Rich­ter ha­ben Be­den­ken we­gen Kla­ge

CEL­LE Auf­takt zu Mus­ter­ver­fah­ren um Über­nah­me von VW durch Por­sche

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Wirtschaft - Von Tho­mas Strün­keln­berg, dpa

Neun Jah­re nach dem ge­schei­ter­ten Über­nah­me­ver­such von VW durch den Sport­wa­gen­bau­er Por­sche hat ges­tern ein Mus­ter­ver­fah­ren des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le be­gon­nen. Ak­tio­nä­re, die sich ge­prellt füh­len, ha­ben mehr als fünf Mil­li­ar­den Eu­ro ein­ge­klagt. Aber der Rich­ter hat Be­den­ken.

Es ist nicht das ers­te Ver­fah­ren nach dem Über­nah­me­ver­such, der Por­sche zu ei­ner wei­te­ren Mar­ke des Volks­wa­gen-Kon­zerns mach­te. Doch wird der Kar­tell­se­nat, der in Han­no­ver tagt, staats­an­walt­li­che Er­mitt­lungs­ak­ten hin­zu­zie­hen? Vor­aus­sicht­lich nicht, er se­he kei­nen aus­rei­chen­den An­halts­punkt, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Mat­thi­as Wie­se. Das könn­te be­deu­ten, dass ein gro­ßer Teil der An­sprü­che der Ak­tio­nä­re un­be­grün­det wä­re.

Kri­tik Das brach­te Muster­klä­gerAn­walt Andre­as Tilp in Har­nisch: Er at­tes­tier­te dem Se­nat „er­kenn­ba­re Män­gel im Ka­pi­tal­markt­recht“und kün­dig­te an, dass das OLG in drei bis vier Jah­ren wie­der mit dem Fall be­fasst sein wer­de, wenn der Bun­des­ge­richts­hof zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis ge­kom­men sei. Und dann lehn­te die Klä­ger­sei­te die Rich­ter des Kar­tell­se­nats we­gen Be­fan­gen­heit ab. Es ge­be „be­rech­tig­te Zwei­fel an der Un­par­tei­lich­keit und Un- ab­hän­gig­keit der Rich­ter“, hieß es im An­trag ei­ni­ger bei­ge­la­de­ner Klä­ger. Die Muster­klä­ge­rin ARFB An­le­ger­schutz UG, ver­tre­ten von Tilp, schloss sich dem An­trag an.

Hin­ter­grund ist der Ver­such von Por­sche im Jahr 2008, den VW-Kon­zern kom­plett zu über­neh­men. Das schei­ter­te schließ­lich kra­chend. Am En­de hielt die Por­sche Hol­ding zwar die Mehr­heit an VW, muss­te aber we­gen Mil­li­ar­den­schul­den die Mar­ke Por­sche an VW ab­ge­ben.

Am 26. Ok­to­ber 2008 ver­kün­de­te Ex-Por­sche-Chef Wen­de­lin Wie­de­king, den An­teil an VW auf 75 Pro­zent der Stamm­ak­ti­en auf­sto­cken zu wol­len – we­ni­ge Mo­na­te zu­vor hat­te das Un­ter­neh­men dies noch zu­rück­ge­wie­sen und nur auf mehr als 50 Pro­zent auf­sto­cken wol­len. Zugleich wur­de be­kannt, dass der Por­scheAn­teil an VW be­reits bei 42,6 Pro­zent lag und der Sport­wa­gen­bau­er 31,5 Pro­zent in Form von Op­tio­nen hielt, so dass kaum noch Stammak- ti­en auf dem Markt zu ha­ben wa­ren – auch weil das Land Nie­der­sach­sen rund 20 Pro­zent der Stamm­ak­ti­en hält. Der Kurs der VW-Ak­tie stieg auf mehr als 1000 Eu­ro. Für An­le­ger, die auf fal­len­de Kur­se ge­wet­tet hat­ten, war dies ei­ne Ka­ta­stro­phe, Leer­ver­käu­fer ver­spe­ku­lier­ten sich mit ge­lie­he­nen Ak­ti­en. Die Fra­ge vor Ge­richt lau­tet: Hat Por­sche da­mals An­le­ger in die Ir­re ge­führt? Hier hat der Se­nat Be­den­ken. Die Mit­tei­lun­gen sei­en „nicht grob falsch“, die Tür zum Auf­sto­cken des An­teils auf mehr als 75 Pro­zent wur­de of­fen­ge­las­sen. Oh­ne­hin wer­de an Pres­se­mit­tei­lun­gen nicht der­sel­be Maß­stab an­ge­legt wie an Ad-hocMel­dun­gen. Da­zu kommt laut Wie­se: Scha­den­er­satz­pflich­tig sei der Emit­tent – aber es geht um VW-Ak­ti­en, nicht um Por­sche-Ak­ti­en. Auch zur mög­li­chen Ver­ant­wor­tung von Volks­wa­gen sagt Wie­se nach vor­läu­fi­ger Auf­fas­sung: „Wir ha­ben Be­den­ken, ob das rich­tig ist.“

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