Das Schwei­gen der Män­ner

Die Miss­brauchs­vor­wür­fe ge­gen den Film­pro­du­zen­ten Har­vey Wein­stein bringt die Ma­cho­kul­tur in Hol­ly­wood ins Wan­ken

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Blick In Die Welt - Von Jo­han­nes Sch­mitt-Teg­ge, dpa

LOS AN­GE­LES Rund ei­ne Wo­che wa­ren die Vor­wür­fe we­gen se­xu­el­ler Be­läs­ti­gung ge­gen Har­vey Wein­stein alt, da sah sich Ben Af­f­leck selbst zu ei­ner Ent­schul­di­gung ge­nö­tigt. „Ich ha­be mich un­an­ge­mes­sen ge­gen­über (Hi­la­rie) Bur­ton ver­hal­ten und es tut mir auf­rich­tig leid“, twit­ter­te der Schau­spie­ler aus „Bat­man v Su­per­man“. Der Sturz des Hol­ly­wood­mo­guls Wein­stein bringt pro­mi­nen­te weib­li­che Op­fer aus der De­ckung – aber ver­ein­zelt auch Män­ner, die er­ken­nen, dass sie die Ma­cho­kul­tur im US-En­ter­tain­ment mit ge­pflegt ha­ben.

14 Jah­re ist der Zwi­schen­fall in der MTV-Sen­dung „To­tal Re­quest Live“her, und auf den ers­ten Blick wirkt er harm­los: Im In­ter­view mit Mo­de­ra­to­rin Bur­ton steht Af­f­leck plötz­lich auf und legt sei­nen Arm um ih­re Schul­ter. Tat­säch­lich ha­be er da­bei aber ih­ren Bu­sen be­grapscht, er­klär­te Bur­ton in ei­nem Vi­deo spä­ter. „Ich muss­te da­mals la­chen, um nicht zu wei­nen“, schrieb sie auf Twit­ter. Af­f­lecks Ent­schul­di­gung mag ein wich­ti­ger Schritt sein – in Hol­ly­wood bleibt er ei­ne Aus­nah­me.

Kul­tur Mu­ti­ge Schau­spie­le­rin­nen wie Ash­ley Judd ha­ben Wein­stein als ers­te öf­fent­lich mit den Vor­wür­fen kon­fron­tiert. An­de­re wie Gwy­neth Paltrow, An­ge­li­na Jo­lie oder Hea­ther Gra­ham ha­ben den Pro­du­zen­ten nun zu Fall ge­bracht. Doch da­mit sich die tief ver­wur­zel­te Kul­tur se­xu­el­len Miss­brauchs – von an­züg­li­chen Kom­men­ta­ren ge­gen­über Frau­en bis zur Ver­ge­wal­ti­gung – im US-En­ter­tain­ment wan­delt, müs­sen „Män­ner vor­tre­ten“, schreibt das Ma­ga­zin „Va­rie­ty“: „Wenn Du kein ak­ti­ver Teil der Lö­sung bist, bist Du ein Teil des Pro­blems.“

Kennt­nis Denn selbst ein Su­per­Pro­du­zent wie Wein­stein, des­sen Ver­mö­gen die bri­ti­sche „Sun­day Ti­mes“auf et­wa 217 Mil­lio­nen Eu­ro schätz­te, agiert nicht im luft­lee­ren Raum. Mit­ar­bei­ter be­schrie­ben dem „New Yor­ker“zu­fol­ge ei­ne „Kul­tur der Mit­tä­ter­schaft an Wein­steins Ge­schäfts­or­ten“. Zahl­rei­che Kol­le­gen hät­ten vol­le Kennt­nis von sei­nem Ver­hal­ten ge­habt und es ent­we­der „be­güns­tigt oder weg­ge­schaut“.

Bei­spiel da­für mö­gen die mehr als 20 männ­li­chen Schau­spie­ler und Re­gis­seu­re sein, die der bri­ti­sche „Guar­di­an“um ei­ne Re­ak­ti­on zur Cau­sa Wein­stein bat. Sie al­le ar­bei­te­ten oder ar­bei­ten der­zeit mit Wein- st­ein, dar­un­ter Qu­en­tin Ta­ran­ti­no („The Ha­te­ful 8“), Da­vid O. Rus­sell („Sil­ver Li­nings“) und Micha­el Moo­re. Vie­le von ih­nen schwei­gen zu den Vor­wür­fen. Ei­ni­ge ka­men erst spät oder auf Nach­fra­ge aus der De­ckung. Selbst Ben Af­f­leck ent­schul­dig­te sich erst, als ei­ne Nut­ze­rin auf Twit­ter an sein frag­wür­di­ges MTV-In­ter­view von 2003 er­in­ner­te.

Im Show­busi­ness war Wein­steins Ver­hal­ten so be­kannt, dass es als of­fe­ner Run­ning Gag durch die Bran­che wan­der­te. „Fa­mi­ly Guy“-Er­fin­der Seth MacFar­la­ne wag­te ei­nen Wein­stein-Witz, als er 2013 die Os­car-No­mi­nie­run­gen für die bes­te Ne­ben­dar­stel­le­rin ver­kün­de­te: „Glück­wunsch, ihr fünf La­dies müsst nicht län­ger so tun, als wärt ihr von Har­vey Wein­stein an­ge­tan.“Das Ge­läch­ter im Saal war nicht zu über­hö­ren.

Fo­to: dpa

Der Skan­dal um Har­vey Wein­stein zieht im­mer grö­ße­re Krei­se.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.