Meis­ter­wer­ke aus Wi­en

„Ver­bor­ge­ne Schät­ze SCHWÄ­BISCH HALL aus Wi­en“in der Kunst­hal­le Würth

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - VORDERSEITE - Von un­se­rer Re­dak­teu­rin Clau­dia Ih­le­feld

Die Kunst­hal­le Würth in Schwä­bisch Hall zeigt „Ver­bor­ge­ne Schät­ze“

Selbst­be­wusst der Blick, mäch­tig-präch­tig die Haar­mäh­ne, im Hintergrund ei­ne Re­nais­sance-Land­schaft, ein zei­tent­rück­tes Ar­ka­di­en. Kaum ein Gen­re spie­gelt so den Ge­schmacks­wan­del wi­der wie die Por­trät­kunst. „Ver­bor­ge­ne Schät­ze aus Wi­en“heißt die Aus­stel­lung in der Kunst­hal­le Würth, die mit gro­ßen Na­men wie Dü­rer, Bot­ti­cel­li, Rem­brandt, Ru­bens und Ti­zi­an wu­chert, aber auch mit Meis­ter­wer­ken von we­ni­ger ge­läu­fi­gen Künst­lern den Bo­gen über sechs Jahr­hun­der­te spannt. Und ne­ben Por­träts Al­ter Meis­ter Ar­chi­tek­tur und Stadt­land­schaf­ten, bu­ko­li­sche Idyl­len, Still­le­ben, Re­li­giö­ses und My­tho­lo­gi­sches so­wie go­ti­sche Bau­ris­se, die zum Unesco-Welt­kul­tur­er­be ge­hö­ren, prä­sen­tiert.

Ma­le­rei, gra­fi­sche Ar­bei­ten und Ab­güs­se an­ti­ker Skulp­tu­ren, von der frü­hen Neu­zeit über das Gol­de­ne Zeit­al­ter zu Ro­man­tik, be­gin­nen­der Mo­der­ne bis in die Ge­gen­wart: 400 Leih­ga­ben aus den Kunst­samm­lun­gen der Aka­de­mie der bil­den­den Küns­te Wi­en sind bis April in Schwä­bisch Hall zu Gast. Punk­tu­ell er­gänzt wird der üp­pi­ge Par­force­ritt durch die Wie­ner Prunk­welt mit Wer­ken aus der Samm­lung Würth, sinn­fäl­li­ge, kunst­his­to­ri­sche Zi­ta­te wie et­wa An­dy War­hols Pop-Art-Por­trät von Fried­rich II., das ne­ben Herr­scher­por­träts aus dem 18. Jahr­hun­dert her­vor­sticht.

Ado­nis Ge­gen­über ei­nes Kir­chen­in­te­ri­eurs des Nie­der­län­ders Ema­nu­el de Wit­te (1617-1692) hängt ein abs­trak­ter Hun­dert­was­ser, ne­ben Ve­ne­dig-An­sich­ten von Fran­ces­co Guar­di zeigt ei­ne Skiz­ze von Chris­to den Pa­ri­ser Pont Neuf, zwi­schen dem ke­cken Por­trät ei­nes Kn­a­ben als Ado­nis von Ni­co­la­es Ma­es von 1670 und ei­nem Bild, das den vier­jäh­ri­gen Sohn des 1751 in Heil­bronn ge­bo­re­nen Ma­lers Hein­rich Fried­rich Fü­ger zeigt, hängt das ku­bis­ti­sche Por­trät ei­nes Mäd­chens von Pa­blo Pi­cas­so. Groß­for­ma­tig flan­kiert ein wei­te­rer Pi­cas­so das pracht­vol­le Still­lel­ben „Der wei­ße Pfau“(1692) von Jan We­e­nix.

