Es­tra­gon för­dert den Ap­pe­tit und die Ver­dau­ung

Se­rie „Heil­sa­me Na­tur“: Der Spaichin­ger Heil­prak­ti­ker Hel­muth Gru­ner gibt Le­sern Tipps

Heuberger Bote - - SPAICHINGEN -

- Es­tra­gon fin­den wir we­ni­ger in der frei­en Na­tur, er ist aber beim An­bau im Gar­ten ein un­ent­behr­li­cher Hel­fer in Kü­che und Haus­apo­the­ke. Im Win­ter kön­nen wir ihn auch im Topf am Kü­chen­fens­ter zie­hen und nut­zen.

Sei­ne äthe­ri­schen Öle und Gerb­stof­fe, Fla­vo­no­ide, Bit­ter­stof­fe und an­de­re Pflan­zen­säu­ren, Ka­li­um, Li­mo­nen, Kam­phen, Phe­land­ren, Anethol, Es­tra­gol und Oci­men wir­ken nicht nur harn­trei­bend, ap­pe­tit­an­re­gend und ver­dau­ungs­för­dernd, son­dern sind auch reich an Jod, Mi­ne­ral­sal­zen so­wie Vit­amin A und C.

Als Zu­ga­be eig­nen sich die Blät­ter be­son­ders für eis­ge­kühl­te Long­drinks mit und oh­ne Al­ko­hol im Som­mer. Fleisch­ge­rich­te er­hal­ten ei­ne wür­zi­ge No­te, wenn man ein Bü­schel Es­tra­gon­blät­ter in der So­ße mit zu­be­rei­tet.

Der Na­me lei­tet sich vom Wort „Dra­co“ab, das be­deu­tet „Dra­che“oder „Schlan­ge“. Über tau­send Jah­re lang ver­mu­te­te man, dass ein Bün­del Es­tra­gon vor Schlan­gen­bis­sen schützt. Das ist si­cher ein Irr­glau­be, aber hat man doch ein­mal ei­nen Biss ab­be­kom­men, dann hel­fen die ge­kau­ten oder zer­quetsch­ten Blät­ter, wenn sie gleich nach dem Biss auf­ge­legt wer­den. An­sons­ten galt der Es­tra­gon frü­her, wie al­le stark rie­chen­den Pflan­zen, als ein an­ti-dä­mo­ni­sches Mit­tel, wel­ches ge­gen Zau­be­rei und bö­se Mäch­te schützt.

In gu­ten neu­en Koch­bü­chern wird Es­tra­gon, haupt­säch­lich die Blät­ter, in Kräu­ter­mi­schun­gen zur Her­stel­lung von So­ßen, Sup­pen, Sa­la­ten und Kräu­ter­es­sig emp­foh­len. Die Blät­ter kann man ha­cken, trock­nen oder frisch ein­frie­ren. Als Zu­ga­be für Fleisch, Ge­flü­gel, Pil­ze und Spar­gel ist er das op­ti­ma­le Ge­würz.

Es­tra­gon wirkt des­halb ap­pe­tit­an­re­gend, weil sei­ne äthe­ri­schen Öle und Bit­ter­stof­fe be­reits im Mund wir­ken und die Ma­gen­saft­bil­dung ver­stär­ken. Wer mit der Gal­le Pro­ble­me hat, soll­te ver­stärkt Es­tra­gon ver­wen­den, weil die­ser den Gal­len­fluss för­dert und harn­trei­bend wirkt durch sei­ne nie­ren­pfle­gen­de Wir­kung. Das mit Es­tra­gon her­ge­stell­te Öl hilft bei Rheu­ma und Mus­kel­krämp­fen. Im Not­fall hilft das Kau­en ei­ner Es­tra­gon­wur­zel bei Zahn­schmer­zen, dies er­spart je­doch nicht den an­ste­hen­den Gang zum Zahn­arzt. Tees aus Blät­tern und Blü­ten die­nen nicht nur zur An­re­gung der Nie­ren­funk­ti­on, son­dern, vor dem Es­sen ei­ne Tas­se ge­trun­ken, er­leich­tert er die Ar­beit des Ma­gens.

