Mehr Mut

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - - MEINUNGEN - Von Chris­ti­ne Fa­get

Der An­satz des „Mar­shall­plans mit Afri­ka“ist gut. Drei Män­gel hat er al­ler­dings.

Wer nicht will, dass Mi­gra­ti­ons­strö­me von arm zu reich flie­ßen, der muss da­für sor­gen, dass In­ves­ti­ti­ons­strö­me in um­ge­kehr­te Rich­tung flie­ßen – von reich zu arm.

Das hat Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler rich­tig er­kannt und ei­nen „Mar­shall­plan mit Afri­ka“in die We­ge ge­lei­tet. Pri­va­te In­ves­ti­tio­nen statt staat­li­che Al­mo­sen soll das Pa­ra­dig­ma nun hei­ßen, um Ar­beits­plät­ze vor Ort zu schaf­fen. Der An­satz ist gut: Oft ist es die Per­spek­tiv­lo­sig­keit, die jun­ge Men­schen zur Flucht drängt. Gleich­zei­tig nimmt Afri­ka bei die­sem An­satz kei­ne Op­fer­rol­le mehr ein. Son­dern ei­ne Stel­lung als gleich­be­rech­tig­ter Part­ner, bei dem es ab­zu­wä­gen gilt, ob sich In­ves­ti­tio­nen loh­nen – ge­nau wie bei In­ves­ti­tio­nen in­ner­halb Eu­ro­pas. Drei Män­gel gilt es al­ler­dings zu be­wäl­ti­gen: Ers­tens ist der „Mar­shall­plan“bis­her we­der kon­kre­ti­siert noch mit Mit­teln un­ter­legt.

Zwei­tens müss­te er, wenn er wirk­lich et­was be­we­gen will, auch Han­dels- und Wäh­rungs­po­li­tik um­fas­sen. Ein EU-Frei­han­dels­ab­kom­men wur­de 2014 mit west­afri­ka­ni­schen Staa­ten ver­ein­bart und soll den zoll­frei­en Im­port eu­ro­päi­scher Wa­re er­mög­li­chen. Zu­dem ist die west­afri­ka­ni­sche Wäh­rung in­fol­ge der Ko­lo­ni­al­zeit im­mer noch von Frank­reich kon­trol­liert: Die Hälf­te der west­afri­ka­ni­schen Geld­re­ser­ven la­gert bei der fran­zö­si­schen Na­tio­nal­bank und kann nicht in­ves­tiert wer­den. Drit­tens brau­chen In­ves­to­ren den Mut, auch in Pro­jek­te zu in­ves­tie­ren, die au­ßer­halb des ei­ge­nen Ho­ri­zonts lie­gen. Hier müs­sen afri­ka­ni­sche Fir­men die Chan­ce er­hal­ten, auf dem Ra­dar von rei­chen In­ves­to­ren über­haupt auf­zu­tau­chen. Denn nur durch Be­geg­nung kann Ver­trau­en wach­sen – und In­ves­to­ren mehr Mut ge­macht wer­den.

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