Fie­ber­haf­te Su­che nach Er­pres­ser

Spur führt mög­li­cher­wei­se nach Nie­der­sach­sen – Kei­ne wei­te­ren ver­gif­te­ten Le­bens­mit­tel auf­ge­taucht

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - BLICK IN DIE WELT - Von Larissa Schwedes und Ro­land Böhm, dpa

Er for­dert Mil­lio­nen von Han­dels­kon­zer­nen und ver­un­si­chert un­zäh­li­ge Ver­brau­cher bun­des­weit: In die Su­che nach dem Er­pres­ser vom Bo­den­see sind laut Po­li­zei in­zwi­schen bis zu 200 Er­mitt­ler ein­ge­bun­den.

Wei­te­re ver­gif­te­te Le­bens­mit­tel wur­den zum Glück zu­nächst nicht ge­fun­den. Ei­ni­ge Fra­gen und Ant­wor­ten:

Was wis­sen wir bis­her über den mut­maß­li­chen Tä­ter?

We­nig. Die Po­li­zei hat Bil­der ei­ner Über­wa­chungs­ka­me­ra aus ei­nem der be­trof­fe­nen Märk­te in Friedrichshafen ver­öf­fent­licht. Zu se­hen ist ein äl­te­rer Mann mit Bril­le, in Le­der­ja­cke und mit wei­ßer Stoff­müt­ze. Mehr weiß die Po­li­zei nicht oder will es nicht sa­gen. Bis­lang wis­se man nicht ein­mal, ob es sich um ei­nen oder aber meh­re­re Tä­ter han­de­le.

Gibt es ei­ne kon­kre­te Spur?

Ei­ne Spur führt mög­li­cher­wei­se ins nie­der­säch­si­sche Pei­ne. An­ge­stell­te ei­nes Ge­schäfts in der In­nen­stadt in­for­mier­ten am Frei­tag­vor­mit­tag die Po­li­zei, weil sie ei­nen Mann be­ob­ach­tet hat­ten, der dem mut­maß­li­chen Er­pres­ser sehr ähn­lich ge­se­hen ha­be. Der Mann konn­te al­ler­dings vor Ein­tref­fen der Be­am­ten das Ge­schäft – ei­nen Dro­ge­rie­markt – wie­der ver­las­sen, wie die Po­li­zei am Abend mit­teil­te. Ei­ne Fahn­dung ver­lief zu­nächst oh­ne Er­geb­nis.

Wo wur­de bis­her was ge­fun­den? Laut Po­li­zei wur­den fünf ver­gif­te­te Pro­duk­te in Gläs­chen in fünf ver­schie­de­nen Ein­kaufs­märk­ten in Friedrichshafen ge­fun­den. Der Tä­ter hat­te sie selbst be­schrie­ben, um sei­ne For­de­run­gen zu un­ter­mau­ern. Die Po­li­zei fand sie Mit­te Sep­tem­ber ge­nau dort. War­um wur­de die Öf­fent­lich­keit erst zwei Wo­chen spä­ter in­for­miert?

Da al­le fünf vom Tä­ter be­schrie­be­nen Gläs­chen rasch si­cher­ge­stellt wur­den, ha­be es zu­nächst kei­ne Ge­fahr für die Öf­fent­lich­keit ge­ge­ben, sagt ein Po­li­zei­spre­cher. In den kom­men­den Ta­gen aber müs­se man be­fürch­ten, dass wei­te­re ver­gif­te­te Pro­duk­te auf­tauch­ten. Jetzt sei ei­ne Ge­fähr­dung der Öf­fent­lich­keit nicht mehr aus­zu­schlie­ßen.

Wie kön­nen Ver­brau­cher sich vor ver­gif­te­ten Le­bens­mit­teln schüt­zen?

Glä­ser ha­ben ei­nen Schraub­ver­schluss, in de­nen vor dem ers­ten Öff­nen ein Un­ter­druck herrscht. „Wenn man das Glas öff­net, knackt es ganz deut­lich. Das ist ein Zei­chen da­für, dass die Ver­pa­ckung in­takt ist“, sagt Chris­tia­ne Man­they von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­denWürt­tem­berg. Blei­be das Kna­cken aus, sol­le man das Pro­dukt nicht ver­zeh­ren, son­dern im Ge­schäft oder bei der Po­li­zei mel­den.

Wie er­kennt man Ma­ni­pu­la­ti­on bei an­de­ren Ver­pa­ckun­gen?

Um ein Pro­dukt zu ver­gif­ten, muss je­mand es öff­nen. Bei ver­pack­ten Le­bens­mit­teln soll­te da­her auf den Zu­stand der Ver­pa­ckung ge­ach­tet wer­den. Ist die Ori­gi­nal­ver­pa­ckung un­ver­sehrt, ist man si­cher.

Kann der Ver­brau­cher das ver­wen­de­te Gift er­ken­nen?

Der Er­pres­ser von Friedrichshafen nutz­te die si­ru­par­ti­ge Flüs­sig­keit Ethy­lengly­col zum Ver­gif­ten von Le­bens­mit­teln. Da sie farb- und ge­ruch­los ist, lässt sie sich beim Ver­zehr nicht er­ken­nen.

Der Er­pres­ser brach­te die Glä­ser mit ver­gif­te­ter Ba­by­nah­rung in Um­lauf. Soll­te man Ba­by­nah­rung zur­zeit mei­den?

Die Ver­brau­cher­zen­tra­le spricht kei­ne ge­ne­rel­le War­nung vor dem Kauf von Ba­by­nah­rung aus. „Man soll­te ein­fach acht­sam sein“, sagt Man­they.

Wie be­merkt man ei­ne Ver­gif­tung durch Ethy­lengly­col?

Die Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen rei­chen von Übel­keit über Er­bre­chen bis hin zu Be­nom­men­heit.

Fo­to: dpa

Die Po­li­zei sucht die­sen Mann. Er soll der Le­bens­mit­te­ler­pres­ser sein.

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