Fa­mi­li­en­so­fa statt Ver­hand­lungs­tisch

FUSSBALL Der Hof­fen­hei­mer Trai­ner Ju­li­an Na­gels­mann er­zählt, was er zu­letzt beim Kurz­trip nach Mün­chen ge­macht hat

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Sport - Von un­se­rem Re­dak­teur Andre­as Öhl­schlä­ger

Es war nicht so, dass Ju­li­an Na­gels­mann Bei­fall ge­klatscht hat, oben auf dem Pres­se­kon­fe­renz-Po­di­um. Aber der Hof­fen­hei­mer Trai­ner war ziem­lich froh, als er end­lich auch et­was zu die­ser „ek­lig zu be­spie­len­den Mann­schaft“sa­gen durf­te, ge­gen die sei­ne TSG am Sams­tag (15.30 Uhr/ Sky) ran muss.

Die Par­tie ge­gen den FC Augs­burg hat­te beim ers­ten of­fi­zi­el­len Na­gels­mann-Ter­min nach der Län­der­spiel­Pau­se in der Bun­des­li­ga lan­ge kei­ne Rol­le ge­spielt. Denn da muss­te ja noch was an­de­res ge­klärt wer­den: Wie ist das denn jetzt mit Mün­chen, Herr Na­gels­mann?

Der FC Bay­ern braucht schließ­lich im kom­men­den Som­mer ei­nen neu­en Trai­ner. Und der Chef­coach der TSG 1899 Hof­fen­heim gilt als ganz hei­ßer Kan­di­dat für die­sen Job. Als re­gel­mä­ßi­ger Bay­ern-Är­ge­rer in den di­rek­ten Du­el­len und dank sei- ner fa­mo­sen sport­li­chen Bi­lanz, die sich Na­gels­mann im Kraich­gau mit über­zeu­gen­der fach­li­cher Fi­nes­se er­coacht hat, ist der Trai­ner auf höchs­ter na­tio­na­ler Ebe­ne zum Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt ge­wor­den.

Au­ßer­dem: Er war ja zu­letzt auch in Mün­chen, die­ser Bran­chen-Shoo­ting­star Ju­li­an Na­gels­mann. Ha! Ge­heim­ver­hand­lun­gen füh­ren, oder?

Der we­gen zahl­rei­cher Na­tio­nal­mann­schafts-Ab­stel­lun­gen aus­ge­dünn­te Hof­fen­hei­mer Rest­ka­der wur­de zwi­schen­zeit­lich je­den­falls von den As­sis­tenz­trai­nern be­treut. Und der Chef­coach der TSG? Saß in Mün­chen nicht am Ver­hand­lungs­tisch des FC Bay­ern, son­dern bei den Schwie­ger­el­tern auf dem So­fa. Er kön­ne die ja nicht an­ru­fen und ih­nen vor­schrei­ben: Ihr müsst jetzt um­zie­hen!, weg von Mün­chen, „wenn mei­ne Le­bens­ge­fähr­tin und mein Sohn bei mei­nen Schwie­ger­el­tern sind“, wit­zel­te Ju­li­an Na­gels­mann ges­tern. Er sei dann halt auch mal in Mün­chen. Aber: „Es gibt und gab kei­ne An­fra­ge“des FC Bay­ern. Es ge­be „kei­nen Kon­takt von mei­ner Sei­te zu dem Club“. Über­haupt: „Null Kom­ma null Kon­takt von mei­ner Sei­te zu ir­gend­je­mand.“ Glücks­emp­fin­den Na­gels­mann ver­si­cher­te viel­mehr: „Ich bin je­den Tag glück­lich, wenn ich von Wie­sen­bach hier­her fah­re.“Nach Zuzenhausen, ins Trai­nings­zen­trum der TSG Hof­fen­heim. „Ich kon­zen­trie­re mich ex­trem auf den Er­folg die­ser Mann­schaft. In mei­nem Kopf spielt gar nix an­de­res ei­ne Rol­le.“Bas­ta. Bas­ta?

Eher nicht. Die Spe­ku­la­tio­nen wer­den wei­ter­ge­hen, das dürf­te si­cher sein. Der mäch­ti­ge Hof­fen­hei­mer Mä­zen Diet­mar Hopp hat ja selbst mal ge­sagt: „So ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Trai­ner in ei­nem re­la­tiv klei­nen Club zu hal­ten, ist aus­ge­schlos­sen.“

Der Ab­schied ist al­so ei­ne Fra­ge der Zeit. Auch wenn Ju­li­an Na­gels­mann die Re­por­ter­schar im Pres­se­raum zu recht da­mit kon­fron­tier­te, dass es ziem­lich we­ni­ge Fak­ten ge­be, die auf ihn als Münch­ner Nach­fol­ger von Not­fall-Hel­fer Jupp Heynckes hin­deu­ten wür­den. Das sei „schei­ße für euch, dass es we­nig zu re­den gibt“, froh­lock­te der 30-Jäh­ri­ge.

Zu­vor hat­te er noch schnell er­klärt, war­um die Fuß­ball­welt im Kraich­gau sich ganz kurz oh­ne ihn wei­ter­dre­hen muss­te. Zum Kurz­trip zur Fa­mi­lie nach Mün­chen ha­be ihn TSG-Ma­na­ger Alex­an­der Ro­sen „ge­zwun­gen“. Die Ak­kus auf­la­den. „Durch­schnau­fen, ein biss­chen.“Na­gels­manns per­sön­li­che Bi­lanz: „Es war gut für mei­nen Sohn, dass ich ein biss­chen Zeit mit ihm ver­brin­gen konn­te.“Na­gels­manns pro­fes­sio­nel­le Be­wer­tung die­ser Hof­fen­hei­mer Ab­senz: „Ich ha­be gro­ßes Ver­trau­en in mei­ne Co-Trai­ner.“Und dann wur­de über den FC Augs­burg ge­re­det. Je­nen nächs­ten Geg­ner, den Ju­li­an Na­gels­mann mit et­li­chen Lob­prei­sun­gen be­dach­te. Der FCA ge­be „ex­trem we­ni­ge Räu­me preis“, schal­te „sehr gut um“von Ab­wehr in An­griff, da müs­se man auf­pas­sen. Denn die jüngs­te Mi­ni-Er­folg­los­se­rie der TSG, be­ste­hend aus der Eu­ro­pa-Le­ague-Nie­der­la­ge bei Lu­do­go­rez Ras­grad (1:2) und der Bun­des­li­ga-Plei­te beim SC Frei­burg (2:3), soll tun­lichst nicht ver­län­gert wer­den. „Grund­sätz­lich ist ver­lie­ren nicht so mein Fall“, sag­te Ju­li­an Na­gels­mann. „Und wenn es häu­fi­ger vor­kommt, ist es noch we­ni­ger mein Fall.“Die kla­re Kon­se­quenz dar­aus: „Für mich und mein Um­feld wä­re es bes­ser, wenn wir ge­gen Augs­burg ge­win­nen.“

Fo­to: dpa

Trai­ner Ju­li­an Na­gels­mann macht sei­ner Hof­fen­hei­mer Mann­schaft wort­mäch­tig klar, wo es lang­ge­hen soll. Aber spe­ku­liert wird vor al­lem dar­über, wo­hin Na­gels­manns Kar­rie­re­weg füh­ren könn­te.

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