„Ich brau­che et­was Cha­os“

INTERVIEWDTM- Pi­lot Re­né Rast über das Fi­na­le im Ho­cken­heim, sei­ne Ti­tel­chan­cen und Au­di-Kol­le­ge Mat­ti­as Ek­ström

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Sport -

21 Punk­te Rück­stand auf Mat­ti­as Ek­ström sind ei­ne gan­ze Men­ge. Rast: In der Tat. Ich brau­che ein per­fek­tes Wo­che­n­en­de: zwei Po­lePo­si­ti­ons, zwei Sie­ge. Und dann wird es span­nend. Es kann al­les pas­sie­ren und es geht in der DTM schnell. Eki ist in ei­ner deut­lich schwie­ri­ge­ren Si­tua­ti­on als ich. nur ge­win­nen – vor al­lem als Roo­kie. Ei­gent­lich müss­ten Sie ja mehr un­ter Druck ste­hen, weil Sie noch nicht Meis­ter wa­ren. Rast: Klar kann man das so se­hen. Aber man muss ei­nes zu Grun­de le­gen: Dies ist mein ers­tes Jahr in der DTM. Da ver­langt kei­ner von mir, gleich die Meis­ter­schaft zu ge­win­nen. Wenn ich nun 15 Jah­re in der DTM fah­ren wür­de, dann hät­te ich Druck, end­lich lie­fern zu müs­sen. Kann man ei­nen al­ten Fuchs wie Ek­ström über­haupt un­ter Druck set­zen? Rast: Je­der von uns steht un­ter Druck. Und Feh­ler pas­sie­ren je­dem. Auch Eki hat in die­ser Sai­son schon ei­ni­ge Feh­ler ge­macht. Al­so selbst ihm ge­hen die Ner­ven durch. Es zeigt, dass wir al­le am Li­mit sind. Er­fah­rung schützt nicht vor Feh­lern. Ist er trotz­dem der bes­te Fah­rer? Rast: Eki ist ei­ner von 18 Top-Fah­rern in der DTM, die al­le auch in der For­mel 1 be­ste­hen könn­ten. Er macht ei­nen gu­ten Job, ist oft über­le­gen, aber er macht in ge­wis­sen Si­tua­tio­nen auch Feh­ler, al­so ist er dann wie­der nicht der Bes­te. Wie lan­ge brau­chen Sie, um ei­ge­ne Feh­ler zu ver­ar­bei­ten? Rast: Nach ei­nem Renn­wo­chen­en­de dau­ert es drei, vier Ta­ge, bis ich wie­der am nor­ma­len Le­ben teil­neh­men kann. Ein Start in der DTM war im­mer ei­ner mei­ner größ­ten Träu­me. Man ar­bei­tet vie­le Jah­re dar­auf hin. Da fließt so viel Zeit, Ar­beit und Herz­blut hin­ein, dass man nicht neu­tral blei­ben kann. Kön­nen Sie in Ho­cken­heim aus­blen­den, dass es um den Ti­tel geht? Rast: Ich kann nicht viel mehr ma­chen als mein Bes­tes zu ge­ben. Au­ßer­dem ha­be ich mehr er­reicht als ich woll­te. Da­her ge­he ich ganz ent­spannt in das Renn­wo­chen­en­de. Die ein­zi­ge De­vi­se in der mo­men­ta­nen Si­tua­ti­on lau­tet: Nur ein Sieg zählt. Ha­ben Sie Angst vor ei­ner Stall­re­gie? Rast: Wir ha­ben ja kei­nen Bo­xen­funk mehr, des­halb ist ei­ne Stall­re­gie so ein­fach nicht mög­lich. Aber man kann ja vor dem Ren­nen be­reits die Rang­fol­ge be­spre­chen. Rast: Da steht dann im­mer noch ein Qua­li­fy­ing da­zwi­schen. Es kann durch­aus sein, dass ei­ni­ge Au­tos zwi­schen mir und Eki ste­hen. Da wä­re ei­ne Stall­re­gie Ma­ku­la­tur. Ab ei­nem ge­wis­sen Zeit­punkt ei­ner Meis­ter­schaft ist es eben ein Team­sport. Da­her lau­tet un­se­re obers­te De­vi­se: Es wird nicht hart ge­gen­ein­an­der ge­fah­ren. Wie ha­ben Sie sich so schnell in der DTM ein­ge­wöhnt? Rast: Ich bin noch mit­ten­drin. Je­des Renn­wo­chen­en­de ler­ne ich da­zu. Ob­wohl ich jetzt ein viel­leicht bes­se­rer Renn­fah­rer bin als An­fang des Jah­res. Wenn nun mit mei­ner jet­zi­gen Er­fah­rung die Sai­son be­gin­nen wür­de, dann wür­de ich auf ei­nem ganz an­de­ren Ni­veau ein­stei­gen. Und Sie lä­gen in der Meis­ter­schaft un­ein­hol­bar vor­ne? Rast: Das wür­de ich nie be­haup­ten. Viel­leicht wä­ren mir dann ganz an­de­re Feh­ler pas­siert. Aber ich wä­re de­fi­ni­tiv an­ders an die Vor­be­rei­tung her­an­ge­gan­gen. Wä­ren Sie nach dem bis­he­ri­gen Sai­son­ver­lauf mit Platz zwei ent­täuscht? Rast: Wenn man mir dies vor der Sai­son ge­sagt hät­te, hät­te ich dies so­fort un­ter­schrie­ben. Das ist ei­ne gran­dio­se Leis­tung von al­len. Sie wür­den auch mit Hans-Jür­gen Abt und Mat­ti­as Ek­ström mit­fei­ern? Rast: Das wür­de ich. Denn es ist ei­ne gro­ße Eh­re bis zum En­de der Sai­son mit sol­chen Grö­ßen wie Mat­ti­as, Ja­mie Gre­en oder Mi­ke Ro­cken­fel­ler um den Ti­tel mit­kämp­fen zu kön­nen. Falls Mat­ti­as die Meis­ter­schaft ge­winnt, hat er über das Jahr ge­se­hen, den bes­se­ren Job ge­macht. Wir sind dann in der Pflicht zu ana­ly­sie­ren, woran dies lag, dass wir eben nicht ganz oben stan­den.

