Mar­tins An­ker in rau­er See

BER­LIN In­ge Schulz steht be­reits über 30 Jah­re an der Sei­te des SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Meinungen - Von Tim Brau­ne, dpa

Tau­sen­de Sel­fies hat Mar­tin Schulz in die­sem Wahl­kampf mitgemacht. Ein Fo­to ist et­was Be­son­de­res für ihn. Hu­sum, An­fang Mai. Der SPD-Kanz­ler­kan­di­dat steht im dunk­len Man­tel mit ro­tem Schal vor dem „Ho­tel Woh­lert“. Ne­ben ihm strahlt die Be­sit­ze­rin, ein paar Schrit­te ent­fernt schaut Tors­ten Al­big zu, der in die­sem Mo­ment noch nicht ahnt, dass sei­ne Zeit als Mi­nis­ter­prä­si­dent von Schles­wi­gHol­stein ab­ge­lau­fen ist. Zack, ist das Bild im Spei­cher.

Über die­sen Schnapp­schuss freut sich je­mand 600 Ki­lo­me­ter wei­ter süd­west­lich im Rhein­land ganz be­son­ders – Schulz’ Ehe­frau In­ge, zu Hau­se in Wür­se­len. Vor drei Jahr­zehn­ten ha­be er ihr im „Ho­tel Woh­lert“ei­nen Hei­rats­an­trag ge­macht, er­zählt Schulz.

Wie groß ist ihr Ein­fluss auf den Mann, der im März mit 100 Pro­zent den SPD-Vor­sitz er­ober­te, Kanz­ler wer­den will und am Wahl­tag zit­tern muss, wie tief es mit der äl­tes­ten deut­schen Par­tei wo­mög­lich berg­ab geht?

Die bei­den ler­nen sich ken­nen, da sitzt er noch im Stadt­par­la­ment von Wür­se­len. Der auf­stei­gen­de Stern der lo­ka­len SPD be­treut ein Pro­jekt, das aus den Koh­le­hal­den im rhei­ni­schen Berg­bau-Re­vier Na­tur­land­schaf­ten ma­chen soll. Die jun­ge Land­schafts­ar­chi­tek­tin In­ge wird en­ga­giert. Es funkt. Und wie.

„Ich ha­be mei­ne Frau am 16. Mai 1985 ken­nen­ge­lernt. Wir sind am 21. Mai 1985 zu­sam­men­ge­zo­gen. Wir ha­ben am 15. No­vem­ber 1985 ge­hei­ra­tet“, sagt Schulz. Vie­le sei­ner Freun­de hät­ten ihn an­ge­hau­en, „sach mal, hast Du sie noch al­le, da kennst Du die Frau grad mal drei Tage. Für mich war das am ers­ten Tag klar. Das ist die Frau, mit der ich zu­sam­men­blei­ben möch­te“– so schil­dert es Schulz im Ju­ni. Von An­fang macht In­ge ihm klar, die gro­ße Politik bleibt zu Hau­se vor der Tür. Seit drei Jahr­zehn­ten zie­hen die Schul­zens das kon­se­quent durch. Nur we­ni­ge ge­mein­sa­me Fo­tos in der Öf­fent­lich­keit exis­tie­ren. Da ist sie Joa­chim Sau­er, dem scheu­en Ehe­mann von An­ge­la Mer­kel, sehr ähn­lich. Peer St­ein­brück war da an­ders. Der glück­lo­se SPD-Kanz­ler­kan­di­dat lässt sich 2013 über­re­den, bei ei­nem klei­nen Par­tei­tag mit sei­ner Frau Ger­trud auf­zu­tre­ten. Als die Leh­re­rin da­von an­fängt, was St­ein­brück al­les für den Job ge­op­fert ha­be („Uns ging es su­per gut. Wir hat­ten Frei­heit und Frei­zeit, wir konn­ten Scrabb­le spie­len, wann wir woll­ten“), muss St­ein­brück vor Rüh­rung wei­nen. Sol­che Bil­der will Schulz nicht. Zum In­ter­view mit der lin­ken „Ta­ges­zei­tung“aus Ber­lin hat er sich in ei­nem Ho­tel ver­ab­re­det. Mit­ten im Ge­spräch bim­melt sein Smart­pho­ne. In­ge hat ein Fo­to ge­schickt. Ein Hi­bis­kus hat sich im Gar­ten selbst aus­ge­sät. „Mei­ne Frau weiß sehr genau, was die Leu­te um­treibt“, sagt Schulz da der „taz“. „Das ist mein An­ker im nor­ma­len Le­ben.“

In­ge Schulz

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