Fisch­ster­ben im Krebs­bach

Hob­by­fi­scher sind er­bost. Po­li­zei schließt Er­mitt­lun­gen frü­hes­tens En­de Ju­ni ab.

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - VORDERSEITE - Von un­se­rer Re­dak­teu­rin Hei­ke Kin­kopf

Das Un­glück mit 2400 to­ten Fi­schen im Krebs­bach bei Ober­gim­pern lässt sich nicht zu den Ak­ten le­gen. Die Po­li­zei er­mit­telt wei­ter; die Hö­he des Scha­dens ist of­fen; und der An­gel­sport­ver­ein fängt nach jah­re­lan­gem Be­mü­hen, den Krebs­bach mit Le­ben zu fül­len, wie­der bei Null an.

„Die Mit­glie­der sind schon er­bost“, sagt Udo Röd­ler, Vor­sit­zen­der des An­gel­sport­ver­eins (ASV) Krebs­bach. Sie ha­ben das Ge­wäs­ser von den Städ­ten Bad Rap­penau und Neckar­bi­schofs­heim ge­pach­tet. Erst vor we­ni­gen Wo­chen ha­ben die Ang­ler 100 Ki­lo­gramm Fo­rel­len in den Krebs­bach ge­setzt. Die Mü­he der Ang­ler – ver­ge­bens.

Ver­se­hen In ei­nem Schwei­ne­mast­be­trieb in Ober­gim­pern ist wie be­rich­tet nach In­stal­la­ti­ons­ar­bei­ten ein Ab­sperr­hahn ge­öff­net wor­den. Der Po­li­zei zu­fol­ge han­delt es sich ver­mut­lich um ein Ver­se­hen. Et­wa 120 Ku­bik­me­ter Was­ser mit or­ga­nisch ver­un­rei­nig­tem Fut­ter sind so in den Krebs­bach ge­flos­sen.

Die Po­li­zei geht da­von aus, dass die kom­plet­te Ge­wäs­ser­stre­cke über elf Ki­lo­me­ter von Ober­gim­pern bis Waib­stadt ei­nen To­tal­ver­lust an Was­ser­tie­ren er­lit­ten hat. Ganz so düs­ter scheint es laut Udo Röd­ler nicht aus­zu­se­hen. „Wir ge- hen je­den Tag die elf Ki­lo­me­ter ab und schau­en nach wei­te­ren to­ten Fi­schen“, er­zählt er. „Die gan­ze Stre­cke ist nicht tot.“Die letz­ten drei Ki­lo­me­ter des Krebs­bachs von Neckar­bi­schofs­heim Rich­tung Waib­stadt schei­nen le­ben­dig zu sein.

„Ver­se­hen hin, Ver­se­hen her“, sagt Röd­ler. Die Ang­ler macht skep­tisch, dass der­sel­be Be­trieb schon ein­mal für ein Fisch­ster­ben im Krebs­bach ver­ant­wort­lich ge­we­sen sei. Im Jahr 2000 ist Gül­le ins Ge­wäs­ser ge­langt. Da­zu kom­men Ver­schmut­zun­gen in der Ver­gan­gen­heit, die auf das Kon­to an­de­rer Ver­ur­sa­cher ge­hen. „Es war un­ser Be-

„Die gan­ze Stre­cke ist nicht tot.“

Udo Röd­ler, ASV-Vor­sit­zen­der

stre­ben, Le­ben in den Bach zu brin­gen“, sagt Röd­ler. „Jetzt hat­ten wir wie­der ei­ne Brut, und der Bach schien sich er­holt zu ha­ben.“Al­les zu­nich­te. Nun müs­se Nah­rung nach­wach­sen, be­vor neue Fi­sche ein­ge­setzt wer­den. Es wer­de Jah­re dau­ern, bis sich der Bach voll­stän­dig re­ge­ne­riert hat.

Ver­zicht Of­fen ist, wie es nun um die Was­ser­qua­li­tät be­stellt ist. „Zu­nächst wird nach Rück­spra­che mit der Staats­an­walt­schaft auf ei­ne Un­ter­su­chung der Fi­sche und der Was­ser­pro­ben ver­zich­tet“, sagt Po­li­zei­spre­cher Frank Belz und be­tont: „Zu­nächst.“Es lie­fen noch Er­mitt­lun­gen, die frü­hes­tens En­de Ju­ni ab­ge­schlos­sen sei­en. Nach den Ver­neh­mun­gen kön­ne es nach­träg­lich zu den Un­ter­su­chun­gen kom­men.

Der An­gel­sport­ver­ein Krebs­bach möch­te ein Gut­ach­ten ein­ho­len. Es lie­fert die Ba­sis für mög­li­che Scha­den­er­satz­an­sprü­che. Da­zu be­nö­ti­gen die Ang­ler die Ge­neh­mi­gung des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums Karlsruhe, teilt des­sen Spre­cher auf Stim­me- An­fra­ge mit. Auf die Hob­by­fi­scher war­tet noch ei­ne Men­ge Ar­beit. Jetzt, wo der Krebs­bach als An­gel­stel­le aus­fällt, müs­sen die Mit­glieds­bei­trä­ge neu be­rech­net wer- den, kün­digt Röd­ler an. „Die Ang­ler ha­ben ja für ih­ren An­gel­schein be­zahlt.“

Be­las­tung Die Was­ser­ver­schmut­zung ist öko­lo­gisch ei­ne „enor­me Be­las­tung“, sagt Adal­bert Schme­zer vom Na­tur­schutz­bund Na­bu Öst­li­cher Kraich­gau. „Was ge­schä­digt ist, kommt nicht so schnell wie­der.“Der Na­bu ach­te dar­auf, dass die Be­hör­den dem Vor­fall nach­ge­hen. Vor al­lem mit Blick dar­auf, dass der­ar­ti­ge Un­fäl­le in Zu­kunft nicht mehr pas­sie­ren.

Fo­tos: Si­mon Ga­jer, Irina K./Fo­to­lia

Der Krebs­bach ent­springt et­wa ei­nen Ki­lo­me­ter öst­lich von Ober­gim­pern und mün­det nach rund elf Ki­lo­me­tern in den Schwarz­bach.

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