Ins Be­wusst­sein

Die gu­te Kon­junk­tur macht die schwie­ri­gen Fäl­le auf dem Ar­beits­markt erst sicht­bar.

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - VORDERSEITE - Von Hei­ko Frit­ze @ Ih­re Mei­nung? hei­ko.frit­ze@stim­me.de

Man muss die Zahl ein­mal um­rech­nen, um sie rich­tig zu ver­ste­hen: 650 Ta­ge, das sind knapp 93 Wo­chen, mehr als 21 Mo­na­te. So lan­ge ist ein Hartz-IV-Emp­fän­ger im Schnitt ar­beits­los, be­vor er wie­der in ei­nen re­gu­lä­ren Job kommt. Fast zwei Jah­re. Und in­ner­halb von fünf Jah­ren hat sich die­se Durch­schnitts­dau­er um et­wa drei­ein­halb Mo­na­te er­höht.

Da­zu muss aber ge­sagt wer­den: Das be­deu­tet nicht et­wa, dass es für Hartz-IV-Emp­fän­ger grund­sätz­lich schwie­ri­ger ge­wor­den ist, ei­ne Stel­le zu fin­den. Viel­mehr wer­den al­le je­ne, die halb­wegs gu­te Vor­aus­set­zun­gen mit­brin­gen, gar nicht erst lang­zeit­ar­beits­los. Der Kon­junk­tur­auf­schwung macht es mög­lich, dass sol­che Per­so­nen rasch in Wei­ter­bil­dung und Um­schu­lung lan­den und von dort aus ei­ne Ar­beit fin­den.

Üb­rig blei­ben je­ne, die es schon im­mer schwe­rer hat­ten: Al­lein­er­zie­hen­de, Men­schen oh­ne Aus­bil­dung, mit ho­hen Schul­den und Sucht­krank­hei­ten, oh­ne gu­te Deutsch­kennt­nis­se. Die Sta­tis­tik macht jetzt erst rich­tig be­wusst, dass sie im­mer noch da sind. Sie rückt die­se Grup­pen in den Mit­tel­punkt, die bis­lang im Boom-Tau­mel ver­ges­sen wur­den. Zum ei­nen wer­den auch sie ge­braucht, um den Ar­beits­kräf­te­be­darf zu de­cken. Und zum an­de­ren muss auch ih­nen ei­ne Mög­lich­keit er­öff­net wer­den, von ih­rer ei­ge­nen Hän­de Ar­beit zu le­ben.

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