Aus­tria-Aus für Kol­ler

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FUSSBALL Ös­ter­reich trennt sich nach der ent­täu­schen­den WM-Qua­li­fi­ka­ti­on von Na­tio­nal­trai­ner Mar­cel Kol­ler. Der zum Jah­res­en­de aus­lau­fen­de Ver­trag mit dem 56 Jah­re al­ten frü­he­ren Bun­des­li­ga-Trai­ner wird nicht ver­län­gert, wie Ver­bands­prä­si­dent Leo Windt­ner nach ei­ner Prä­si­di­ums­sit­zung am Frei­tag sag­te. Ös­ter­reich hat als Vier­ter der Grup­pe D mit neun Punk­ten aus acht Par­ti­en in der WM-Qua­li­fi­ka­ti­on nur noch ei­ne mi­ni­ma­le Chan­ce auf die Teil­nah­me an der WM 2018 in Russ­land. Der Schwei­zer Kol­ler hat­te die Na­tio­nal­elf Ös­ter­reichs vor sechs Jah­ren über­nom­men und un­ter an­de­rem zur EM im ver­gan­ge­nen Jahr in Frank­reich ge­führt, wo die Aus­wahl um den Münch­ner Da­vid Ala­ba dann aber oh­ne Sieg schon in der Vor­run­de schei­ter­te.

Kurz war die Nacht auf Frei­tag im Hau­se Na­gels­mann. Erst um vier Uhr fand Ju­li­an Na­gels­mann in den Schlaf. Der Trai­ner be­trieb nach dem 1:2 sei­ner TSG Hof­fen­heim zum Eu­ro­pa-Le­agueAuf­takt noch Vi­deo­stu­di­um. Fut­ter fürs Kopf­ki­no gab es ge­nü­gend. Na­gels­mann sah am Frei­tag al­les an­de­re als über­näch­tigt aus. „Ich ha­be da ei­ne Cre­me ge­kauft, die ich bei Jo­gi Löw in der Wer­bung ge­se­hen ha­be“, wit­zel­te er. „Da­mit sieht man frisch aus.“An feh­len­der Fri­sche lag der miss­glück­te Start in die Grup­pen­pha­se der Eu­ro­pa Le­ague nicht. Eher an un­ge­wohn­ten Unacht­sam­kei­ten und Nach­läs­sig­kei­ten, die zu den zwei Ge­gen­tref­fern führ­ten. Die Er­kennt­nis: 45 do­mi­nan­te Mi­nu­ten rei­chen nicht in der Eu­ro­pa Le­ague. „Die Chan­cen wur­den zu la­pi­dar, zu in­kon­se­quent ver­spielt. Ge­gen die Bay­ern hat­ten wir schlech­te­re Mög­lich­kei­ten und ha­ben 2:0 ge­won­nen“, sprach Na­gels­mann.

Fünf Än­de­run­gen im Ver­gleich zur Start­for­ma­ti­on des Bay­ern-Spiels wa­ren viel­leicht doch ein we­nig zu viel, oder? „Das glau­be ich nicht. Im Er­folgs­fall ist die Ro­ta­ti­on su­per, im Miss­er­folgs­fall hast du dann zu viel ro­tiert“, sagt der Trai­ner. „Je­der weiß doch, was er zu ma­chen hat. Das bringt uns nicht durch­ein­an­der“, sagt Ab­wehr­spie­ler Ben­ja­min Hüb­ner.

Um den gro­ßen, qua­li­ta­tiv aus­ge­gli­che­nen Ka­der bei Lau­ne zu hal­ten, muss je­der Ak­teur Ein­sät­ze er­hal­ten. „Um al­le Spie­ler in den Rhyth­mus zu be­kom­men, musst du sie spie­len las­sen“, sagt Na­gels­mann mit Blick auf Start­elf-De­bü­tant Florian Gril­litsch. Wer wann spielt, wer wann drau­ßen sitzt, da­für gibt es kla­re Vor­ga­ben. Die Trai­nings­leis­tun­gen ge­hö­ren da­zu, aber auch die Ver­let­zungs­pro­phy­la­xe wie beim 18-jäh­ri­gen Den­nis Gei­ger, der in sei­ner ers­ten Spiel­zeit im Pro­fi­fuß­ball nicht kör­per­lich über­for­dert wer­den soll. Grund­sätz­lich gibt es die Maß­ga­be, „dass wir ge­wis­se Säu­len auf dem Feld ha­ben“, wie es Ju­li­an Na­gels­mann aus­drückt.

Das Är­ger­li­che an der Bra­ga-Nie­der­la­ge: War der FC Li­ver­pool vor we­ni­gen Wo­chen in Sa­chen Cham­pi­ons Le­ague ein­fach zu gut für die TSG, war Hof­fen­heim die­ses Mal ei­gent­lich zu gut, um ge­gen die Nor­dPor­tu­gie­sen zu ver­lie­ren. Das Wort ei­gent­lich, es spiel­te ei­ne gro­ße Rol­le am Don­ners­tag­abend. „Ei­gent­lich“, sin­nier­te Er­min Bi­cak­cic, „ei­gent­lich hät­ten wir die aus dem Sta­di­on schie­ßen müs­sen.“

Das Gu­te am eng ge­tak­te­ten Spiel­plan: Mit ei­nem Heim­sieg an die­sem Sonn­tag (13.30 Uhr, Eu­ro- sport 2/Eu­ro­sport Play­er) ge­gen die Her­tha aus Ber­lin ist viel­leicht so­gar der Sprung auf Rang eins drin. „Wir sind bes­ser in die Li­ga ge­star­tet als wir er­war­tet ha­ben“, sagt Ju­li­an Na­gels­mann vor dem Du­ell mit den Haupt­städ­tern, die am Don­ners­tag­abend 0:0 ge­gen Bil­bao spiel­ten. Mut­ma­cher gibt es ge­nü­gend. Seit Mai 2016 hat Hof­fen­heim kein Bun­des­li­ga-Heim­spiel mehr ver­lo­ren. Das letz­te Ge­gen­tor da­tiert vom Os­ter­sams­tag, als Hof­fen­heim Glad­bach mit 5:3 be­sieg­te.

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