„Wir sind zwei Drit­tel lang do­mi­nant, kas­sie­ren dann zwei, drei dum­me Stra­fen und ge­ben die Füh­rung aus der Hand“, ana­ly­siert der Ös­ter­rei­cher. „Gott sei Dank ha­ben wir in der Ver­län­ge­rung Cha­rak­ter ge­zeigt und klar ge­macht, dass wir den Sieg un­be­dingt wol­len.“

Ein Punkt war in­des schon weg, so war­ten die Fal­ken noch im­mer auf den ers­ten Drei­er – nach acht Spie­len. „Die Jungs ha­ben in Weiß­was­ser den Fo­kus auf das Spiel ver­lo­ren, sich mehr auf den Schieds­rich­ter kon­zen­triert und sind vom Ga­me-Plan ab­ge­kom­men.“Ein gra­vie­ren­der Feh­ler, nicht zum ers­ten Mal in die­ser Sai­son.

Die Sta­tis­tik zeigt, dass die Fal­ken vor al­lem im letz­ten Drit­tel Stra­fen er­hal­ten. „Wir müs­sen in die­ser Pha­se an­de­re Ent­schei­dun­gen tref­fen“, sagt Un­ter­lug­gau­er. Zu­mal es je­dem ein­leuch­ten soll­te, dass die Geg­ner bei Rück­stand die Schei­be nach vor­ne hau­en und aus vol­lem Lauf nach­set­zen. „Da kocht es halt, die Zwei­kämp­fe wer­den här­ter.“Da­für ge­be es ein Ge­gen­re­zept: „Die Spie­ler müs­sen mehr über­le­gen und im Zwei­fel auch mal zu­rück­zie­hen.“Das sei al­le­mal bes­ser, als ei­ne Stra­fe zu kas­sie­ren und in Un­ter­zahl zu agie­ren. „Wir müs­sen sol­che Spie­le ab­ge­klärt heim­fah­ren.“

Erst recht ge­gen Bad Tölz, das ein­zi­ge Team, das noch hin­ter den Fal­ken steht. Doch nach ers­ten Vi­deo­ana­ly­sen warnt der Trai­ner: „Das ist kei­ne schlech­te Mann­schaft.“Vor al­lem läu­fe­risch sei­en die Ober­bay­ern stark, spie­len ag­gres­siv und bau­en Druck auf.

Der Schlüs­sel zum Er­folg ist aus Sicht des Trai­ners: „Wir müs­sen das Eis­ho­ckey spie­len, was wir im Stan­de sind zu spie­len.“Mit Cha­rak­ter, Herz – und Wil­le. „Und das nicht 45, 50 oder 57 Mi­nu­ten lang. Wir müs­sen über die vol­le Dis­tanz auf dem Gas blei­ben“, sagt der 41-Jäh­ri­ge. Da­für steht ihm vor­aus­sicht­lich sein ge­sam­tes Team zur Ver­fü­gung. Im Tor setzt der Trai­ner wie­der auf And­rew Ha­re, der zu­letzt et­was in der Kri­tik stand. „Er ist noch nicht auf dem Le­vel der letz­ten Sai­son. Aber er ar­bei­tet hart. Je­der weiß, dass er bes­ser spie­len muss.“

And­rew Ha­re ist noch nicht auf dem Le­vel der Vor­sai­son

Re­né Rast stammt aus Min­den, lebt nun aber mit sei­ner Fa­mi­lie in Ös­ter­reich.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.