Neue Re­geln für Fonds

Aus­ge­wähl­te In­vest­ments wer­den ab 2018 an­ders be­steu­ert

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - SERVICE - Von Micha­el Schrei­ber

Der Ge­setz­ge­ber än­dert ab dem 1. Ja­nu­ar 2018 die Be­steue­rungs­re­geln für Pu­bli­kums­fonds. Bis­lang wer­den Fonds­an­le­ger wie Di­rekt­an­le­ger be­han­delt, nur der An­le­ger wird be­steu­ert, aber nicht der Fonds. Künf­tig sol­len erst­ma­lig in deut­schen Fonds be­stimm­te Er­trä­ge be­las­tet wer­den. Zum Aus­gleich wer­den dann Aus­schüt­tun­gen aus Fonds und Ge­win­ne aus dem Ver­kauf von Fonds­an­tei­len bei der Ab­gel­tungs­teu­er für Pri­vat­an­le­ger teil­wei­se steu­er­frei ge­stellt. Ein Über­blick:

Steu­er­pflicht

Ge­än­dert wird vor al­lem das Be­steue­rungs­prin­zip. Künf­tig sol­len in­län­di­sche Fonds 15 Pro­zent Kör­per­schaft­steu­er auf deut­sche Di­vi­den­den, deut­sche Miet­erträ­ge und Ge­win­ne aus dem Ver­kauf deut­scher Im­mo­bi­li­en zah­len. Bis­lang blei­ben die­se Er­trä­ge im Fonds selbst steu­er­frei. Erst der An­le­ger muss dar­auf Ab­gel­tungs­teu­er zah­len. Als Aus­gleich für die neue Be­steue­rung auf Fonds­ebe­ne wer­den für den An­le­ger Aus­schüt­tun­gen und Ver­kaufs­ge­win­ne zum Teil von der Ab­gel­tungs­teu­er be­freit. Für Pri­vat­an­le­ger in Ak­ti­en­fonds sind zum Bei­spiel 30 Pro­zent steu­er­frei, in Misch­fonds 15 Pro­zent und in of­fe­nen Im­mo­bi­li­en­fonds 60 Pro­zent oder 80 Pro­zent, wenn der In­ves­ti­ti­ons­schwer­punkt im Aus­land liegt. An­de­re Er­trä­ge wie Ver­kaufs­ge­win­ne aus Wert­pa­pie­ren, aus­län­di­sche Di­vi­den­den oder Im­mo­bi­li­en­er­trä­ge, Ge­win­ne aus Ter­min­ge­schäf­ten und Zin­s­er­trä­ge blei­ben wie bis­her auf Fonds­ebe­ne steu­er­frei und wer­den erst beim An­le­ger ver­steu­ert. Ren­ten­fonds sind des­halb von der Re­form nicht be­trof­fen. Auch zer­ti­fi­zier­te Al­ters­vor­sor­ge­ver­trä­ge wie Ries­ter- und Rü­rup-Fondspar­plä­ne blei­ben wei­ter­hin in der An­spar­pha­se kom­plett steu­er­be­freit. Das Fi­nanz­amt hält erst spä­ter in der Aus­zah­lungs­pha­se die Hand auf.

The­sau­rie­rung

Leich­ter wird die Steu­er­er­klä­rung für An­le­ger mit aus­län­di­schen the­sau­rie­ren­den Fonds. Das sind Fonds, die we­nig oder gar nichts aus­schüt­ten und die er­ziel­ten Er­trä­ge im Fonds­ver­mö­gen an­sam­meln. Für sol­che Fonds er­mit­telt die de­pot­füh­ren­de Stel­le künf­tig zum Jah­res­en­de die so­ge­nann­te Vor­ab­pau­scha­le, auf die An­le­ger Ab­gel­tungs­steu­er zah­len müs­sen. Fäl­li­ge Steu­ern wer­den dann vom Kun­den­kon­to des An­le­gers ab­ge­bucht. Beim Ver­kauf der Fonds­an­tei­le ver­rech­nen die de­pot­füh­ren­den Stel­len au­to­ma­tisch die be­reits be­steu­er­ten Vor­ab­pau­scha­len mit dem Ver­kaufs­ge­winn, da­mit der An­le­ger nichts dop­pelt ver­steu­ert.

Pri­vi­leg fällt

Fonds­an­tei­le, die vor dem 1.Ja­nu­ar 2009 er­wor­ben wur­den, dür­fen nur noch bis zum 31.De­zem­ber 2017 steu­er­frei ver­kauft oder an die Fonds­ge­sell­schaft zu­rück­ge­ge­ben wer­den. Kurs­ge­win­ne, die ab 1.Ja­nu­ar 2018 auf die­se al­ten An­tei­le neu ent­ste­hen, blei­ben künf­tig nur noch bis zu ei­nem Frei­be­trag von 100 000 Eu­ro pro An­le­ger steu­er­frei. Dar­über hin­aus ver­langt das Fi­nanz­amt dann Ab­gel­tungs­teu­er.

Ver­lie­rer

Nicht für al­le Steu­er­zah­ler hat die Re­form Vor­tei­le. Klein­spa­rer, die den ei­ge­nen Spa­rer­pausch­be­trag nicht aus­schöp­fen, ha­ben von den Teil­frei­stel­lun­gen kei­nen Vor­teil, müs­sen aber ge­rin­ge­re Aus­schüt­tun­gen ih­res Fonds hin­neh­men. Das gilt auch für Steu­er­zah­ler, die mit Hil­fe ei­ner Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni- gung steu­er­freie Ka­pi­tal­er­trä­ge er­zie­len. Nach­tei­le er­lei­den de­fi­ni­tiv auch Spa­rer mit fonds­ge­bun­de­nen oder klas­si­schen Le­bens- oder Ren­ten­ver­si­che­run­gen oder Fonds­an­la­gen im Rah­men der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Bei die­sen steu­er­pri­vi­le­gier­ten Geld­an­la­gen läuft die Teil­frei­stel­lung der Fond­ser­trä­ge ins Lee­re, die ge­rin­ge­ren Aus­schüt­tun­gen der Fonds auf­grund der Steu­er­vor­be­las­tung von 15 Pro­zent schmä­lern aber die Er­trags­aus­sich­ten die­ser Pro­duk­te.

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