Se­nio­ren kön­nen auf ei­ni­ge Ver­trä­ge ver­zich­ten

Wer in den Ru­he­stand geht, soll­te sei­ne Po­li­cen über­prü­fen – Nicht al­le sind dann noch not­wen­dig

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - SERVICE - Von Mo­ni­ka Hil­le­ma­cher, dpa Nich­tig:

Der Ru­he­stand steht be­vor. Da ist es an der Zeit, ein paar Din­ge auf den Prüf­stand zu stel­len. Da­zu zäh­len Ver­si­che­run­gen. Ei­ni­ge sind nach wie vor sinn­voll, an­de­re kön­nen durch Se­nio­ren­po­li­cen er­setzt wer­den. Wie­der an­de­re sind über­flüs­sig. Von wich­tig bis nich­tig – ein Über­blick:

� Wich­tig: Pri­vat­haft­pflicht, Au­to­haft­pflicht und Kran­ken­ver­si­che­rung blei­ben ein Muss. Sie „si­chern exis­ten­zi­el­le Ri­si­ken ab“, be­grün­det Bi­an­ca Boss vom Bund der Ver­si­cher­ten (BdV). Die pri­va­te Haft­pflicht leis­tet bei Personen-, Sa­chund Ver­mö­gens­schä­den. So­gar Haus­tie­re – mit Aus­nah­me von Hun­den – sind ein­ge­schlos­sen.

Die Po­li­ce gilt so­wohl bei Schä­den, die an De­menz Er­krank­te an­rich­ten, als auch beim Umzug ins Al­ters­heim. In dem Fall kann es loh­nen, auf ei­nen Se­nio­ren- oder Single­ta­rif um­zu­stei­gen. Die­se kos­ten meis­tens ei­nen zwei­stel­li­gen Eu­roBe­trag pro Jahr. Sie sind so­mit bil­li­ger als an­de­re Ta­ri­fe.

Äl­te­re Men­schen, die mit ih­ren Kin­dern un­ter ei­nem Dach le­ben,

kön­nen über de­ren Haft­pflicht- und Haus­rat-Po­li­cen mit­ge­schützt sein. Die­se Geld spa­ren­de Op­ti­on soll­te ge­prüft wer­den, rät der BdV.

� We­ni­ger wich­tig: Ei­ne Rechts­schutz-Ver­si­che­rung soll­te auf ei­nen Ta­rif oh­ne Be­rufs­rechts­schutz um­ge­stellt wer­den, so­fern die­ser güns­ti­ger ist. „Es ist kein Ar­beit­ge­ber mehr da, mit dem man strei­ten kann“, sagt Frank Gol­fels, Prä­si­dent des Bun­des­ver­bands der Ver­si­che­rungs­be­ra­ter. Der Nut­zen ei­ner pri­va­ten Pfle­ge­ver­si­che­rung ist un­ter Fach­leu­ten um­strit­ten. Vor ei­ner Ent­schei­dung soll­ten Se­nio­ren sich in Hei­men ih­rer Um­ge­bung über die Kos­ten für ei­nen Platz in­for­mie­ren und ab­wä­gen, ob sie nicht mit Ren­te und Leis­tun­gen der ge­setz­li­chen Pfle­ge­kas­se über die Run­den kom­men, emp­fiehlt Gol­fels. Die durch­schnitt­li­che Pfle­ge­zeit lie­ge der­zeit bei zwei bis drei Jahren. Wer sich da­für ent­schei­det, soll­te be­den­ken, dass der Bei­trag um­so hö­her wird, je spä­ter der Ver­trag un­ter­schrie­ben wird. „Völ­li­ger Blöd­sinn“sei die Po­li­ce für Ru­he­stands­be­am­te, die von Staats we­gen ab­ge­si­chert sei­en. � In die Ru­brik Weg­fal­len ord­net Gol­fels die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung (BU) ein: Wer nicht mehr ar­bei­tet, muss Be­rufs­un­fä­hig­keit nicht mehr ab­si­chern. Die BU kann mit dem Ren­ten­be­ginn al­so ge­kün­digt wer­den. Ver­zicht­bar ist auch ei­ne Kran­ken­haus­ta­ge­geld­po­li­ce, denn mit Be­ginn des Ru­he­stands ist kei­ne Vor­sor­ge für vor­über­ge­hen­de Ar­beits­un­fä­hig­keit mehr er­for­der­lich.

Ta­ri­fe, die Leis­tun­gen wie ei­ne pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung oder Zahn­kro­nen an­bie­ten, kom­men im hö­he­ren Le­bens­al­ter höchs­tens für Men­schen in Fra­ge, die Wert auf ei­ne be­son­ders hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung im Mund le­gen. Ei­ne Ver­si­che­rung für die Bril­le ist nach An­sicht von Lars Gatsch­ke vom Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band (VZ­BV) eben­falls ent­behr­lich. Sein Tipp: Die ka­put­te Bril­le vor­über­ge­hend durch ein Bil­lig­mo­dell er­set­zen oder re­gel­mä­ßig et­was Geld für ei­ne neue zu­rück­le­gen. Denn ge­ne­rell hält Gatsch­ke zu Pro­duk­ten pas­sen­de Po­li­cen für Hum­bug.

Frank Gol­fels fällt wei­te­rer „Schnick­schnack“ein: Schutz ge­gen ka­put­te E-Bi­ke-Ak­kus zum Bei­spiel. „Neu kau­fen ist wahr­schein­lich bil­li­ger“, sagt er. Für ge­klau­te Rä­der kommt meis­tens die Haus­rat­ver­si­che­rung auf. Ein Dieb­stahl­po­li­ce für Rol­la­tor und an­de­re Hilfs­mit­tel von der Kran­ken­kas­se ist eben­falls nicht not­wen­dig: „So­fern kei­ne gro­be Fahr­läs­sig­keit be­zie­hungs­wei­se kein Vor­satz beim Bestoh­le­nen fest­zu­stel­len ist, wird bei Ver­lust und Dieb­stahl grund­sätz­lich pro­blem­los er­setzt“, heißt es beim AOK-Bun­des­ver­band.

„Fin­ger weg“lau­tet der Tipp von Bi­an­ca Boss in Be­zug auf ei­ne spe­zi­el­le Se­nio­ren-Un­fall­ver­si­che­rung. „Sie ist mit teu­ren As­sis­tenz­dienst­leis­tun­gen ver­bun­den“, be­grün­det sie ih­re Ein­schät­zung. Aus Se­nio­ren­sicht auch kein loh­nen­des Ge­schäft: die Ster­be­ver­si­che­rung, die für die Be­er­di­gungs­kos­ten auf­kom­men soll. In sie wird nach den Er­fah­run­gen der Ex­per­ten meist mehr ein­ge­zahlt, als raus­kommt. Oft lau­fe sie ma­xi­mal bis zum 85. Le­bens­jahr – wer da­nach stirbt, geht leer aus.

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