Ent­set­zen über Aus­trit­te aus der Unesco

PA­RIS Seit Jah­ren gibt es Krach um Pa­läs­ti­na: Nun zie­hen sich die USA und Is­ra­el mit schwe­ren Vor­wür­fen aus der UN-Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on zu­rück

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Hintergrund - Von Ma­ren Hen­ne­muth, dpa

Pau­ken­schlag in Pa­ris: Die US­Re­gie­rung von Do­nald Trump macht Ernst und kehrt der UN-Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on den Rü­cken. Span­nun­gen gibt es schon seit Jah­ren. Die Vor­wür­fe sind schwer­wie­gend. Die USA stör­ten sich aber an den „an­ti-is­rae­li­schen Ten­den­zen“in der Unesco und Zah­lungs­rück­stän­den in­ner­halb der Or­ga­ni­sa­ti­on, hieß es. Der Aus­tritt soll nach ih­ren An­ga­ben am 31. De­zem­ber 2018 wirk­sam wer­den.

Auch Is­ra­el kün­dig­te da­nach den Aus­tritt an – und leg­te mit Vor­wür­fen nach. „Die Unesco ist zu ei­nem Schlacht­feld für die öf­fent­li­che Be­schimp­fung Is­ra­els ge­wor­den und hat ih­re wah­re Rol­le und ih­re wah­ren Zie­le ver­nach­läs­sigt“, sag­te Is­ra­els UN-Bot­schaf­ter Dan­ny Da­non. Der Rück­zug der USA sei ein „Wen­de­punkt“. „Die Unesco be­schäf­tigt sich nicht mit Kul­tur, son­dern mit der Ver­dre­hung jü­di­scher Ge- schich­te und der Po­li­tik von Sym­bo­len“, schrieb der Vor­sit­zen­de der op­po­si­tio­nel­len Ar­beits­par­tei in Is­ra­el, Avi Ga­bai, auf Twit­ter.

Unesco-Ge­ne­ral­di­rek­to­rin Iri­na Bo­ko­wa be­dau­er­te die Ent­schei­dung Wa­shing­tons zu­tiefst: „Das ist ein Ver­lust für die Unesco. Das ist ein Ver­lust für die Fa­mi­lie der Ver­ein­ten Na­tio­nen.“Der Ent­schluss sei ihr von US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son schrift­lich mit­ge­teilt wor­den, er­klär­te Bo­ko­wa. Der Schritt sei der Trump-Re­gie­rung nicht leicht ge­fal­len, er­klär­te die Spre­che­rin des US-Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums, Hea­ther Nau­ert. Zah­lun­gen Die Ar­beit der Unesco stand in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der im Schat­ten von Streit vor dem Hin­ter­grund des Nah­ost­kon­flikts. Nach der Auf­nah­me Pa­läs­ti­nas in die Or­ga­ni­sa­ti­on hat­ten die USA be­reits 2011 ih­re Zah­lun­gen an die Unesco ge­stoppt – da­bei wä­ren sie ei­gent­lich der größ­te Bei­trags- zah­ler. Im Som­mer sorg­te die Ent­schei­dung, die Alt­stadt von He­bron zum pa­läs­ti­nen­si­schen Welt­kul­tur­er­be zu er­klä­ren, für Em­pö­rung in Is­ra­el. Im Mai be­schloss ein UnescoG­re­mi­um ei­ne Re­so­lu­ti­on, die Is­ra- els Po­li­tik im Ost­teil von Je­ru­sa­lem kri­ti­sier­te. In dem ver­öf­fent­lich­ten Re­so­lu­ti­ons­ent­wurf war von „is­rae­li­schen Be­sat­zungs­be­hör­den“die Re­de. Aus Deutsch­land kam schar­fe Kri­tik an dem US-Schritt.

Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters (CDU) sprach von ei­nem „völ­lig fal­schen Si­gnal“. Der Deut­sche Kul­tur­rat, der Spit­zen­ver­band der Bun­des­kul­tur­ver­bän­de, be­dau­er­te den Schritt eben­falls: „Das ist ein schwe­rer Schlag für die in­ter­na­tio­na­le Kul­tur­zu­sam­men­ar­beit“, so Ge­schäfts­füh­rer Olaf Zim­mer­mann. SPD-Frak­ti­ons­che­fin Andrea Nah­les sag­te, Trump füh­re sein Land wei­ter in die Iso­la­ti­on. Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir er­klär­te, der Schritt zei­ge, „wie fern Prä­si­dent Trump ei­ne Au­ßen­po­li­tik ist, die Bil­dung, Kul­tur, Wis­sen­schaft, De­mo­kra­tie und Mei­nungs­frei­heit mit­denkt“.

Zu­sam­men­ar­beit Ein Spre­cher der US-De­le­ga­ti­on bei der Unesco sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur, der Rück­zug än­de­re nichts an der US-Li­nie, in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit in den Be­rei­chen Er­zie­hung, Wis­sen­schaft, Kom­mu­ni­ka­ti­on oder Kul­tur zu för­dern – falls dies im In­ter­es­se der USA sei. Die Unesco ist vor al­lem für die Lis­ten des Welt­kul­tur­er­bes be­kannt. Doch die Or­ga­ni­sa­ti­on mit 2100 Mit­ar­bei­tern und ei­nem drei­stel­li­gen Mil­lio­nen-Etat ist in vie­len wei­te­ren Fel­dern ak­tiv – von Bil­dung über Bio­sphä­ren­re­ser­va­te bis Gleich­be­rech­ti­gung.

Auf­trag Ihr Auf­trag ist es, das wech­sel­sei­ti­ge Ver­ständ­nis zwi­schen den Na­tio­nen zu för­dern. 1984 wa­ren die USA schon ein­mal aus der Or­ga­ni­sa­ti­on aus­ge­tre­ten. Als Grün­de ga­ben sie da­mals ei­ne an­ti-west­li­che Po­li­ti­sie­rung und ein in­ef­fi­zi­en­tes Ma­nage­ment an. Erst 2003 kehr­ten die USA in die Unesco zu­rück.

Frank­reich be­dau­er­te den Rück­zug. Die Unesco brau­che ei­nen neu­en Plan, um po­li­ti­sche Grä­ben zu über­win­den und Ver­trau­en zu schaf­fen, teil­te das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um mit. Frank­reich ha­be ein sol­ches Kon­zept. Die Zu­kunft der Unesco ha­be für Frank­reich als Sitz­land ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung

Das Haupt­quar­tier der Unesco in Pa­ris. Die Or­ga­ni­sa­ti­on ist vor al­lem für die Lis­ten des Welt­kul­tur­er­bes be­kannt. Doch sie ist auf vie­len Fel­dern ak­tiv.

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