Mehr Geld im Ru­he­stand?

BE­TRIEBS­REN­TE Ge­ring­ver­die­ner sol­len bes­ser vor Al­ters­ar­mut ge­schützt wer­den

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - SERVICE -

Reicht das Geld im Al­ter? Die­se Fra­ge soll­ten sich al­le Ver­brau­cher stel­len. Denn die ge­setz­li­che Ren­te wird bei vie­len nicht für den vol­len Le­bens­un­ter­halt ge­nü­gen. Grund­sätz­lich gilt bei der pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge: je län­ger, des­to bes­ser. Wer früh an­fängt, kann auf lan­ge Sicht mehr Ver­mö­gen bil­den, er­klärt die Stif­tung Wa­ren­test. Bei ei­ner Spar­ra­te von 100 Eu­ro mo­nat­lich bil­det sich bei ei­ner Ren­di­te von ei­nem Pro­zent nach zehn Jah­ren ein Ver­mö­gen von et­wa 12 600 Eu­ro. Bei ei­nem An­la­ge­zeit­raum von 30 Jah­ren sind es schon rund 42 000 Eu­ro.

Nun will die Bun­des­re­gie­rung Be­triebs­ren­ten at­trak­ti­ver ma­chen. Das Vor­ha­ben ist ehr­gei­zig: Mehr Be­schäf­tig­te als bis­her sol­len ei­ne Be­triebs­ren­te be­kom­men. CDU, CSU und SPD ha­ben sich auf letz­te zen­tra­le De­tails ei­ner Re­form der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge ge­ei­nigt. Der Bun­des­tag soll dem Ge­setz­ent­wurf be­reits mor­gen zu­stim­men. Denn we­ni­ger als 60 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten ha­ben ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge.

Un­te­re Ein­kom­men Vor al­lem Ge­ring­ver­die­ner und Mit­ar­bei­ter klei­ne­rer Un­ter­neh­men ste­hen häu­fi­ger oh­ne das Zu­satz­plus im Al­ter da. Das will die Bun­des­re­gie­rung än­dern. Der Staat soll Be­triebs­ren­ten bei klei­ne­ren Ein­kom­men stär­ker för­dern. Die Ta­rif­ver­trags­part­ner sol­len die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung künf­tig gan­zen Be­leg­schaf­ten an­bie­ten.

Der Kern des neu­en Mo­dells: Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer sol­len in Ta­rif­ver­trä­gen ver­ein­ba­ren kön­nen, dass nur noch Bei­trä­ge zu­ge­sagt wer­den. Die Haf­tung der Un­ter­neh­men für Be­triebs­ren­ten ent­fällt dann. So könn­ten hö­he­re Ren­di­ten er­zielt wer­den. Bei der künf­tig ge­plan­ten Ziel­ren­te soll kein fes­ter Be­trag mehr zu­ge­si­chert, son­dern nur noch als Ziel ge­nannt wer­den. Wie hoch das Zu­satz­plus im Al­ter im Ein­zel­fall aus­fällt, ist da­mit of­fen. „Der Ver­brau­cher muss wis­sen, dass er das vol­le An­la­ge­ri­si­ko trägt“, sagt Rei­ner Will, Ge­schäfts­füh­rer der Ra­ting­agen­tur As­se­ku­ra­ta.

Bei Ein­kom­men bis zu 2200 Eu­ro mo­nat­lich wird ein Ar­beit­ge­ber­zu- schuss von bis zu 480 Eu­ro jähr­lich mit bis zu 144 Eu­ro vom Fis­kus be­zu­schusst. Das ist auch gleich­zei­tig die mo­nat­li­che Ein­kom­mens­gren­ze für das neue steu­er­li­che För­der­mo­dell für Ge­ring­ver­die­ner.

Frei Be­triebs-, Ries­ter- und frei­wil­li­ge Zu­satz­ren­ten sol­len im Al­ter auf die Grund­si­che­rung nicht an­ge­rech­net wer­den – künf­tig sol­len bis zu 200 Eu­ro an­rech­nungs­frei blei­ben. Doch das Ga­ran­tie­ver­bot ist um­strit­ten. „So not­wen­dig es ist, Ren­di­te­chan­cen zu nut­zen, so wich­tig sind ei­ne ge­wis­se Pl­an­bar­keit von Al­ters­vor­sor­ge und ein Min- dest­maß an Ab­si­che­rung“, kri­ti­siert die Ver­si­che­rungs­wirt­schaft.

Ver­brau­cher­schüt­zer se­hen das we­ni­ger kri­tisch. „Man kann auch oh­ne for­ma­le Ga­ran­tie Al­ters­vor­sor­ge­pro­duk­te ent­wi­ckeln, bei de­nen Markt­schwan­kun­gen raus­ge­nom­men wer­den“, ar­gu­men­tiert Ver­si­che­rungs­ex­per­te Lars Gatsch­ke vom Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band. Fes­te Zu­sa­gen sind aus sei­ner Sicht nicht un­be­dingt ein Vor­teil. „Sie ma­chen nur Sinn, wenn sie in­fla­ti­ons­be­rei­nigt sind. Das bie­tet al­ler­dings nie­mand an. Auf ei­nen Bei­trags­er­halt hat man nach 30 Jah­ren zwar die ver­spro­che­ne Sum­me, doch sie ist we­gen der Preis­stei­ge­rung we­ni­ger wert.“

Hin­zu kommt: Ga­ran­ti­en kos­ten Geld. Die ho­hen Zu­sa­gen der Ver­gan­gen­heit für Ren­ten- und Le­bens­ver­si­che­run­gen las­sen sich in der Zins­flau­te am Ka­pi­tal­markt kaum noch er­wirt­schaf­ten. Die Ver­si­che­rer kön­nen je­doch nicht ein­fach auf lu­kra­ti­ve­re, aber ris­kan­te­re An­la­ge­for­men aus­wei­chen. Um die Ga­ran­ti­en für Alt­kun­den in Zei­ten der Nied­rig­zin­sen ab­zu­si­chern, müs­sen die As­se­ku­ran­zen zu­dem ei­nen mil­li­ar­den­schwe­ren Fi­nanz­puf­fer auf­bau­en. „All das nagt an der Ren­di­te“, sagt Gatsch­ke.

Ge­ra­de Men­schen mit Nied­rig­löh­nen ha­ben im Al­ter sel­ten ei­nen Zu­satz zur ge­setz­li­chen Ren­te. Die Bun­des­re­gie­rung will das nun än­dern.

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