Dro­gen­dea­ler in der Welt­po­li­tik

PA­NA­MA Ex-Dik­ta­tor No­rie­ga ge­stor­ben – Vie­le Jah­re Agent der CIA

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - MEINUNGEN - Von De­nis Düttmann, dpa

CIA-Agent und Dro­gen­händ­ler, bru­ta­ler Macht­mensch und Strip­pen­zie­her. Als Chef der Na­tio­nal­gar­de war Ma­nu­el No­rie­ga in den 1980er Jah­ren der star­ke Mann in Pa­na­ma. Nach sei­nem Sturz durch ei­ne US-Mi­li­tär­in­va­si­on saß er un­un­ter­bro­chen im Ge­fäng­nis. Jetzt ist der frü­he­re Dik­ta­tor im Al­ter von 83 Jah­ren ge­stor­ben.

No­rie­ga kam als un­ehe­li­ches Kind in Pa­na­ma-Stadt zur Welt und wuchs in ei­nem kirch­li­chen Pfle­ge­heim auf. Als jun­ger Mann be­such­te er ei­ne Mi­li­tär­aka­de­mie in Pe­ru. Nach sei­ner Rück­kehr nach Pa­na­ma trat er 1964 in die Na­tio­nal­gar­de ein. We­gen sei­nes po­cken­nar­bi­gen Ge­sichts wur­de er auch „Ca­ra de Pi­ña“(Ana­nas-Ge­sicht) ge­nannt. Er ver­half dem da­ma­li­gen Chef der Na­tio­nal­gar­de, Ge­ne­ral Omar Tor­ri­jos, zur Macht und bau­te in den fol­gen­den Jah­ren als Chef des mi­li­tä­ri­schen Ge­heim­diens­tes sei­ne ei­ge­ne Macht als „star­ker Mann“Pa­na­mas aus. Er ließ zi­vi­le Prä­si­den­ten sei­ner Wahl er­nen­nen und ab­set­zen.

Be­zie­hun­gen Als Agent des USAus­lands­ge­heim­diens­tes CIA ar­bei­te­te er zu­nächst mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu­sam­men und lie­fer­te In­for­ma­tio­nen über die ko­lum­bia­ni­schen Dro­gen­kar­tel­le. Al­ler­dings war er selbst in den Rausch­gift­han­del ver­wi­ckelt. Weil Waf­fen für die rech­ten Con­tra-Re­bel­len in Ni­ca­ra­gua über Pa­na­ma ge­lie­fert wur­den, drück­ten die US-Be­hör­den aber lan­ge ein Au­ge zu.

Zu­dem hat­ten die USA ein be­son­ders In­ter­es­se an ei­ner gu­ten Be­zie­hung zur pa­na­mi­schen Re­gie­rung, weil sie den stra­te­gisch wich­ti­gen

Pa­na­ma-Ka­nal und die Mi­li­tär­aka­de­mie School of the Ame­ri­cas in dem mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Land be­trie­ben. Aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ka­men wi­der­sprüch­li­che Si­gna­le: Wäh­rend das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um No­rie­ga we­gen sei­ner Dro­gen­ge­schäf­te und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen los­wer­den woll­te, schätz­ten das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um und die CIA den Ge­ne­ral als Ver­bün­de­ten im Kampf ge­gen den Kom­mu­nis­mus. „Er hat­te ge­gen je­den et­was in der Hand – ge­gen die Op­po­si­ti­on und wahr­schein­lich auch ge­gen Ver­bün­de­te“, sag­te der frü­he­re CIAChef in Pa­na­ma, Do­nald Win­ters, in ei­ner TV-Do­ku­men­ta­ti­on. „Er hat uns nie die Zu­sam­men­ar­beit ver­wei­gert, wenn wir In­for­ma­tio­nen von ihm woll­ten.“Als No­rie­ga zu­neh­mend na­tio­na­lis­ti­sche Tö­ne an­schlug und sei­ne Ver­bin­dun­gen zum ko­lum­bia­ni­schen Me­del­lín-Kar­tell im­mer of­fen­sicht­li­cher wur­den, wen­de­te sich das Blatt in Washington. „Die Ge­schich­te von Ge­ne­ral Ma­nu­el An­to­nio No­rie­ga ist ei­ne der schwers­ten Feh­ler in der US-Au­ßen­po­li­tik“, ur­teil­te 1989 ei­ne Kom­mis­si­on des US-Se­nats. „Er hat die USPo­li­tik ge­gen­über sei­nem Land ma­ni­pu­liert und sich fast ab­so­lu­te Macht in Pa­na­ma ge­si­chert. Je­de US-Be­hör­de, die mit ihm zu tun hat­te, ver­schloss die Au­gen vor Kor­rup­ti­on und Dro­gen­han­del.“

Bei der Wahl im Mai 1989 ge­wann die Op­po­si­ti­on. No­rie­ga er­kann­te den Sieg al­ler­dings nicht an und ließ De­mons­tra­tio­nen bru­tal nie­der­schla­gen. Im Ok­to­ber putsch­te ei­ne Grup­pe Sol­da­ten ge­gen den Ge­ne­ral und setz­te ihn kurz­zei­tig fest. Al­ler­dings schei­ter­te der Staats­streich letzt­end­lich und No­rie­ga ließ die Ver­schwö­rer hin­rich­ten.

Mas­sen­grä­ber Im De­zem­ber 1989 lan­de­ten US-Trup­pen im Rah­men der Ope­ra­ti­on „Just Cau­se“in Pa­na­ma, um No­rie­ga zu stür­zen. Bei dem Ein­satz ka­men rund 3000 Men­schen ums Le­ben. Die ge­naue Zahl und die Iden­ti­tät der Op­fer ist al­ler­dings un­klar, weil vie­le Lei­chen in an­ony­men Mas­sen­grä­bern be­stat­tet wur­den.

No­rie­ga floh in die päpst­li­che Nun­tia­tur in Pa­na­ma-Stadt. Ta­ge­lang be­schall­ten die US-Ma­ri­nes die Bot­schaft mit lau­ter Rock-Mu­sik, bis sich der frü­he­re Macht­ha­ber am 3. Ja­nu­ar 1990 den Sol­da­ten stell­te. We­gen Dro­gen­han­dels wur­de er in den USA zu ei­ner lang­jäh­ri­gen Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt.

Fo­to: dpa/Ar­chiv

Lan­ge Zeit ein Lieb­ling der USA: Der frü­he­re pa­na­mai­sche Macht­ha­ber Ma­nu­el An­to­nio No­rie­ga steht 1986 ne­ben Miss USA (links) und Miss Pa­na­ma.

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