Knapp an der Er­de vor­bei

AS­TRO­NO­MIE As­te­ro­id TC4 2012 ist et­wa so groß wie ein Haus – For­scher nutz­ten Be­geg­nung, um das kos­mi­sche Ge­schoss zu ana­ly­sie­ren

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Blick In Die Welt - Von Gör­an Geh­len und Wal­ter Wil­lems, dpa

Nä­her als man­che Sa­tel­li­ten: Der As­te­ro­id 2012 TC4 hat die Er­de ges­tern Mor­gen in re­la­tiv ge­rin­gem Ab­stand pas­siert. Der Vor­bei­flug sei wie be­rech­net pünkt­lich er­folgt, sag­te Det­lef Ko­sch­ny von der Eu­ro­päi­schen Raum­fahrt­agen­tur Esa im nie­der­län­di­schen Noord­wi­jk. Sei­nen erd­nächs­ten Punkt er­reich­te das kos­mi­sche Ge­schoss um 7.41 Uhr mit rund 43 780 Ki­lo­me­tern Ab­stand. Zum Ver­gleich: Der Mond ist et­wa 400 000 Ki­lo­me­ter ent­fernt. Geo­sta­tio­nä­re Sa­tel­li­ten flie­gen in ei­ner Hö­he von knapp 36 000 Ki­lo­me­tern, ei­ni­ge Sa­tel­li­ten sind so­gar noch wei­ter ent­fernt von der Er­de. Die Be­ob­ach­tun­gen er­mög­lich­ten prä­zi­se­re An­ga­ben zur Grö­ße des Him­mels­kör­pers: Wäh­rend man sei­nen Durch­mes­ser an­fangs auf et­wa zehn bis 30 Me­ter schätz­te, ging man spä­ter von zehn bis zwölf Me­tern aus. Zu­dem dreht sich 2012 TC4 sehr schnell um sich selbst – et­wa al­le zwölf Mi­nu­ten.

Te­le­sko­pe Von dem Vor­bei­flug er­hof­fen sich Ex­per­ten Er­kennt­nis­se über künf­ti­ge As­te­ro­iden auf Kol­li­si­ons­kurs zur Er­de. Es han­delt sich laut Eu­ro­päi­scher Raum­fahrt­agen­tur Esa um „ei­ne ex­zel­len­te Mög­lich­keit, die in­ter­na­tio­na­len Fä­hig­kei­ten zur Er­ken­nung und Ver­fol­gung erd­na­her Ob­jek­te zu tes­ten“. Laut Ko­sch­ny hät­ten auf­grund von tech­ni­schen Pro­ble­men aber nicht al­le Te­le­sko­pe funk­tio­niert wie vor­ge­se­hen.

Ein Wie­der­se­hen mit 2012 TC4 wird es erst im Jahr 2079 ge­ben. Dann exis­tiert laut Esa ei­ne mi­ni­ma­le Wahr­schein­lich­keit, dass er die Er­de trifft. Die Chan­ce be­tra­ge nach ak­tu­el­len Be­rech­nun­gen 1:15 000. Doch da der As­te­ro­id auf sei­nem jet­zi­gen Vor­bei­flug von der Er­de ab­ge­lenkt wur­de, än­de­re sich die Wahr­schein­lich­keit ver­mut­lich noch mal deut­lich. Der As­te­ro­id war erst­mals im Jahr 2012 von ei­nem Ob­ser­va­to­ri­um auf Ha­waii ent­deckt wor­den.

Im­mer wie­der ge­ra­ten As­te­ro­iden auf Kol­li­si­ons­kurs mit der Er­de. Ein ähn­li­cher gro­ßer Him­mels­kör­per wie 2012 TC4 hat­te im Jahr 2013 rund um die rus­si­sche Mil­lio­nen­stadt Tschel­ja­b­insk schwe­re Stoß­wel­len aus­ge­löst. Et­wa 1500 Men­schen wur­den ver­letzt, rund 7000 Ge­bäu­de be­schä­digt. „Ein Fall wie in Tschel­ja­b­insk kommt al­le 40 bis 50 Jah­re vor“, sag­te As­te­ro­iden-Ex­per­ten Rü­di­ger Jehn vom Eu­ro­päi­schen Raum­flug­kon­troll­zen­trum Esoc in Darm­stadt. Ein Fall wie vor 108 Jah­ren, als ein 40 Me­ter gro­ßer Bro­cken aus dem All in Si­bi­ri­en rund 2000 Qua­drat­ki­lo­me­ter Wald ver­nich­te­te, pas­sie­re nur al­le 300 Jah­re.

Fo­to: NA­SA/JPL-Cal­tech

Die­ses Bild hat die Na­sa er­stellt. Es zeigt den Vor­bei­flug.

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