Ge­werk­schaft­ler sind em­pört über Pla­kat

Pe­ter Fi­scher und Eg­mond Jä­ger äu­ßern sich zum ras­sis­ti­schen Wahl­pla­kat in Eges­heim

Heuberger Bote - - HEUBERG -

(sz) - Das An­brin­gen ei­nes – in­zwi­schen wie­der ent­fern­ten (sie­he un­ten rechts) – ras­sis­ti­schen Pla­kats bei der Fir­ma Richard Weiss in Eges­heim (sie­he Ar­ti­kel „Fir­ma wirbt mit ras­sis­ti­schem Mo­tiv“in der gest­ri­gen Aus­ga­be), hat un­ter an­de­rem auch bei Ge­werk­schafts­funk­tio­nä­ren der Re­gi­on Em­pö­rung aus­ge­löst.

Das Wahl­pla­kat sei „ras­sis­tisch, ekel­haft und es über­schrei­tet je­de Gren­ze des An­stan­des“. schreibt et­wa Pe­ter Fi­scher, Re­gi­ons­ge­schäfts­füh­rer des DGB Ba­den-Würt­tem­berg. „Nicht oh­ne Grund“, so er­in­nert Fi­scher, „hat ge­mäß § 74 Abs. 2 Be­trVG ein Ar­beit­ge­ber wie auch ein Be­triebs­rat je­de par­tei­po­li­ti­sche Be­tä­ti­gung im Be­trieb zu un­ter­las­sen. Zum Be­trieb ge­hört wohl auch das ent­spre­chen­de Be­triebs­ge­län­de. Hier ha­ben sich gleich vier Fir­men­chefs nicht et­wa als Pri­vat­per­so­nen, son­dern viel­mehr mit ih­rem Fir­men­lo­go par­tei­po­li­tisch in Ziel­rich­tung von ab­hän­gig Be­schäf­tig­ten und der Öf­fent­lich­keit be­tä­tigt. Zu­dem ha­ben sich die of­fen­sicht­lich in ei­ner al­ter­na­ti­ven Par­al­lel­welt le­ben­den Per­so­nen in Schrift und Bild in ei­ner Wei­se ge­äu­ßert, die sich nach mei­ner Auf­fas­sung zu­min­dest in un­mit­tel­ba­rer Nä­he des Straf­tat­be­stan­des der Volks­ver­het­zung be­fin­det.“

Völ­lig un­ab­hän­gig da­von füg­ten die­se Herr­schaf­ten dem An­se­hen an­de­rer Un­ter­neh­men Scha­den zu. „Ich den­ke da­bei an Part­ner­fir­men die mit R. Weiß, Mo­ser, Ha­sel­mei­er und I.B.M. in ei­ner ge­schäft­li­chen Be­zie­hung ste­hen. Es wä­re si­cher in­ter­es­sant, de­ren Mei­nung zu die­ser ras­sis­ti­schen Wahl­wer­bung zu er­fra­gen. Aber so weit ha­ben die­se Wahl­hel­fer wohl gar nicht erst ge­dacht.

Ich wür­de mir wün­schen“, so Pe­ter Fi­scher, „dass die üb­ri­ge Wirt­schaft die­se ver­korks­te Darstel­lung un­se­rer Un­ter­neh­mer so nicht ste­hen lässt.“

DGB-Kreis­ver­bands­vor­sit­zen­der Eg­mond Jä­ger hat sich „als Bür­ger“in ei­nem of­fe­nen Brief di­rekt an den Un­ter­neh­mer Richard Weiss ge­wandt: „Ich möch­te Sie bit­ten, dar­über nach­zu­den­ken, was Sie mit dem von Ih­nen auf­ge­stell­ten Pla­kat be­wir­ken“, heißt es da­rin. „Es soll Angst vor far­bi­gen Men­schen we­cken. War­um? Ha­ben Sie Angst vor Afri­ka­nern? Oh­ne Angst kann ich mir kaum er­klä­ren, dass Sie die ab­sur­de Un­ter­stel­lung pla­ka­tie­ren, dass Deutsch­land in 13 Jah­ren aus Afri­ka­nern be­ste­hen wird.“

Als Leh­rer ha­be er far­bi­ge Schü­ler un­ter­schied­li­cher Her­kunft. „Bei den meis­ten stammt ein El­tern­teil aus Afri­ka, ei­nes vom Heu­berg, sie selbst sind in der Re­gel hier ge­bo­ren.“Wie müs­se sich solch ein Schü­ler füh­len, wenn er die­ses Bild sieht, „das vor ihm und sei­nes­glei­chen warnt“? Glei­ches gel­te für al­le an­de­ren, „die nicht so aus­se­hen, wie Sie an­schei­nend fin­den, dass Deut­sche aus­se­hen sol­len“.

Jä­ger ver­weist auf Ar­ti­kel 3 des deut­schen Grund­ge­set­zes: „Nie­mand darf we­gen sei­nes Ge­schlech­tes, sei­ner Ab­stam­mung, sei­ner Ras­se, sei­ner Spra­che, sei­ner Hei­mat und Her­kunft, sei­nes Glau­bens, sei­ner re­li­giö­sen oder po­li­ti­schen An­schau­un­gen be­nach­tei­ligt oder be­vor­zugt wer­den. Nie­mand darf we­gen sei­ner Be­hin­de­rung be­nach­tei­ligt wer­den.“

Ge­gen den Geist des Grund­ge­set­zes rich­te sich die­ses Pla­kat. „Wem die­ses Land am Her­zen liegt“, so Jä­ger, „möch­te sei­ne frei­heit­li­che Form be­hal­ten, die die Men­schen nicht nach Ab­stam­mung sor­tiert. So ein Deutsch­land gab es ein­mal, es war nicht sehr er­folg­reich.

Ich bit­te Sie als Bür­ger, ent­fer­nen Sie die­ses Pla­kat, weil es Angst und Hass weckt!“

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