Kei­ne Ei­ni­gung über Fahr­ver­bo­te

Grün-schwar­ze Re­gie­rung kann Streit­punk­te zu Die­sel-Ur­teil nicht aus­räu­men

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - VORDERSEITE - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Peter Rein­hardt

Die Spit­zen der grün-schwar­zen Ko­ali­ti­on ha­ben es nicht ge­schafft, ih­ren Streit über den Um­gang mit dem Fahr­ver­bots­Ur­teil des Stutt­gar­ter Ver­wal­tungs­ge­richts bei­zu­le­gen. Nach ei­ner drei­ein­halb­stün­di­gen Sit­zung des Ko­ali­ti­ons­aus­schus­ses un­ter Lei­tung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) und In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) teil­te ein Re­gie­rungs­spre­cher mit, die Ge­sprä­che sei­en „er­geb­nis­of­fen“und oh­ne neu­en Ter­min ver­tagt wor­den. Am 4. Ok­to­ber en­det die Frist, um das Ur­teil an­zu­fech­ten. Bleibt die Re­gie­rung un­tä­tig, wür­de die Ent­schei­dung rechts­kräf­tig. Dann müss­ten ab Ja­nu­ar Fahr­ver­bo­te an Ta­gen mit Fe­in­stau­balarm ver­hängt wer­den.

Die Ko­ali­ti­on konn­te sich nicht über die Fra­ge ei­ni­gen, ob man das Ur­teil an­nimmt oder in ei­ner hö­he­ren In­stanz an­fech­ten soll. Auf die Fra­ge, ob sich das Bünd­nis in ei­ner Kri­se be­fin­de, ant­wor­te­te er mit „Nein“.

Das Ge­richt hat­te im Ju­li ent­schie­den, dass die bis­he­ri­gen Maß­nah­men zur Luf­t­rein­hal­tung in Stutt­gart nicht aus­rei­chen und der Lan­des­re­gie­rung ei­nen Weg auf­ge­zeigt, um mit Fahr­ver­bo­ten für äl­te­re Die­sel die Grenz­wer­te ein­zu­hal­ten. Die Op­po­si­ti­on im Land­tag re­agier­te mit schar­fer Kri­tik auf die Nicht-Ei­ni­gung der Re­gie­rung. „Bei ei­nem der wich­tigs­ten ak­tu­el­len The­men hat die Ko­ali­ti­on nicht die Kraft, ei­ne Lö­sung im In­ter­es­se der Men­schen zu fin­den“, kri­ti­sier­te SPD-Op­po­si­ti­ons­chef Andre­as Stoch. Statt­des­sen ver­ha­ke man sich in „Macht­spiel­chen“. Stoch plä­dier­te für den Gang durch al­le In­stan­zen. Nur so könn­ten zwi­schen­zeit­lich be­schlos­se­ne Maß­nah­men zur Luf­t­rein­hal­tung be­rück­sich­tigt wer­den.

Vor­wür­fe FDP-Frak­ti­ons­chef Han­sUl­rich Rül­ke warf Grün-Schwarz „Un­fä­hig­keit“vor. „Ich for­der­te die CDU auf, die Be­ru­fung ge­gen die­ses Ur­teil durch­zu­set­zen. Ein­mal in der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode soll­te sich die CDU ge­gen die Grü­nen durch­set­zen“, for­der­te der FDP-Po­li­ti­ker. Fahr­ver­bo­te müss­ten im In­ter­es­se der Die­sel­fah­rer so­wie der Ar­beits­plät­ze in der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ver­hin­dert wer­den.

Im Vor­feld der gest­ri­gen Sit­zung hat­ten vie­le Wirt­schafts­ver­bän­de vor dem Scha­den sol­cher Fahr­ver­bo­te ge­warnt. Der Ein­zel­han­dels­ver­band wies auf exis­ten­zi­el­le Ri­si­ken für die La­den­be­sit­zer in der In­nen­stadt hin. Da­ge­gen hat Bri­git­te Dahl­ben­der, die Lan­des­che­fin des Um­welt­ver­ban­des BUND, im Ge­spräch mit die­ser Zei­tung je­nen Grü­nen den Rü­cken ge­stärkt, die das Ur­teil ak­zep­tie­ren wol­len. Die Fahr­ver­bo­te müs­sen nach ih­rer An­sicht so schnell wie mög­lich kom­men, um die Luft­be­las­tung zu sen­ken und den Ge­sund­heits­schutz vor­an­zu­brin­gen.

Kom­men­tar „Dop­pelt ver­zockt“

„Ein­mal in der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode soll­te sich die CDU ge­gen die Grü­nen durch­set­zen.“Hans-Ul­rich Rül­ke, FDP

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