Streit güns­tig bei­le­gen

Für Kun­den kos­ten­los: Wann sich ein Ver­fah­ren lohnt

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - SERVICE - Von Sa­bi­ne Meu­ter, dpa

Ex­tra für den Ur­laub war ein ge­räu­mi­ger Kof­fer ge­kauft wor­den. Doch als das hoch­wer­ti­ge Rei­seu­ten­sil am Flug­ha­fen übers Ge­päck­band roll­te, war es völ­lig zer­beult. Das woll­ten die Rei­sen­den so nicht hin­neh­men. Zu Hau­se schrie­ben sie der Flug­ge­sell­schaft ei­nen Brief und ver­lang­ten Scha­den­er­satz. Ei­ne Ant­wort muss­te erst an­ge­mahnt wer­den. Als sie dann kam, wur­den die Kof­fer­be­sit­zer mit dem Hin­weis be­schie­den, dass die Air­line kei­nen Ein­fluss auf das Bo­den­per­so­nal ei­nes Flug­ha­fens ha­be. Die Kun­den hät­ten theo­re­tisch jetzt die Mög­lich­keit ge­habt, die Flug­ge­sell­schaft auf Scha­den­er­satz zu ver­kla­gen. Doch ein Ge­richts­ver­fah­ren ist teu­er und der Aus­gang un­ge­wiss.

Bes­ser ist es oft, ei­ne Ver­brau­cher­schlich­tungs­stel­le ein­zu­schal­ten. Im vor­lie­gen­den Fall ist die Sch­lich­tungs­stel­le für den öf­fent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr in Ber­lin (Söp) die rich­ti­ge An­lauf­stel­le. Sie schlich­tet bei al­len Strei­tig­kei­ten, die sich bei Rei­sen mit Bahn, Bus, Flug­zeug oder Schiff zwi­schen Ver­kehrs­un­ter­neh­men und Rei­sen­den er­ge­ben. Ver­brau­cher müs­sen le­dig­lich ein For­mu­lar aus­fül­len, und schon wird die Söp ak­tiv. „So­bald derSchl ich tungs an­trag vor­liegt, wird der Fall sach­lich wie ju­ris­tisch ge­prüft un dei­ne Sch­lich­tungs­emp­feh­lung er­ar­bei­tet “, er­läu­ter­tSöpGe­schäfts­füh­rer H ein zK­lewe.

Ne­ben derSöp gibt es in Deutsch­land 21 wei­te­re Ver­brau­chers ch lich­tungs stel­len. Dar auf­weist ei­ne Spre­che­rin des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Jus­tiz und für Ver­brau­chers chutz­inBerl in hin. Zu­dem Kreis zähl­tet wa­di eS chli ch tungs stel­le Ener­gie, der Ver­si­che­rung s om­buds­mann oder die Ver­brau­chers chl ich tungs stel­le Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on der Bun­des netz agen­tur.

Clinch Lie­gen Kun­den mit ei­ner Fir­ma im Clinch und zeich­net sich kei­ne Lö­sung ab, soll­ten sie in der Lis­te des Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums schau­en, ob es für die Bran­che ei­ne Sch­lich­tungs­stel­le gibt. Ist dies nicht der Fall, kön­nen sie sich an die All­ge­mei­ne Ver­brau­cher­schlich­tungs­stel­le des Zen­trums für Schlichtung mit Sitz in Kehl wen­den. „Bei uns wer­den Ver­brau­cherBe­schwer­den aus al­len an­de­ren Bran­chen be­ar­bei­tet“, sagt Fe­lix Braun, Vor­stand des Zen­trums für Schlichtung. Das sind et­wa Un­stim­mig­kei­ten mit Un­ter­neh­men beim Mö­bel-, Elek­tro­nik­ge­rä­te-oder Kf­zKauf. „Häu­fig geht es auch um Ge- währ­leis­tungs­fra­gen oder et­wa ei­nen frist­ge­rech­ten Wi­der­ruf bei On­li­ne-Be­stel­lun­gen“, be­rich­tet Braun.

Es gibt aber Fäl­le, für die die All­ge­mei­ne Ver­brau­cher­schlich­tungs­stel­le nie zu­stän­dig ist. „Das sind et­wa ar­beits­recht­li­che Strei­tig­kei­ten“, er­klärt Braun. Auch in Sa­chen Ge­sund­heits­dienst­leis­tun­gen wird die Ein­rich­tung nicht ak­tiv. Sie leis­tet prin­zi­pi­ell auch kei­ne Rechts­be­ra­tung. Wer genau dies sucht, ist bei Rechts­an­wäl­ten oder Ver­brau­cher­zen­tra­len an der rich­ti­gen Stel­le.

Das Zen­trum küm­mert sich in­des um Strei­tig­kei­ten aus ei­nem Ver­trags­ver­hält­nis zwi­schen ei­nem Ver­brau­cher und ei­nem Un­ter­neh­men oder die Fra­ge, ob ein sol­ches Ver­trags­ver­hält­nis über­haupt be­steht.

Vor­aus­set­zung Ver­brau­cher, die sich mit ei­ner Strei­tig­keit an die All­ge­mei­ne Ver­brau­cher­schlich­tungs­stel­le wen­den, müs­sen in der Eu­ro­päi­schen Uni­on woh­nen. Zu­dem muss das Un­ter­neh­men, mit dem sich der Ver­brau­cher un­eins ist, sei­nen Sitz in Deutsch­land ha­ben. Trifft dies zu und ist kei­ne bran­chen­spe­zi­fi­sche Sch­lich­tungs­stel­le für den Fall zu­stän­dig, kann ein An­trag ge­stellt wer­den. Der Streit­wert darf nicht un­ter zehn Eu­ro und nicht über 50 000 Eu­ro lie­gen.

Am ein­fachs­ten ist das On­li­neVer­fah­ren. Dem Nut­zer wird mit ei­ner Check­lis­te vor­ge­ge­ben, wie er den An­trag aus­fül­len muss. Der An­trag auf Schlichtung kann auch per Post, per Mail oder per Fax ein­ge­reicht wer­den. Auf den glei­chen We­gen kann bei den bran­chen­spe­zi­fi­schen Sch­lich­tungs­stel­len ein An­trag ge­stellt wer­den.

Das Ver­fah­ren bie­tet dem Ver­brau­cher ei­ni­ge Vor­tei­le: Es ist für ihn in der Re­gel kos­ten­los, und meist wird in­ner­halb von zwei Mo­na­ten ei­ne Lö­sung ge­fun­den. Die Sch­lich­tungs­stel­le prüft den Fall sach­lich und ju­ris­tisch und er­ar­bei­tet ei­ne Sch­lich­tungs­emp­feh­lung.

Lis­te über Sch­lich­tungs­stel­len www.goo.gl/q8Rh­qC

Fo­to: fre­shi­dea/Fo­to­lia

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