Spiel, Satz und Sieg fürs Re­gen­wet­ter

Der Ar­gen­ti­ni­er Gui­do Pel­la zieht als ein­zi­ger Spie­ler ins Halb­fi­fi­fi­fi­na­le ein – Vol­les Pro­gramm am Sams­tag

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­teur Florian Hu­ber

Was­ser. Plötz­lich ist es auch dort, wo es gar nicht sein soll. In­mit­ten der Ten­nis­hal­le des TC Trap­pen­see. Ein Dampf­ga­rer im Es­sens­be­reich hat ei­nen De­fekt. Auf dem ab­ge­deck­ten Hal­len­bo­den steht plötz­lich die Brü­he. Weil es auf der An­la­ge des TC Trap­pen­see beim 4. Neckar-Cup nicht an hel­fen­den Hän­den man­gelt, sind die gro­ßen Pfüt­zen schnell ent­fernt. Drau­ßen ist das nicht so ein­fach, an­ge­sichts des Dau­er­re­gens ab 13 Uhr. Um kurz vor Fünf am Nach­mit­tag hört es end­lich auf. Tur­nier­di­rek­tor Me­te­han Ce­be­ci er­klärt die Plät­ze zur Chef­sa­che, als Chef­trai­ner des TC Trap­pen­see kennt er sie schließ­lich wie kein an­de­rer.

Der 47-Jäh­ri­ge ver­teilt Spül­mit­tel auf dem Court, was die Ober­flä­chen­span­nung nimmt und das Was­ser bes­ser ver­si­ckern lässt. Es ist ein biss­chen wie in dem al­ten Wer­be­slo­gan, der in der Heil­bron­ner Ten­nis-

„Ich wuss­te gar nicht, dass es so vie­le ver­schie­de­ne Wet­terApps gibt.“Me­te­han Ce­be­ci

form nun so lau­tet: „Willst du Spiel, dann spül‘ mit Pril.“

Die Heil­bron­ner Plät­ze sau­gen das vie­le Was­ser des Frei­tags tat­säch­lich auf wie ein Schwamm. 45 Mi­nu­ten oh­ne Re­gen ge­nü­gen, um die Plät­ze flott­zu­krie­gen. Um 17.42 Uhr spie­len der Ar­gen­ti­ni­er Gui­do Pel­la und der Ita­lie­ner Mar­co Cec­chi­na­to auf dem Cen­ter Court um die ers­ten Punk­te. Pel­la nutzt ex­akt das re­gen­freie Zeit­fens­ter zu seinem 6:2, 6:2 ge­gen den Ita­lie­ner und zieht als ers­ter Ak­teur in das Halb­fi­na­le ein. Dann fängt es wie­der an zu reg­nen. Spiel, Satz und Sieg fürs Wet­ter.

Lan­ge sieht es nach dem ers­ten ten­nis­frei­en Tur­nier­tag in der Neckar-Cup-Ge­schich­te aus: Der Re­gen ab 13 Uhr macht ei­nen pünkt­li­chen Spiel­be­ginn am Frei­tag un­mög­lich, der ge­plan­te Be­ginn ver­zö­gert sich erst auf 16.30 Uhr und dann auf 17.30 Uhr. „Ich wuss­te gar nicht, dass es so vie­le ver­schie­de­ne Wet­ter-Apps gibt“, sagt Tur­nier­di­rek­tor Me­te­han Ce­be­ci: „Und al­le sa­gen sie et­was an­de­res vor­aus.“

Die Ten­nis­hal­le wird am Frei­tag­mit­tag zur gro­ßen War­te­hal­le. „Wir wol­len al­le nach Pa­ris, um die Qua­li­fi­ka­ti­on für die French Open zu spie­len“, sagt Mar­ton Fuc­so­vics: Der Un­gar darf in der re­gen­frei­en Zeit auf Court eins ge­gen den Ser­ben Fi­lip Kra­ji­no­vic (Ser­bi­en) ran. Beim Stand von 4:4 muss we­gen des er­neu­ten Re­gens ab­ge­bro­chen wer­den. Um 19.10 Uhr ver­kün­det ATPSu­per­vi­sor Hans-Jür­gen Ochs: „Es wird heu­te nicht mehr ge­spielt.“

Die drei Vier­tel­fi­nal­spie­le fin­den nun an die­sem Sams­tag ab 11 Uhr statt. Fuc­so­vics und Co. steht so­mit mög­li­cher­wei­se ei­ne Dop­pel­schicht be­vor. „Zwei Spie­le an ei­nem Tag wer­den ver­dammt hart.“Das Gute: Die Wet­ter­pro­gno­se fürs Wo­che­n­en­de und der Um­stand, dass die Zuschauer ih­re für den Ten­nis-Frei­tag er­wor­be­nen Ein­tritts­kar­ten an der Kas­se kos­ten­los in Ti­ckets für den Sams­tag um­tau­schen kön­nen.

Fla­schen-Sal­ti Der Frei­tag wird zu ei­nem lan­gen Tur­nier­tag, lan­ge je­doch oh­ne Ten­nis. Die Ball­kin­der spie­len Bott­le Flip. Ein Spiel, bei dem ei­ne Plas­tik­fla­sche ei­nen Rück­wärts­sal­to voll­führt und wie­der auf dem Fla­schen­bo­den lan­den soll. Dop­pel-Halb­fi­na­list Alex­an­der Satsch­ko tollt wäh­rend­des­sen mit dem drei­jäh­ri­gen Soh­ne­mann Aa­ron durch den Spie­ler­be­reich. Am Bil­lard­tisch, Tisch­ki­cker und der Tisch­ten­nis­plat­te wird ge­spielt. Nur halt drau­ßen nicht. „Ich bin un­be­siegt“, sagt Zwangs-In­door-Sport­ler Mar­ton Fuc­so­vics. Der Vier­tel­fi­na­list im Ein­zel hat sein Han­dy in der Hand – und war­tet. „Das Schö­ne an Tur­nie­ren in Deutsch­land ist, dass man an sol­chen Ta­gen nicht al­lein im Ho­tel her­um­hän­gen muss, son­dern et­was mit der Fa­mi­lie macht“, sagt Alex­an­der Satsch­ko.

Als am Nach­mit­tag fest­steht, dass die für die Night­ses­si­on ge­plan­ten Dop­pel auf Sams­tag ver­scho­ben wer­den, ver­ab­schie­det sich der Münch­ner Ten­nis­pro­fi in den vor­zei­ti­gen Fei­er­abend. Um 19.10 Uhr be­ginnt die­ser auch für al­le an­de­ren Ten­nis­pro­fis im War­te­stand.

De­an-Lou­is Bud­ja sitzt am Frei­tag bei Dau­er­re­gen auf der Heil­bron­ner Cen­ter-Court-Tri­bü­ne. Erst am Abend flo­gen für ei­ne St­un­de die Ten­nis­bäl­le.

Fo­to: Florian Hu­ber

Hier spült der Chef selbst: Tur­nier­di­rek­tor Me­te­han Ce­be­ci ver­teilt Spül­mit­tel, um den Platz schnel­ler in ei­nen be­spiel­ba­ren Zu­stand zu ver­set­zen.

Fo­tos: Andreas Vei­gel

War­ten auf bes­se­res Ten­nis­wet­ter: Mar­ton Fuc­so­vics mit sei­ner Freun­din am Frei­tag­nach­mit­tag.

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