Re­for­ma­ti­on zwi­schen Fläd­le und Bra­ten

Lu­thers la­den nach 500 Jah­ren zum Aus­tausch und zu Tisch

Heuberger Bote - - ERSTE SEITE - Von Her­lin­de Groß

Mit vie­len Ori­gi­nal­zi­ta­ten brin­gen Lu­thers die Ge­schich­te in Hau­sen na­he.

- Nach 500 Jah­ren ha­ben Pro­fes­sor Dr. Mar­tin Lu­ther und sei­ne Ehe­frau Kat­ha­ri­na ge­bo­re­ne von Bo­ra per­sön­lich zu ei­nem gro­ßen Fest­mahl in ih­re gu­te Stu­be in Hau­sen ein­ge­la­den. Je­der Gast der Tisch­ge­mein­schaft wur­de von den Gast­ge­bern an der Tü­re herz­lich be­grüßt.

An­läss­lich des 500 jäh­ri­gen Re­for­ma­ti­ons-Ju­bi­lä­ums lie­ßen Mar­tin Lu­ther (Pfar­rer Mat­thi­as Fi­gel) Kat­ha­ri­na von Bo­ra (Chris­ti­ne Fi­gel), Phil­ipp Me­lan­chthon (Eck­hard Mau­rer), Jo­han­nes Brenz (Chris­toph Gla­ser), Ma­gis­ter Hein­rich (Lothar Klai­ber) die als Stu­dent ver­klei­de­te Jo­han­na (Ute Hass-Klai­ber) in Ko­s­tü­men der da­ma­li­gen Zeit (1517) die Zeit der Re­for­ma­ti­on auf­er­ste­hen. Sie woll­ten in der gu­ten Stu­be der Gast­stät­te „Blu­me“in Hau­sen mit dem Gast­mahl Men­schen er­rei­chen, die nicht un­be­dingt in der Kir­che zu se­hen sind. Und das ist ih­nen ge­lun­gen. Al­le Stüh­le wa­ren be­legt.

Ge­kocht hat das Fest­mahl na­tür­lich Kat­ha­ri­na von Bo­ra. Ihr zur Sei­te stand das „Blu­men­team“mit der net­ten Wir­tin Hei­ke. Denn nicht um­sonst wur­de die Koch­kunst von Kat­ha­ri­na von ih­rem Ehe­mann Mar­tin Lu­ther so ge­rühmt. Sie ver­stand es aus dem al­ten her­un­ter­ge­kom­me­nen, je­doch ge­schenk­ten „Schwar­zen Klos­ter“ei­ne Wirt­schaft zu ma­chen, um so das nö­ti­ge Geld zu ver­die­nen, er­in­ner­te Lu­ther.

Zwi­schen Fläd­le­sup­pe, ge­misch­ten Bra­ten mit Klö­ßen und Ap­fel­küch­le als Nach­tisch spiel­ten die „Schau­spie­ler“je­weils Tisch­sze­nen aus dem täg­li­chen Le­ben Lu­thers nach. Die meis­ten Aus­sa­gen wa­ren Ori­gi­nal­wor­te des Re­for­ma­tors.

Da­mit sei­ne Tisch­ge­nos­sen wuss­ten mit wem sie es zu tun hat­ten, stell­te Mar­tin Lu­ther kurz sei­ne Bio­gra­fie vor. Als Bau­ern­sohn ge­bo­ren, wur­de er Bac­ca­lau­reus, Ma­gis­ter, Dok­tor der Hei­li­gen Schrift und Mönch. Mit den Ma­chen­schaf­ten der Ablass­ge­schäf­te ging er nicht kon­form. Der gro­ße Papst in Rom und er sind sich des­we­gen in die Haa­re ge­ra­ten. Dass der Papst gram ihm sei, sei ihm nicht zu ver­den­ken, zu­mal er noch ei­ne weg­ge­lau­fe­ne Non­ne zum Wei­be nahm.

