Ost­deut­scher Küm­me­rer und er­folg­rei­cher Wahl­kämp­fer

Er­win Sel­le­ring trat im Herbst sei­ne drit­te Amts­zeit als Mi­nis­ter­prä­si­dent an – Die­se en­det nun viel frü­her als er­war­tet

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - POLITIK -

SCHWE­RIN Nach der ge­won­ne­nen Land­tags­wahl im Sep­tem­ber 2016 hat­te Er­win Sel­le­ring kei­nen Zwei­fel dar­an ge­las­sen, dass er das Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern wei­ter füh­ren will. Mit gro­ßem Elan und nim­mer­mü­dem Ein­satz hat­te er sei­ne SPD al­len schlech­ten Um­fra­ge­wer­ten zum Trotz wie­der zum Wahl­sieg ge­führt und so auch den Fort­be­stand der von ihm fa­vo­ri­sier­ten SPD/CDU-Ko­ali­ti­on ge­si­chert. Doch nun stoppt ei­ne Krebs­er­kran­kung die Plä­ne des 67-Jäh­ri­gen, der al­le sei­ne Äm­ter nie­der­leg­te.

Bei­trag Erst Mit­te Mai war er für wei­te­re zwei Jah­re zum Vor­sit­zen­den der Nord­ost-SPD ge­wählt wor­den, die er seit 2007 an­ge­führt hat­te. Nun das ab­rup­te En­de: „Nach fast neun Jah­ren als Mi­nis­ter­prä­si­dent schei­de ich mit gro­ßer Dank­bar­keit aus die­sem Amt, das es mir er­mög­licht hat, ei­nen Bei­trag für ei­ne gu­te Zu­kunft un­se­res Lan­des zu leis­ten“, sag­te Sel­le­ring ges­tern.

Der in Sprock­hö­vel bei Bochum ge­bo­re­ne West­fa­le war 1994 mit sei­ner Fa­mi­lie nach Greifs­wald ge­zo­gen. Im glei­chen Jahr trat er in die SPD ein und rück­te schon 1996 in den Lan­des­vor­stand auf. Der da­ma- li­ge Mi­nis­ter­prä­si­dent Ha­rald Rings­torff hol­te ihn in die Staats­kanz­lei, mach­te ihn im Jahr 2000 zum Jus­ti­zund 2006 zum So­zi­al­mi­nis­ter.

2008 trat Sel­le­ring dann Rings­torffs Nach­fol­ge als Re­gie­rungs­chef an und er­reich­te schnell des­sen Po­pu­la­ri­täts­wer­te. Zwei Drit­tel der Be­völ­ke­rung zeig­ten sich in ei­ner Um­fra­ge kurz vor der Land­tags­wahl mit sei­ner Amts­füh­rung zu­frie­den. Sel­le­ring galt als Prag­ma­ti­ker oh­ne ideo­lo­gi­sche Scheu­klap­pen und als kom­mu­ni­ka­ti­ver Team­spie­ler. Die von ihm fast neun Jah­re lang ge­führ­te SPD/CDU-Re­gie­rung ar­bei­te­te weit­ge­hend ge­räusch­los, mach­te in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren kei­ne Schul­den und be­hielt auch in der Flücht­lings­kri­se die Über­sicht. Kri­ti­ker war­fen ihm vor, Pro­ble­me „weg­zu­lä­cheln“.

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