Ablen­kung von den Kri­sen da­heim

Do­nald Trump star­tet sei­ne ers­te Aus­lands­rei­se als Prä­si­dent – Von Sau­di-Ara­bi­en über Is­ra­el und Rom nach Brüs­sel

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - POLITIK - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Tho­mas Spang

WA­SHING­TON Do­nald Trumps ers­te Aus­lands­rei­se be­ginnt zu ei­nem denk­wür­di­gen Zeit­punkt. Sie hat das Po­ten­zi­al, von der Kri­se da­heim ab­zu­len­ken oder sie zu ver­stär­ken. Vor seinem Auf­bruch nach Sau­di Ara­bi­en er­kun­dig­te sich Trump bei sei­nen Be­ra­tern, ob es ei­ne Mög­lich­keit ge­be, die Reise von neun auf fünf Ta­ge zu ver­kür­zen. Der „Ame­ri­ca First“-Prä­si­dent sieht dem ers­ten Aus­flug in die Welt nicht mit Freu­de ent­ge­gen.

Der Prä­si­dent zeig­te jen­seits sei­ner Ge­schäfts­be­zie­hun­gen bis­her we­nig In­ter­es­se am Rest der Welt, die in sei­nen Au­gen „ein gro­ßes Durch­ein­an­der“ist. Das lie­ße sich auch über die La­ge da­heim sa­gen, die er­staun­li­che Par­al­le­len auf­weist zu Richard Ni­xons Auf­bruch in den Mitt­le­ren Os­ten 1974 auf dem Hö­he­punkt der Wa­ter­ga­te-Kri­se.

In die­sem Fall blickt Trump auf tur­bu­len­te zwei Wo­chen zu­rück, die sei­ne Prä­si­dent­schaft ins Cha­os ge­stürzt ha­ben. Von dem Raus­wurf von FBI-Di­rek­tor James Co­mey über die Wei­ter­ga­be von Staats­ge­heim­nis­sen an die Rus­sen bis hin zur Be­nen­nung ei­nes Son­der­er­mitt­lers in der Russland-Af­fä­re.

Ge­reizt Auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz vor sei­ner Reise nach Sau­di-Ara­bi­en, Is­ra­el, den Va­ti­kan und Brüs­sel sprach Trump von ei­ner „He­xen­jagd“ge­gen ihn. Auf die Fra­ge ei­nes Re­por­ters, ob er ver­sucht ha­be, bei Co­mey die Er­mitt­lun­gen zu be­ein­flus­sen, ant­wor­te­te Trump ge­reizt: „Nein, nein. Nächs­te Fra­ge“.

Um sich Pein­lich­kei­ten im Ausland zu er­spa­ren, bricht Trump mit der üb­li­chen Pra­xis und gibt wäh- rend der Reise nicht ei­ne ein­zi­ge Pres­se­kon­fe­renz. Den­noch, das Ri­si­ko be­steht dar­in, die Pro­ble­me nicht ver­ges­sen zu ma­chen, son­dern zu ver­stär­ken. Statt Ablen­kung könn­te Kon­troll­ver­lust das Er­geb- nis sein. Hin­zu kom­men die vie­len di­plo­ma­ti­schen Fall­stri­cke, die je­den Neu­ling im Prä­si­den­ten­amt auf in­ter­na­tio­na­lem Par­kett er­war­ten.

In Sau­di Ara­bi­en will er wie einst Ba­rack Oba­ma 2009 in Ägyp­ten ei­ne Re­de zum Is­lam hal­ten. Sein Be­such der Kla­ge­mau­er in Is­ra­el ist so bri­sant wie die Ge­sprä­che mit sei­nen Gast­ge­bern. Das Auf­ein­an­der­tref­fen im Va­ti­kan mit Papst Fran­zis­kus hat den Hauch ei­nes Show­downs zwi­schen zwei An­ti­po­den, die vom Cha­rak­ter und Sicht auf die Welt nicht ver­schie­de­ner sein könn­ten.

Letz­te Sta­ti­on ist die EU- und Na­to-Zen­tra­le Brüs­sel, ei­ne Stadt, die Trump ein­mal als „Hell­ho­le“(dt. Höl­le) cha­rak­te­ri­siert hat. Wird er den eu­ro­päi­schen Part­nern ver­si­chern, dass er das Bünd­nis nicht für „ob­so­let“hält, oder droht er mit ei­ner Ab­wen­dung der USA? Die frü­he­re Au­ßen­mi­nis­ter Ma­de­lei­ne Alb­right meint, selbst wenn die Lat­te für Trump denk­bar nied­rig lie­ge, kön­ne er sich kei­ne Fehl­trit­te er­lau­ben. Ihr Rat: „Ich hof­fe, er setzt wäh­rend der neun Ta­ge un­ter­wegs nicht ei­nen einzigen Tweet ab.“

Do­nald Trump steigt auf der And­rews Air Force Ba­se in Ma­ry­land ins Flug­zeug. In­nen­po­li­tisch steht der US-Prä­si­dent der­zeit stark un­ter Druck.

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