Itt­lin­gen will Gra­tis-WLAN

Ge­mein­de plant Hots­pot im Orts­kern und ei­ne Of­fen­si­ve bei Breit­band-In­ter­net.

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Vorderseite - Von un­se­rem Re­dak­teur Alex­an­der Het­tich

Im Itt­lin­ger Zen­trum sol­len In­ter­net­nut­zer bald gra­tis im WLAN sur­fen. Die Ge­mein­de hofft auf Zu­schüs­se der EU. Noch wich­ti­ger ist ei­ne schnel­le An­bin­dung mög­lichst vie­ler Haus­hal­te an schnel­le Da­ten­lei­tun­gen. Hier se­hen Ex­per­ten Nach­hol­be­darf.

Wind­hund­prin­zip Ein Pro­gramm der Eu­ro­päi­schen Uni­on stellt 120 Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung, da­mit Ge­mein­den WLAN-Hots­pots ein­rich­ten kön­nen. Meh­re­re Tau­send Kom­mu­nen sol­len in den Ge­nuss der För­de­rung kom­men. Wer zu­erst kommt, kas­siert zu­erst, und Itt­lin­gen will vor­ne da­bei sein. „Für die In­stal­la­ti­on ist ei­ne hun­dert­pro­zen­ti­ge För­de­rung mög­lich“, er­klär­te Haupt­amts­lei­te­rin An­to­nia Walch am Mitt­woch­abend im Ge­mein­de­rat. Das Gre­mi­um gab Bür­ger­meis­ter Kai Koh­len­ber­ger freie Hand, die Be­wer­bung ab­zu­schi­cken, so­bald die Frist an­läuft. Dann könn­ten In­ter­net­nut­zer mit Lap­top oder Han­dy schon bald im Orts­zen­trum gra­tis per Funk im Netz sur­fen. Bis­lang gibt es ein sol­ches An­ge­bot pass­wort­ge­schützt für die Kun­den des Rat­haus­ca­fés. Vie­le Ge­mein­den ha­ben zu­letzt ei­ge­ne Hots­pots ein­ge­rich­tet (sie­he Stich­wort). Sins­heim war da­bei Vor­rei­ter. Auch in Ep­pin­gen ist Sur­fen per Kom­mu­nal­funk seit Kur­zem un­ter an­de­rem auf dem Markt­platz mög­lich. Markt­ana­ly­se Für Itt­lin­gens Weg in die di­gi­ta­le Zu­kunft ist das WLAN al­ler­dings eher ein Ne­ben­as­pekt. Wie in an­de­ren Kom­mu­nen ist die wich­tigs­te Fra­ge: Wie kann ein mög­lichst gro­ßer Teil der Haus­hal­te Zu­gang zu In­ter­net­an­schlüs­sen be­kom­men, die auf der Hö­he der Zeit sind. Da gibt es durch­aus Nach­hol­be­darf, er­läu­ter­te Thi­lo Küb­ler von der pri­va­ten Agen­tur Breit­band­be­ra­tung BW. Ein Groß­teil Itt­lin­gens wird über ein gro­ßes Kup­fer­ka­bel mit Da­ten ver­sorgt, das von Ver­tei­ler­käs­ten aus fein ver­äs­telt in die Haus­hal­te kommt. „Das ist re­la­tiv schlecht“, so Küb­ler, „je wei­ter man vom Kno­ten weg­kommt, des­to schwä­cher wird das Si­gnal.“Die Tech­no­lo­gie gilt als an­ti­quiert.

Itt­lin­gen ist frei­lich noch mit In­ter­net per Fern­seh­ka­bel gut aus­ge­rüs­tet, so dass un­ter dem Strich bei 77 Pro­zent der Haus­hal­te die An­bin­dung als gut gilt. Das heißt aber auch: Fast ein Vier­tel der Haus­hal­te im Dorf gel­ten als un­ter­ver­sorgt. Als In­ter­net­nut­zer mit ho­hem Lei­dens­druck gilt, wer we­ni­ger als 30 Mbit aus der Lei­tung be­kommt.

Das ist schon re­la­tiv statt­lich im Ver­gleich zu je­nen zwei Mbit, die noch bis vor we­ni­gen Jah­ren die Schmerz­gren­ze mar­kier­ten. Aber die An­sprü­che wach­sen. „Das Da­ten­vo­lu­men in deut­schen Net­zen“, er­läu­ter­te Küb­ler, „steigt pro Jahr um 25 Pro­zent.“

Glas­fa­ser Um die im­men­sen Da­ten­men­gen zu be­wäl­ti­gen, taugt nur Glas­fa­ser, er­läu­ter­te der Ex­per­te, am bes­ten als so­ge­nann­te FTTB-Va­ri­an­te. Da­bei kommt das op­ti­sche Si­gnal bis ans Ge­bäu­de, der letz­te Rest auf al­ter Kup­fer­lei­tung wird kurz ge­hal­ten. Für Itt­lin­gen wur­de in ei­nem ers­ten Schnitt ei­ne Markt­ana­ly­se vor­ge­nom­men. Be­son­ders lahm ist das Netz im al­ten Orts­kern um die Haupt­stra­ße. Auch die Grund­schu­le wird künf­tig ei­ne schnel­le­re An­bin­dung brau­chen.

Die Te­le­kom­kon­zer­ne ha­ben selbst kein In­ter­es­se be­kun­det, den Aus­bau vor­an­zu­trei­ben. Bleibt wohl nur das­sel­be Mo­dell wie in vie­len länd­li­chen Ge­mein­den: Die Kom­mu­ne geht in Vor­leis­tung und ver­pach­tet die In­fra­struk­tur dann an ei­nen Be­trei­ber. Da­bei sind in­ner­orts För­der­gel­der von bis zu 85 Eu­ro pro Me­ter Da­ten­ka­bel mög­lich, das sind im Ein­zel­fall bis zu 90 Pro­zent der Kos­ten. All­zu schnell wird es nicht ge­hen mit dem schnel­len In­ter­net. „Das Ver­fah­ren“, er­läu­ter­te Bür­ger­meis­ter Kai Koh­len­ber­ger, „dau­ert durch­schnitt­lich 18 bis 24 Mo­na­te.“

„Das Da­ten­vo­lu­men in Deutsch­land steigt jähr­lich um 25 Pro­zent.“Be­ra­ter Thi­lo Küb­ler

Fo­to: Alex­an­der Het­tich

Han­dy­nut­zer vor dem Al­ten Rat­haus in Itt­lin­gen: Hier könn­te dank EU-För­de­rung bald ein WLAN-Hots­pot ein­ge­rich­tet wer­den.

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