Bei An­pflan­zung im Gar­ten kön­nen wir wäh­len zwi­schen dem fran­zö­si­schen Es­tra­gon, der ei­nen Win­ter­schutz braucht, je­doch ei­nen fei­ne­ren Ge­schmack hat, oder der rus­si­schen Va­ri­an­te, die zwar et­was her­ber schmeckt, aber je­des Kli­ma ver­trägt und nicht um­ge­pflanzt wer­den muss. Es ist un­se­rer Ge­sund­heit zu­träg­lich, wenn wir un­se­re Kü­che mit Es­tra­gon-Es­sig, auch ger­ne in Form ei­nes Kräu­ter­es­sigs, be­rei­chern.

Re­zep­te

Es­tra­gon­es­sig: 2 ½ Tas­sen fri­schen oder ge­trock­ne­ten Es­tra­gon in ein breit­hal­si­ges Ge­fäß fül­len und mit gu­tem Wein­es­sig be­de­cken. Das Glas ver­schlos­sen an ei­nem son­ni­gen Platz 4-6 Wo­chen zie­hen las­sen. Dann fil­tern (Kaf­fee­fil­ter) und stark er­hit­zen (nicht ko­chen). Den Es­sig in ei­ne Fla­sche fül­len, ei­nen fri­schen Es­tra­gon­zweig als De­ko­ra­ti­on da­zu­ge­ben und dann ver­wen­den.

Es­tra­gon­öl: 2 ½ Tas­sen kalt­ge­press­tes Son­nen­blu­men­öl, ei­ne Tas­se Es­tra­gon, fein ge­hack­te fri­sche Pe­ter­si­lie und be­lie­bi­ge an­de­re Kräu­ter. Das Öl mit den ge­hack­ten Kräu­tern ver­mi­schen und zu­ge­deckt ei­ne Wo­che in ei­nem küh­le­ren Raum ste­hen las­sen (öf­ter um­rüh­ren). Dann die ver­brauch­ten Kräu­ter ent­fer­nen, den De­ckel gut schlie­ßen und kühl la­gern.

Es­tra­gond­res­sing: 1 EL ge­hack­ter Es­tra­gon, 4 EL Trau­ben­kern- oder Nuss­öl, 2 EL Oli­ven­öl, 1 Pri­se Zu­cker und Salz, et­was schwar­zer Pfef­fer, die Zu­ta­ten gründ­lich mi­schen und über den Sa­lat ge­ben. Man kann auch grö­ße­re Men­gen her­stel­len und im Kühl­schrank de­po­nie­ren. Vor Ge­brauch schüt­teln.

Es­tra­gon­tink­tur: 20 g Es­tra­gon mit 100 ml hoch­pro­zen­ti­gem Al­ko­hol an­set­zen und acht Ta­ge ste­hen las­sen. Da­nach fil­tern und in dunk­le Fla­schen fül­len. 20 - 30 Trop­fen nach den Mahl­zei­ten neh­men.

Es­tra­gon-Ma­ril­len: Ma­ril­len (Apri­ko­sen) wa­schen und ent­stei­nen und mit 100 g Zu­cker an­rei­chern. Sechs ge­quetsch­te Es­tra­gon­zwei­ge da­zu­ge­ben, ei­ne Va­nil­le­scho­te so­wie ein Stück­chen Zi­tro­nen­scha­le bei­fü­gen und al­les auf­ko­chen las­sen. Dann die Apri­ko­sen da­zu­ge­ben, leicht kö­cheln, bis sie weich sind. Vom Herd neh­men, ½ Zi­tro­ne aus­pres­sen und den Saft hin­zu­fü­gen. Die­ses Kom­pott mit ei­nem Schäl­chen Na­tur­jo­ghurt gar­nie­ren und ei­ne Ku­gel Va­nil­le­eis hin­zu­fü­gen.

FOTO:HOC

Hel­mut Gru­ner

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