Kul­tur

In­halt­li­che Kri­tik an der Do­cu­men­ta und ein über­zo­ge­nes Bud­get

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - VORDERSEITE - Von San­dra Trau­ner, dpa

Kri­tik am in­halt­li­chen Kon­zept und ein über­zo­ge­nes Bud­get: Die Bi­lanz der Do­cu­men­ta er­nüch­tert.

Von „Ka­ta­stro­phe“ist die Re­de: Die Kri­tik an Adam Szymc­zyks Do­cu­men­ta 14 fällt hef­tig aus. Nur we­ni­ge Fach­leu­te fan­den die Aus­stel­lung, die am Wo­che­n­en­de zu En­de geht, über­zeu­gend. Und das lag nicht an der Idee Szymc­zyks, die tra­di­tio­nell in Kas­sel be­hei­ma­te­te Welt­kunst­schau par­al­lel in Athen statt­fin­den zu las­sen.

Chris­ti­an Sa­eh­rendt, Au­tor des Bu­ches „Ist das Kunst oder kann das weg“, fand das Bes­te ein hoch­pro­zen­ti­ges Bier, das ein Künst­ler aus Ni­ge­ria ge­braut hat­te. „An­ge­trun­ken ließ sich die­se Do­cu­men­ta am bes­ten er­tra­gen.“„Ein Fes­ti­val ei­ner po­li­tisch kor­rek­ten Mei­nungs­eli­te mit der da­zu pas­sen­den Ge­sin­nungs­äs­the­tik“sei das ge­we­sen, ei­ne „un­ter­durch­schnitt­li­che“Aus­ga­be der im­mer noch wich­tigs­ten Kunst­aus­stel­lung, „ku­ra­to­ri­sches und künst­le­ri­sches Mit­tel­maß“.

„Hast du dar­über schon nach­ge­dacht? Und dar­auf musst du jetzt mal re­agie­ren“, ha­be die­se Do­cu­men­ta ih­ren Be­su­chern stän­dig ent­ge­gen­ge­brüllt, kri­ti­siert Kris­ti­an Jar­mu­schek, Vor­sit­zen­der des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Ga­le­ri­en und Kunst­händ­ler. Die Kunst sei in Kas­sel und Athen „ver­nutzt“wor­den. „Kunst, die nicht be­rührt oder über­wäl­tigt, son­dern nur di­dak­tisch funk­tio­niert, um be­stimm­te The­men an­zu­spre­chen.“Bei ihm ha­be „die­ses Ober­leh­rer­haf­te“Wi­der­wil­len er­zeugt – zu­mal er vie­les im Ein­zel­nen na­iv, po­pu­lis­tisch und ober­fläch­lich fand.

„Die­se Do­cu­men­ta war ein Ver­rat an al­lem, was die Do­cu­men­ta je­mals

war und woll­te“, sagt der Kas­se­ler Kunst­wis­sen­schaft­ler Ha­rald Kim­pel. Tra­di­tio­nell ha­be die Schau „ei­ne Ori­en­tie­rungs­funk­ti­on, die Auf­ga­be, den Ka­non des Zeit­ge­nös-

si­schen zu de­fi­nie­ren“. Den Be­su­chern wür­den „die Trau­ma­ta von Men­schen aus al­ler Welt kom­men­tar­los vor die Fü­ße ge­wor­fen“. Es gibt aber auch Zu­stim­mung. Adam Szymc­zyk ha­be ei­ne span­nen­de Aus­stel­lung ge­macht, meint El­ke Buhr, Chef­re­dak­teu­rin des Kunst­ma­ga­zins „Mo­no­pol“. Die Schau ha­be mit den bei­den Stand­or­ten in Kas­sel und Athen sehr gut funk­tio­niert, weil sie ei­ne an­de­re Per­spek­ti­ve auf Deutsch­land und auch auf die glo­ba­le Kunst er­mög­licht ha­be.

Ver­schlos­sen Doch nicht ein­mal Mu­se­ums­di­rek­to­rin Su­san­ne Ga­ens­hei­mer, die in der Aus­wahl­kom­mis­si­on saß, die Szymc­zyk ins Amt hob, kann sich zu ei­nem Lob durch­rin­gen. Die neue Di­rek­to­rin der Kunst­samm­lung NRW fand die Aus­stel­lung zwar „in­ten­siv und tief­grün­dig“, kri­ti­siert aber die man­geln­de Ver­mitt­lung. Die Do­cu­men­ta ha­be sich „sehr ver­schlos­sen“ge­ge­ben. Die­se Do­cu­men­ta sei „so as­ke­tisch, so streng, fast ver­bit­tert“, fin­den die Re­dak­teu­re vom „Art“-Ma­ga­zin. Szymc­zyk woll­te ei­ne po­li­ti­sche Schau ma­chen, aber da­bei sei „die­ser Do­cu­men­ta das Ver­trau­en in Kraft und Ei­gen­heit der Kunst ab­han­den ge­kom­men“. Die Aus­stel­lung ha­be es dem Be­su­cher in Athen und Kas­sel „höl­lisch schwer“ge­macht: „Sie ver­rät ihm fast nichts über die Künst­ler und pos­tu­liert, wo sie denn et­was er­klärt, oft un­aus­ge­go­ren und dog­ma­tisch.“

Zwei Stand­or­te An der Idee, die Do­cu­men­ta nach Athen zu ex­por­tie­ren, schei­den sich die Geis­ter. Für Sa­eh­rendt war die Schau in Athen „nicht sicht­bar ge­nug, um ein gro­ßes Pu­bli­kum zu er­rei­chen“. Ga­le­rist Jar­mu­schek fin­det zwei Stand­or­te ei­ne schö­ne men­sch­li­che Ges­te für Grie­chen­land. Ver­mut­lich war die schö­ne Idee auch ziem­lich teu­er. Kurz vor En­de der Do­cu­men­ta ka­men nun Ein­zel­hei­ten ans Licht. Die Aus­stel­lung soll ihr Bud­get um meh­re­re Mil­lio­nen über­zo­gen ha­ben.

Erst­mals wur­den Be­su­cher­zah­len ge­nannt: In Kas­sel ka­men bis we­ni­ge Tage vor Schluss et­wa 850 000 Be­su­cher. Die Do­cu­men­ta vor fünf Jah­ren hat­te 905 000 Be­su­cher.

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Wird Buch für Buch ab­ge­baut: „The Part­henon of Books“von Mar­ta Min­u­jin. Am Sonn­tag en­det die Do­cu­men­ta.

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Adam Szymc­zyk

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