Kla­ge ge­gen Pkw-Maut ein­ge­reicht

BER­LIN Ös­ter­reich zieht vor Ge­richt – Grü­ne for­dern Stopp der Vor­be­rei­tung

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Vorderseite - Von un­se­rer Re­dak­ti­on

Ös­ter­reich hat nach jah­re­lan­gen Pro­tes­ten Kla­ge ge­gen die deut­sche Pkw-Maut ein­ge­reicht. Kurz vor Son­die­run­gen über ei­ne Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on in Ber­lin facht dies den Streit über das CSU-Pres­ti­ge­pro­jekt neu an. Die Ab­ga­be sei „ei­ne rei­ne Aus­län­der­maut“und dis­kri­mi­nie­rend, sag­te Ver­kehrs­mi­nis­ter Jörg Leicht­fried (SPÖ) ges­tern in Wi­en zur Be­grün­dung. Die Kla­ge Ös­ter­reichs ging ges­tern Nach­mit­tag beim EU-Ge­richts­hof in Lu­xem­burg ein. Das Ver­fah­ren tra­ge die Rechts­sa­chen­num­mer C-591/17, be­rich­te­te die Nach­rich­ten­agen­tur APA.

Da­ge­gen be­harr­te das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um auf der Recht­mä­ßig­keit der Maut. Die EU-Kom­mis­si­on ha­be sich da­vor ge­drückt, Deutsch­land die Stirn zu bie­ten, sag­te Leicht­fried. Ös­ter­reich ge­he nun vor­an. Ein von der Re­gie­rung in Auf­trag ge­ge­be­nes Rechts­gut­ach­ten be­schei­nigt gu­te Aus­sich­ten auf ei­nen Er­folg vor Ge­richt. Haupt­kri­tik­punkt ist, dass nur In­län­der für Maut-Zah­lun­gen durch ei­ne nied­ri­ge­re Kfz-Steu­er voll ent­las­tet wer­den sol­len. Die An­kün­di­gung fällt in das Wahl­kampf­fi­na­le in Ös­ter­reich, das am Sonn­tag ein neu­es Par­la­ment wählt.

Die Kla­ge hat kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung für die für 2019 ge­plan­te Ein­füh­rung der Maut in Deutsch­land. Dies müss­te ei­gens be­an­tragt und vor Ge­richt be­wil­ligt wer­den. Die Nie­der­lan­de wol­len sich der Kla­ge an­schlie­ßen, wie ei­ne Spre­che­rin des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums nach ei­nem Be­richt der Agen­tur ANP sag­te. Ab­ge­war­tet wer­den sol­le aber noch die recht­li­che Be­grün­dung aus Wi­en. Auf Tsche­chi­en kann Ös­ter­reich nicht zäh­len. „Wir ha­ben ent­schie­den, uns der Kla­ge nicht an­zu­schlie­ßen“, sag­te ein Spre­cher des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums in Prag.

Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um be­ton­te, die EU-Kom­mis­si­on ha­be be­reits vor Mo­na­ten grü­nes Licht ge­ge­ben und ein Ver­fah­ren ge­gen Deutsch­land ein­ge­stellt. „Die Aus­schrei­bun­gen für das Maut­sys­tem lau­fen. Die Maut kommt.“Nach dem Prin­zip „Wer nutzt, der zahlt – und kei­ner zahlt dop­pelt“wer­de Ge­rech­tig­keit auf deut­schen Stra­ßen ge­schaf­fen. Dar­an än­de­re auch die Kla­ge nichts. Meh­re­re Par­tei­en for­der­ten, wei­te­re Vor­be­rei­tun­gen aus­zu­set­zen. „Die Ge­fahr ist zu groß, dass an­sons­ten Mil­lio­nen Steu­er­gel­der ver­brannt wer­den“, sag­te SPD-Frak­ti­ons­vi­ze Sö­ren Bar­tol. Grü­nen-Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter for­der­te, ei­ne Ent­schei­dung des EuGH ab­zu­war­ten. „Es ist ei­ne gro­ße Ge­fahr, dass Steu­er­gel­der ver­schwen­det wer­den, wenn man jetzt mit der Maut wei­ter­macht.“Grü­nen-Frak­ti­ons­vi­ze Oli­ver Kri­scher sag­te, der Zeit­punkt der Kla­ge mö­ge dem ös­ter­rei­chi­schen Wahl­kampf ge­schul­det sein. „Aber es ist gut, die­sen von Uni­on und SPD in Ge­setz ge­gos­se­nen CSU-Un­sinn ge­richt­lich zu über­prü­fen.“Lan­des-Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) un­ter­stützt die Ent­schei­dung Ös­ter­reichs, ge­gen die Maut zu kla­gen. Her­mann sag­te un­se­rer Zei­tung: „Mit der Kla­ge wird die deut­sche Aus­län­der­maut zu­recht über­prüft. Die be­schlos­se­ne Pkw-Maut be­las­tet nur vor­der­grün­dig al­le Nut­zer gleich. Wäh­rend die aus­län­di­schen Nut­zer nichts zu­rück be­kom­men, wer­den die deut­schen Nut­zer über die Kfz-Steu­er voll­stän­dig ent­las­tet.“Das sei dis­kri­mi­nie­rend und füh­re zu ei­nem rie­si­gen bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand. „Am En­de bleibt aber nur ein Bruch­teil der Maut­ein­nah­men beim Staat.“Kom­men­tar „In den Müll­ei­mer“

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