Die Ins­ze­nie­rung der ver­bor­ge­nen Schät­ze folgt nicht streng chro­no­lo­gisch, son­dern the­ma­tisch lo­cker kunst­his­to­ri­schen Be­zü­gen. Wer die Aus­stel­lung be­sucht, soll­te sich Zeit las­sen oder Mut zur Lü­cke be­wei­sen. Schwer­punkt der Schau sind die Al­ten Meis­ter der Aka­de­mie der bil­den­den Küns­te Wi­en, die vor

325 Jah­ren ge­grün­det wur­de. Aber auch aus­ge­wähl­te Wer­ke jün­ge­ren Da­tums sind zu se­hen. Ei­ne Pa­pier­ar­beit von Ma­ria Lass­nig (1919

2014) zeigt zwei Fi­gu­ren am Strand, die Gran­de Da­me nicht nur der ös­ter­rei­chi­schen Ge­gen­warts­kunst stu­dier­te einst selbst an der Wie­ner Aka­de­mie. Ein weib­li­cher Akt von Egon Schie­le aus dem Jahr 1918 und Blät­ter von Gus­tav Klimt sind da­bei: Seit ih­rer Grün­dung sam­melt die Aka­de­mie Ar­bei­ten auf Lein­wand und Pa­pier – und ver­steht sich als vi­su­el­les Ge­dächt­nis.

Ne­ben gra­fi­schen Kost­bar­kei­ten von Al­brecht Dü­rer oder Jo­seph An­ton Koch il­lus­triert die Aus­stel­lung mit Fo­to­gra­fi­en aus dem 19. Jahr­hun­dert aus dem Ate­lier der Fra­tel­li Ali­na­ri, wie das Ita­li­en­bild seit Jahr­hun­der­ten äs­the­ti­sche Maß­stä­be setz­te. Die Ak­ti­en­ge­sell­schaft Fra­tel­li Ali­na­ri in Flo­renz üb­ri­gens ist das äl­tes­te noch be­ste­hen­de fo­to­gra­fi­sche Un­ter­neh­men der Welt.

Stil­ge­schich­te Die Wie­ner Meis­ter­wer­ke aber sind nicht nur ein Who is Who der Kunst­ge­schich­te, son­dern mus­ter­gül­ti­ge An­schau­ungs­ob­jek­te der Künst­ler­aus­bil­dung und Stil­ge­schich­te. Wo­her aber der Ti­tel „Ver­bor­ge­ne Schät­ze“? Auch wenn die Ge­mäl­de­ga­le­rie, die Kup­fer­stich­samm­lung und die Glyp­to­thek – ei­ne Samm­lung an­ti­ker St­ein­skulp­tu­ren – der Wie­ner Aka­de­mie zu den be­deu­ten­den Kol­lek­tio­nen ge­hö­ren, ist das bei Tou­ris­ten wie Wie­nern we­nig be­kannt, die meist ins Kunst­his­to­ri­sche Mu­se­um, in die Al­ber­ti­na, die Hof­burg und un­zäh­li­ge an­de­re Mu­se­en strö­men. Jetzt wird die Aka­de­mie der bil­den­den Küns­te in Wi­en sa­niert und kön­nen der „Bac­cha­nal“von Pe­ter Paul Ru­bens, Bot­ti­cel­lis Ma­don­na, ein Amor von Ti­zi­an mit na­tu­ra­lis­ti­schem Ba­by­speck oder die bom­bas­ti­schen Bild­pro­gram­me des Nea­po­li­ta­ni­schen Ba­rock in Hall ent­deckt wer­den.

Fo­tos: Aka­de­mie der bil­den­den Küns­te Wi­en

Mar­co Pal­mez­za­no, Bild­nis ei­nes jun­gen Man­nes, um 1500, Öl­tem­pe­ra

San­dro Bot­ti­cel­li und Mit­ar­bei­ter, Ma­don­na mit Kind und En­geln, um 1490, Tem­pe­ra auf Pap­pel­holz (links) Fran­ces­co Guar­di, Ca­nal Gran­de, nach 1780, Öl auf Tem­pe­ra (oben)

Fo­to: Samm­lung Würth

Herr­scher­por­trät als Pop Art: An­dy War­hol, „Fried­rich II.“, Sieb­druck, 1986.

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