Tod durch Über­fah­ren

LEINGARTEN „Road­kills“: Zeich­nun­gen, Ma­le­rei und Gra­fi­fi­fi­fik von Na­ta­lis Lo­renz im Mu­se­um Al­tes Rat­haus

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - KULTUR REGIONAL - Von Martina Kit­zing-Bretz

Wer kennt sie nicht, die von Au­tos über­fah­re­nen, to­ten Tie­re wie Füch­se, Kat­zen, Eich­hörn­chen oder Igel? Ih­re Ka­da­ver lie­gen mit­ten auf der Land­stra­ße, auf der Au­to­bahn oder am Stra­ßen­rand. Doch als Mo­tiv in der Kunst stel­len die so­ge­nann­ten „Road­kills“ei­ne Sel­ten­heit dar.

Na­ta­lis Lo­renz, der in Neckar­sulm le­ben­de, ge­lern­te Gra­fik­de­si­gner mit Ate­lier im Kunst- und Kul­tur­werk­haus Heilbronn, hat sich seit 2014 in ei­ner Se­rie von Zeich­nun­gen, Ma­le­rei­en und Druck­gra­fi­ken die­ses Ni­schen­the­mas an­ge­nom­men. Die Bil­der der Rei­he sind jetzt im Mu­se­um Al­tes Rat­haus in ei­ner

Wie zei­gen die Bil­der in mi­ni­ma­lis­ti­scher Hän­gung.“

Fritz Eich­holz

„mi­ni­ma­lis­ti­schen Hän­gung“, wie es Fritz Eich­holz for­mu­liert, aus­ge­stellt. Tat­säch­lich ste­hen mo­men­tan nicht al­le Aus­stel­lungs­räu­me zur Ver­fü­gung, da das Mu­se­ums­ge­bäu­de ei­nen Er­wei­te­rungs­um­bau be­kommt. Doch nicht al­lein der feh­len­de Raum, son­dern auch die spar­sa­me Ver­tei­lung der Bil­der und ih­re über­wie­gend schwarz-wei­ße Far­big­keit sor­gen für den Ein­druck des Vor­stands vom Hei­mat­ver­ein.

Nichts­des­to­trotz ist ei­ne be­ein­dru­cken­de Aus­stel­lung zu­stan­de ge­kom­men, in der die Wirk­lich­keit des Stra­ßen­all­tags künst­le­risch auf­be­rei­tet wird: Na­ta­lis Lo­renz hat sei­ne Se­rie nach ei­ge­nen Fo­to­gra­fi­en ge­schaf­fen, und die An­ga­ben von Da­tum und Uhr­zeit auf den aus­ge­stell­ten Bil­dern zeu­gen vom Mo­ment der Auf­nah­me. Die Bil­der­se­rie setzt ein mit der Darstel­lung ei­nes platt ge­fah­re­nen Kä­fers und en­det mit der ei­nes ver­we­sen­den Fuch­ses als Ver­kehrs­op­fer.

Bei­de Ma­le­rei­en in Misch­tech­nik be­zeu­gen das for­ma­le In­ter­es­se des 1983 in Heilbronn ge­bo­re­nen Künst­lers an dem Ver­hält­nis von Fi­gur und Um­feld. Die For­men des zer­schla­ge­nen In­sek­ten­pan­zers, der wie in ei­ner Wer­be­gra­fik mit auf­blit- zen­dem, iro­ni­schem Glanz ge­malt ist, wie­der­ho­len sich in der Struk­tur der um­ge­ben­den St­ei­ne.

Das Me­di­um, in dem sich Na­ta­lis Lo­renz be­vor­zugt aus­drückt, ist aber die Zeich­nung. Der stren­ge Schwarz-Weiß-Kon­trast, in dem der Künst­ler „Road­kills“wie et­wa ei­ne Schild­krö­te wie­der­gibt, las­sen die Struk­tu­ren, die Ob­jekt und Hin­ter­grund zu ei­ner Ein­heit ver­bin­den, deut­lich er­ken­nen.

Ver­gäng­lich­keit Den Tu­sche­zeich­nun­gen mit Tie­ren stellt der Künst­ler Zeich­nun­gen mit über­roll­ten Ge­gen­stän­den wie ei­ne Me­lo­ne oder Fla­sche ge­gen­über. „Wie ei­ne Sach- be­schä­di­gung“, das macht er mit der Ge­gen­über­stel­lung deut­lich, wird der Un­fall­tod der Tier­welt wahr­ge­nom­men.

Ne­ben Vö­geln, den am häu­figs­ten tot­ge­fah­re­nen Tie­ren, wid­met der Zeich­ner Na­ge­tie­ren ei­ne gan­ze Se­rie. Rat­te oder Maus ver­bild­li­chen in den Blät­tern mit dem schritt­wei­sen Ver­fall ih­res Kör­pers die Ver­gäng­lich­keit schlecht­hin.

IN­FO Aus­stel­lungs­dau­er

Bis 11. Ju­ni ist die Aus­stel­lung von Na­ta­lis Lo­renz im Mu­se­um Al­tes Rat­haus in Leingarten je­weils sonn­tags von 15 bis 17 Uhr und don­ners­tags von 17 bis 19 Uhr ge­öff­net.

Kör­per­ver­fall und Ver­gäng­lich­keit: Na­ta­lis Lo­renz’ „Fox“(2017) zeigt ei­nen über­fah­re­nen Fuchs am Stra­ßen­rand.

Fo­tos: Martina Kit­zing-Bretz

Aus der Aus­stel­lung „Road­kills“von Na­ta­lis Lo­renz im Mu­se­um Al­tes Rat­haus Leingarten: „Beet­le“aus dem Jahr 2014.

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