­den Dau­er­streit­häh­nen Keith Richards und Mick Jag­ger zu schlich­ten. En­de der 80er kam es fast zum Bruch. Wood er­in­ner­te sich, wie er Mick Jag­ger zu­re­de­te: „Ruf Keith jetzt an und dann ruf mich in 15 Mi­nu­ten zu­rück.“So et­was Gu­tes las­se er nicht ein­fach ka­putt­ge­hen. Ge­nau­so wich­tig wie Mu­sik ist ihm Kunst: Zwar ver­ließ er in den 60ern vor­zei­tig das Ea­ling Art Col­le­ge, doch seit­her malt und zeich­net er. Wie gut – dar­über sind sich sei­ne Freun­de nicht ei­nig, ob­wohl sei­ne Bil­der schon für meh­re­re hun­dert­tau­send Pfund ver­stei­gert wur­den.

Fo­to: dpa

Ron (Ron­nie) Wood, Gi­tar­rist der Rol­ling Sto­nes, 2007 in Lausanne.

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