Ver­söh­nung le­ben

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Kraichgau Stimme - - Kirchliche Nachrichten - Von De­kan Ot­to Fried­rich

Heu­te, wie an je­dem Frei­tag um 12 Uhr, fin­det in der Ki­lians­kir­che das Ge­bet un­ter dem Na­gel­kreuz von Co­ven­try statt. Die­ses Ver­söh­nungs­ge­bet wird an je­dem Frei­tag im Chor­raum der Rui­ne der al­ten Ka­the­dra­le in Co­ven­try und in vie­len Na­gel­kreuz­zen­tren der Welt ge­be­tet. Das Na­gel­kreuz steht als Zei­chen der Ver­söh­nung, des Frie­dens und der Fein­des­lie­be an vie­len Or­ten der Welt, wo Men­schen sich un­ter die­sem Kreuz der Auf­ga­be stel- len, Ge­gen­sät­ze zu über­brü­cken und nach neu­en We­gen in ei­ne ge­mein­sa­me Zu­kunft zu su­chen.

Bron­ze­fi­gur Am Ein­gang der neu­en Ka­the­dra­le von Co­ven­try in Groß­bri­tan­ni­en steht ei­ne ge­wal­ti­ge Bron­ze­fi­gur. Es ist Sankt Micha­el, der Er­z­en­gel und Na­mens­pa­tron der Kir­che. Er schaut ziem­lich grim­mig. In der Hand hält er ei­ne Lan­ze, mit ei­nem Fuß steht er auf dem Teu­fel, den er be­siegt hat. So, wie es auch in der Bi­bel be­rich­tet wird. Der En­gel siegt über das Bö­se. In der Ka­the­dra­le von Co­ven­try wird dies be­son­ders deut­lich. Denn der gro­ße Bron­ze­en­gel wacht am Ein­gang der neu­en Ka­the­dra­le ne­ben der Rui­ne der al­ten. Die­se wur­de im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört. Co­ven­try war der ers­te Ort in En­g­land, der von der deut­schen Luft­waf­fe an­ge­grif­fen und bom­bar­diert wur­de. Da­bei wur­de auch die al­te Ka­the­dra­le ein Op­fer der Bom­ben und Flam­men. Als Mah­nung blieb die Rui­ne ste­hen. Und der En­gel steht da in der Hoff­nung, dass das Bö­se be­siegt ist – stark, kräf­tig und mäch­tig.

In sei­nem be­kann­ten En­gel-Ge­dicht schreibt Ru­dolf Ot­to Wie­mer: „Er steht im Weg und er sagt nein: Nein! Der En­gel. Groß wie ein Pfahl und hart wie ein St­ein – es müs­sen nicht Män­ner mit Flü­geln sein, die En­gel.“

„Nein“zu sa­gen: Ei­ne un­ge­wöhn­li­che Auf­ga­be für ei­nen En­gel, aber ei­ne wich­ti­ge. Manch­mal kann ein En­gel auch „nein“sa­gen. Wenn ich mich in et­was ver­rannt ha­be, selbst kei­nen Aus­weg mehr weiß, wenn ich kom­plett falsch lie­ge und das nicht mer­ke, aber al­le um mich her­um, dann ist je­mand wie ein En­gel zu mir, der den Mut auf­bringt, sich mir in den Weg zu stel­len und mir zu sa­gen: Hier liegst du falsch. Wir kön­nen ein­an­der auch zu En­geln wer­den, wenn wir ein­mal nein sa­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.