In der ers­ten Sze­ne tref­fen sich Lu­ther und sei­ne Ge­fähr­ten Brenz und Me­lan­chthon nach lan­ger Zeit und hal­ten Rück­schau. Plötz­lich taucht die Fra­ge auf, war­um wur­de erst 15 Jah­re spä­ter nach Wit­ten­berg in Würt­tem­berg die Re­for­ma­ti­on ein­ge­führt? Weil Her­zog Ul­rich erst 1535 sein Her­zog­tum zu­rück­er­obern muss­te, weiß Brenz als der zu­stän­di­ge Re­for­ma­tor für Würt­tem­berg.

Me­lan­chthon, der die ers­ten Schu­len für die Re­for­mier­ten grün­de­te, macht in den Ge­sprä­chen stets auf die not­wen­di­ge Bil­dung auf­merk­sam. Der gro­ße Meis­ter macht auch den Frau­en Mut zum ei­ge­nen Glau­ben und Ge­wis­sen. Nach Lu­ther ei­ge­nen Wor­ten ist ein Chris­ten­mensch ein frei­er Herr und nie­man­den un­ter­tan. Kat­ha­ri­na er­gänzt die Aus­sa­ge na­tür­lich, dass auch ei­ne freie Frau nie­man­den un­ter­tan sei.

Im zwei­ten Teil wer­den auch der Glau­bens­flücht­lin­ge ge­dacht, die die­ser Ta­ge (um 1517) in gro­ßer Zahl aus den ka­tho­li­schen Ge­bie­ten kom­men. Sie brau­chen bei­des, Brot und Herz­lich­keit und ge­wiss auch Bil­dung nach Me­lan­chthon. Trotz al­ler Not ha­be auch un­ser Herr Je­sus ge­fei­ert, mein­te Lu­ther und schon wur­de der Bra­ten auf­ge­tischt.

Im drit­ten Teil stellt die Ge­mein­schaft fest, dass so man­ches Ge­rücht und fal­sches Zi­tat her­um läuft und je­der denkt, der Lu­ther hat’s ge­sagt. „Al­lein der Glau­be macht’s“, be­stä­tigt die­ser. Der Glau­be brin­ge den Men­schen zu Gott, die Lie­be brin­ge ihn zu den Men­schen. „So war es mir ein An­lie­gen, frei und mün­dig, ver­ant­wort­lich nur Gott und un­se­rem Nächs­ten“, spricht Lu­ther. Doch Kat­ha­ri­na geht be­reits über zum Nach­tisch: Die Früch­te des Ap­fel­bau­mes sol­len die Gäs­te er­freu­en, wenn die Sa­che da­mals im Pa­ra­dies auch schief ging.

„Zah­len müsst ihr sel­ber“

„Schön, dass Ihr da wart und mit­ein­an­der wir Tisch und klu­ge Ge­dan­ken tei­len konn­ten“, sagt Mar­tin Lu­ther zum Schluss. Mit dem ge­mein­sam ge­sun­ge­nen Lied spricht er ei­nen letz­ten Wunsch an die Tisch­ge­mein­schaft aus: „Ver­traut den neu­en We­gen auf die der Herr euch stellt.“„Herz­li­chen Dank euch al­len für eu­ren Be­such, Dank an die Kü­che und al­len, die heu­te mit­ge­wirkt ha­ben,“spricht Kat­ha­ri­na. „ Aber be­zah­len müsst ihr selbst“, denn Lu­thers wa­ren mit ir­di­schen Gü­tern nicht reich ge­seg­net.

FO­TO: ALOIS GROSS

FO­TO: ALOIS GROSS

In­mit­ten der Tisch­ge­mein­schaft blick­ten die his­to­ri­schen Per­so­nen v.li. Phil­ipp Me­lan­chthon, Jo­han­nes Brenz, Stu­dent Jo­hann, Ma­gis­trat Hein­rich, Kat­ha­ri­na von Bo­ra und Mar­tin Lu­ther auf die An­fän­ge der Re­for­ma­ti­on.

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